von Alexander Wurzer 03.10.2026 19:22 Uhr

Josef Mayr-Nusser: Ein Südtiroler Märtyrer für die Freiheit

Der Südtiroler Heimatbund erinnert an Josef Mayr-Nusser, der am 4. Oktober 1944 vor 82 Jahren aus Gewissensgründen den Eid auf Adolf Hitler verweigerte. Der am 27. Dezember 1910 auf dem Nusserhof in Bozen geborene Südtiroler war ein tief religiös geprägter Mensch und setzte mit seiner Entscheidung ein persönliches Zeichen gegen Tyrannei und Führerkult.

Josef Mayr-Nusser - Foto: SHB

Mit 24 Jahren wurde Josef Mayr-Nusser erster Diözesanführer der Katholischen Jugend des deutschen Anteils der Diözese Trient. Leiter der Jugendarbeit der Katholischen Aktion war damals der katholische Priester Josef Ferrari, der vor allem nach 1945 sein Leben nicht nur in den Dienst der Bewahrung des Glaubens, sondern auch des Volkstums und der Wiederaufrichtung des deutschen Schulwesens in Südtirol stellen sollte.

Der von seinem Vorbild Ferrari geistig geprägte Mayr-Nusser folgte bei der Option von 1939 dem Beispiel Josef Ferraris und Kanonikus Michael Gampers. Er optierte nicht für die Auswanderung, sondern blieb in Südtirol und betätigte sich im Andreas-Hofer-Bund gegen die Umsiedlungspropaganda.

Im Jahr 1942 heiratete Mayr-Nusser Hildegard Straub. Aus der Ehe ging der Sohn Albert hervor.

Einberufung und Gewissenskonflikt

Am 5. September 1944 wurde Josef Mayr-Nusser zum Wehrdienst einberufen. Gemeinsam mit etwa 80 weiteren Südtirolern kam er nach Konitz bei Danzig. Dort erfuhren er und seine Kameraden, dass sie zu einer Einheit der Waffen-SS kommen sollten.

Für Mayr-Nusser war diese Situation mit großer innerer Not verbunden. Er wäre bereit gewesen, den Wehrmachtseid zu leisten. Nicht bereit war er hingegen, den SS-Eid abzulegen, in dem Adolf Hitler persönlich und nicht nur als oberstem Militärbefehlshaber die Treue geschworen werden musste.

Der Eid verlangte Treue und Tapferkeit gegenüber Adolf Hitler sowie Gehorsam bis in den Tod. Für Mayr-Nusser war dies nicht mit seinem Gewissen vereinbar.

Er erklärte daher, die Ableistung dieses Eides – im Gegensatz zum Wehrmachtseid – nicht mit seinem Gewissen vereinbaren zu können. Der Südtiroler Heimatbund verweist in diesem Zusammenhang auf das Werk „NS-Herrschaft in Südtirol“ von Margareth Lun.

Die Vorgesetzten versuchten vergeblich, Mayr-Nusser von seiner Haltung abzubringen. Er blieb jedoch bei seiner Weigerung und begründete diese auch schriftlich.

Damit stellte er sich offen gegen die Macht des nationalsozialistischen Regimes.

Josef Mayr-Nusser wurde daraufhin von der Geheimen Staatspolizei wegen sogenannter „Wehrkraftzersetzung“ interniert. Seine Überweisung in das Konzentrationslager Dachau wurde verfügt.

Dort sollte er jedoch nie ankommen.

Der Transport nach Dachau wurde durch Fliegerangriffe und zahlreiche Stillstände immer wieder unterbrochen. Mayr-Nusser starb an Erschöpfung, Hunger und körperlicher Schwäche. Als der Zug am 24. Februar 1945 Erlangen erreichte, war er bereits tot.

Zunächst wurde Josef Mayr-Nusser in Erlangen bestattet.

Im Jahr 1958 wurden seine sterblichen Überreste nach Bozen überführt. Der zu diesem Zeitpunkt bereits schwer kranke Josef Ferrari nahm die Gebeine Mayr-Nussers in einem kleinen Sarg entgegen und behielt sie, tief erschüttert, zunächst eine Nacht bei sich.

Anschließend wurden die sterblichen Überreste in der Propsteikirche in Bozen aufgebahrt und später in Lichtenstern am Ritten beigesetzt.

Seit seiner Seligsprechung ruhen die sterblichen Überreste Josef Mayr-Nussers in der Pfarrkirche von Bozen.

Bis heute kontrovers diskutiert

Die Handlungsweise Mayr-Nussers wird nach Angaben des Südtiroler Heimatbundes bis heute teilweise kontrovers diskutiert.

Manche vertreten die Ansicht, er hätte mit Rücksicht auf seine Frau und sein Kind nicht derart bedingungslos handeln sollen.

Der Heimatbund stellt jedoch die Frage, wer sich heute tatsächlich noch in die damalige Gefühlswelt und die Gewissensnot Mayr-Nussers hineinversetzen könne.

Seine moralische und religiöse Integrität sowie sein Bekennermut stünden außer Zweifel. Seine persönliche Wahl zwischen einer grundlegenden Überzeugung und der Rücksichtnahme auf seine Familie müsse nicht von jedem geteilt werden. Sie sei jedoch als eine mit größter Tragik verbundene Gewissensentscheidung mit tiefem Respekt zur Kenntnis zu nehmen.

Faschismus und Nationalsozialismus zerrissen Südtirol

Bis heute erinnert das Schicksal Josef Mayr-Nussers nach Ansicht des Heimatbundes daran, in welche schreckliche Situation Faschismus und Nationalsozialismus die Südtiroler gebracht hatten.

Das Volk sei einschließlich seines Klerus in die verfeindeten Lager der „Bleiber“ und „Optanten“ zerrissen worden.

Zugleich seien Südtiroler Landeskinder in imperialistische Kriege von Äthiopien bis Russland geschickt worden – in Kriege, die kein Südtiroler gewollt habe.

Im Gedenken an Josef Mayr-Nusser müsse deshalb auch der jungen Generation vermittelt werden, dass äußere Freiheit, Gewissensfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Demokratie eine untrennbare Einheit bildeten.

Kritik an bloßen Sonntagsreden

Besonders deutlich wird der Südtiroler Heimatbund mit Blick auf den heutigen Umgang mit Josef Mayr-Nusser.

Zu seinem Gedächtnis würden auch Menschen ihre Stimme erheben, die in der täglichen Praxis das dauernde Einknicken gegenüber unrechtmäßigen Anmaßungen der Staatsmacht predigten.

Es brauche jedoch keine „opportunistischen Lippenbekenntnisse“ bei wohlfeilen Sonntagsreden, sondern den praktizierten aufrechten Gang.

Dieser sei heute mit unendlich viel weniger Opfermut möglich, als Josef Mayr-Nusser ihn gezeigt habe.

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