von mmh 26.09.2026 13:38 Uhr

Mehr Sicherheit am Berg: Euregio setzt auf neue Lawinen-Software

Die Euregio Tirol-Südtirol-Welschtirol bereitet sich auf die kommende Wintersaison vor. Bei den Sitzungen des Euregio-Vorstands und der Euregio-Versammlung in Innsbruck wurde am Samstag unter anderem die Finanzierung einer neuen Software für die Lawinenkommissionen gesichert. Auch ein neues Wimmelbuch für Kinder wurde vorgestellt.

Der Euregio-Vorstand mit dem Euregio-Generalsekretariat (v. l.): Judith Nothdurfter und LH Arno Kompatscher (Südtirol), Euregio-Präsident Anton Mattle und Euregio-Generalsekretär Matthias Fink (beide Tirol) sowie LH Maurizio Fugatti und Elisa Bertò (beide Trentino). (Bild: © Land Tirol/Neuner)

Mit der Informations-, Dokumentations- und Kommunikationsplattform Pro.Lawinen.Report soll die Beurteilung von Lawinengefahren künftig erleichtert werden. Im Winter 2026/27 wird das System erstmals allen 346 Lawinenkommissionen der Euregio zur Verfügung stehen.

Entwickelt wurde die Plattform im Rahmen des Euregio-Projekts Cairos von den zuständigen Institutionen in Tirol, Südtirol und Welschtirol. Das System wurde zunächst mit Pilotkommissionen getestet. Nach einer zweijährigen Laufzeit wurde das EU-geförderte Interreg-Projekt heuer abgeschlossen und von den drei Ländern in den Regelbetrieb übernommen.

Zu den zentralen Bestandteilen von Cairos gehören eine gemeinsame Ausbildung, neu entwickelte Lawinenszenariokarten und die digitale Plattform. Sie orientiert sich am Grundsatz „Wahrnehmen, Beurteilen, Handeln“.

Die Mitglieder der Lawinenkommissionen können damit direkt vor Ort Beobachtungen dokumentieren und Beurteilungen erstellen. Auch empfohlene Maßnahmen, etwa die Sperrung von Straßen oder Skipisten, können an die zuständigen Entscheidungsträger übermittelt werden.

Auch offline nutzbar

Das System soll ab der Wintersaison 2026/27 eingesetzt werden. Die Software wurde speziell für mobile Geräte entwickelt und kann auch offline verwendet werden. Damit ist eine Nutzung auch in Gebieten ohne Netzempfang möglich.

Ab 20. Oktober wird die Plattform im Rahmen von Schulungen nicht nur den Lawinenkommissionen der Euregio zur Verfügung gestellt. Auch Kommissionen aus weiteren österreichischen Bundesländern sollen damit arbeiten können.

Euregio-Präsident und Tirols Landeshauptmann Anton Mattle sieht darin einen wichtigen Schritt für die Sicherheit in den Bergen. Durch die gemeinsame Arbeit der Lawinenkommissionen könnten Menschen und Infrastruktur besser geschützt werden. Das neue Multifunktionstool solle dabei helfen, Lawinenrisiken effizienter einzuschätzen.

Auch Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher und der Landeshauptmann von Welschtirol, Maurizio Fugatti, betonen die Bedeutung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. „Lawinen unterliegen überall den gleichen Gesetzen der Physik“, erklärt Kompatscher. Daher sei eine einheitliche Bewertung der Risiken konsequent.

Fugatti verweist darauf, dass immer mehr Menschen in den Bergen arbeiten und ihre Freizeit verbringen und dabei digitale Hilfsmittel nutzen. Die Euregio wolle dafür praktische Lösungen anbieten.

Für die Bevölkerung und Bergsportler stehen bereits weitere digitale Angebote zur Verfügung. Dazu gehören der Euregio-Lawinenreport, der Euregio-Wetterbericht sowie Wandertools wie die Ausgesetztheitskarte und ein Vergleichstool für Wegeklassifikationen.

120 Nachwuchstalente beim Sprint-Finale

Neben dem Thema Lawinenschutz stand bei der Euregio-Sitzung auch der Sport im Mittelpunkt. Am Samstagnachmittag ziehen die Landeshauptleute und weitere Mitglieder der Euregio-Versammlung gemeinsam mit Jugendlichen vom Landhausplatz zur Startlinie in der Maria-Theresien-Straße.

Dort findet der EuregioSprintChampion statt. Das Sportevent wird jährlich abwechselnd in Tirol, Südtirol und Welschtirol ausgetragen und vom Allgemeinen Sportverband Österreich (ASVÖ Tirol), dem Verband der Sportvereine Südtirols (VSS) sowie dem Centro Sportivo Italiano (CSI) aus Welschtirol organisiert.

Rund 13.000 Kinder und Jugendliche nahmen an den Vorausscheidungen in zahlreichen Orten und Schulen der drei Länder teil. Die 120 besten Nachwuchstalente treten nun im Finale in den Altersklassen U8 bis U14 gegeneinander an.

Ziel des Projekts ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig für Leichtathletik zu begeistern. Eine mobile Sprintbahn bringt den Sport dabei direkt in den öffentlichen Raum und soll die Freude an Bewegung fördern.

Euregio bringt eigenes Wimmelbuch heraus

Bei der Sitzung wurde außerdem erstmals das neue Euregio-Wimmelbuch präsentiert. Das Buch richtet sich an Kinder ab vier Jahren und wurde von Autorin Kathrin Gschleier und Illustratorin Chiara Rovescala gestaltet.

In sieben Alltagssituationen entdecken Anna und Adler Tiri die unterschiedlichen Facetten von Tirol, Südtirol und Welschtirol. Thematisiert werden unter anderem Berge und Wandern, Brauchtum und Landwirtschaft sowie traditionelle Gerichte und Produkte.

Wörter auf Deutsch, Italienisch und Ladinisch sind ebenfalls in die Illustrationen eingebaut. Damit soll das Buch auch die sprachliche Vielfalt der Euregio vermitteln.

Ab 16. Oktober ist das Wimmelbuch zum Preis von 19,50 Euro im Buchhandel erhältlich. Zusätzlich wird es an alle öffentlichen Kindergärten in der Euregio verteilt.

Im November sollen Buchvorstellungen mit der Autorin und der Illustratorin möglich sein. Beim Tag der offenen Tür am 26. Oktober in Innsbruck kann das Buch zudem an einem Stand vor dem Euregio-Infopoint in der Wilhelm-Greil-Straße kennengelernt werden. Bei Gewinnspielen können Besucher dort Exemplare gewinnen.

  • Die Landeshauptmänner der drei Landesteile präsentierten das mehrsprachige Euregio-Wimmelbuch (v. l.: LH Kompatscher, LH Mattle, LH Fugatti). (Bild: © Land Tirol/Neuner)
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