von Alexander Wurzer 03.10.2026 17:44 Uhr

71 Prozent ohne Antwort: Wer soll Südtirol nach Kompatscher führen?

Arno Kompatschers Zeit als Landeshauptmann geht 2028 zu Ende. Doch wer danach übernehmen soll, ist für einen großen Teil der Südtiroler offenbar noch völlig offen. Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Südtiroler Wirtschaftszeitung (SWZ) zeigt: Auf die offene Frage nach einer gewünschten Nachfolgeperson konnten 71 Prozent der Befragten spontan überhaupt keinen Namen nennen. Selbst die am häufigsten genannte Politikerin kommt lediglich auf 5,7 Prozent.

KI-generiertes Symbolbild

Das Institut Apollis hat für das aktuelle SWZ-Politbarometer 1.005 Wahlberechtigte in Südtirol befragt. Die Erhebung wurde von Ende Juni bis Ende Juli 2026 durchgeführt. Auftraggeberin der repräsentativen Umfrage war die Südtiroler Wirtschaftszeitung. Bei der Frage nach der Kompatscher-Nachfolge wurde bewusst mit zwei unterschiedlichen Methoden gearbeitet: Zunächst sollten die Befragten ohne jede Vorgabe spontan einen Namen nennen, anschließend wurden ihnen mehrere Politiker aus der SVP zur Bewertung vorgelegt.

71 Prozent wissen keinen Namen

Gerade die offene Frage liefert ein bemerkenswertes Bild. 71 Prozent der Befragten konnten spontan überhaupt keine Person nennen, die sie sich als Nachfolger oder Nachfolgerin von Arno Kompatscher wünschen würden. Die Antworten der übrigen 29 Prozent verteilten sich auf nicht weniger als 37 verschiedene Namen.

Am häufigsten genannt wurde Soziallandesrätin Rosmarie Pamer. Sie erreichte 5,7 Prozent. Dahinter folgt mit 3,3 Prozent Sven Knoll von der Süd-Tiroler Freiheit. Daniel Alfreider kommt auf 2,3 Prozent, Peter Brunner auf 2,2 Prozent und Paul Köllensperger auf 2,1 Prozent.

Damit zeigt sich zwei Jahre vor der nächsten Landtagswahl vor allem eines: Eine einzelne Persönlichkeit, die bereits von einem größeren Teil der Bevölkerung spontan mit der Nachfolge Kompatschers verbunden wird, ist derzeit nicht erkennbar.

Prominente SVP-Namen werden spontan kaum genannt

Interessant ist auch, welche Namen bei der offenen Fragestellung nicht weit vorne landen. Herbert Dorfmann, Meinhard Durnwalder und SVP-Obmann Dieter Steger schaffen es nicht unter die 15 meistgenannten Politiker.

Auffällig ist dabei insbesondere der Unterschied zur zweiten Frage der Erhebung. Sobald konkrete Namen vorgegeben werden, schneiden einige dieser Politiker wesentlich besser ab. Das zeigt, wie groß der Unterschied zwischen spontaner Bekanntheit als möglicher Landeshauptmann und einer Bewertung nach ausdrücklicher Namensnennung sein kann.

Pamer und Alfreider bei Namensvorgabe vorne

Bei der zweiten Frage sollten die Teilnehmer beurteilen, wie geeignet sie zehn vorgegebene SVP-Politiker für das Amt des Landeshauptmanns beziehungsweise der Landeshauptfrau halten.

Hier erreicht Rosmarie Pamer den höchsten Wert: 32 Prozent halten sie für „sehr gut geeignet“. Knapp dahinter folgt Daniel Alfreider mit 31 Prozent. Herbert Dorfmann erreicht 30 Prozent, Meinhard Durnwalder 29 Prozent. Dieter Steger und Peter Brunner kommen jeweils auf 22 Prozent, Waltraud Deeg auf 20 Prozent und Luis Walcher auf 19 Prozent.

Am unteren Ende der zehn abgefragten Namen liegen Harald Stauder mit 15 Prozent und Dominik Oberstaller mit zehn Prozent.

Bei keinem überwiegt die positive Bewertung

Allerdings ergibt sich auch bei dieser Fragestellung kein eindeutiges Bild. Bei keinem einzigen der zehn vorgegebenen Namen ist der Anteil jener, die die betreffende Person für „sehr gut geeignet“ halten, größer als der Anteil derjenigen, die sie für „weniger gut geeignet“ halten.

Damit unterscheiden sich die Ergebnisse zwar deutlich von der offenen Frage, doch auch bei vorgegebenen Namen zeichnet sich derzeit keine einzelne Person mit einer klar dominierenden Zustimmung ab.

Noch zwei Jahre bis zur Wahl

Bis zur nächsten Landtagswahl bleibt allerdings noch viel Zeit. Welche Politiker sich tatsächlich um die Nachfolge Kompatschers bemühen werden, steht ebenfalls noch nicht fest.

Auch ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass solche Personalfragen vergleichsweise spät entschieden werden können. Vor der Landtagswahl 2013 stand Arno Kompatscher erst wenige Monate vor dem Urnengang endgültig als Spitzenkandidat der SVP fest. Bei der damaligen Basiswahl setzte er sich gegen Elmar Pichler Rolle mit 82 zu 18 Prozent durch.

Das aktuelle SWZ-Politbarometer liefert daher vor allem eine Momentaufnahme: Zwei Jahre vor dem Ende der Ära Kompatscher haben sich die Südtiroler offenbar noch auf keine offensichtliche Nachfolgeperson festgelegt.

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