von mmh 26.09.2026 10:52 Uhr

NEOS fordern sechsjährige Volksschule

Die NEOS wollen die Debatte über eine sechsjährige Volksschule in Tirol vorantreiben. Klubobfrau Birgit Obermüller kritisiert die ablehnende Haltung von Bildungslandesrätin Cornelia Hagele und verweist auf Erkenntnisse der Bildungsforschung, sinkende Schülerzahlen und die Situation kleiner Schulstandorte.

Symbolbild: APA

„Die sechsjährige Volksschule abzulehnen, noch bevor sie erprobt wird, ist ein Zeichen mangelnder Weitsicht“, erklärt Obermüller. Die frühe Trennung von Kindern im Alter von zehn Jahren werde seit Langem kritisch diskutiert.

Eine Bildungslandesrätin sollte sich ihrer Ansicht nach mit den Erkenntnissen der Bildungsforschung und einem konkreten Schulversuch auseinandersetzen, anstatt die Diskussion frühzeitig zu beenden. Dabei kritisiert Obermüller auch die aus ihrer Sicht typische Haltung der ÖVP: „Das haben wir noch nie so gemacht. Wie soll das gehen? Wo kommen wir denn da hin?“

Kooperation statt Ausbau aller Volksschulen

Hageles Argument, für eine sechsjährige Volksschule müssten Volksschulgebäude ausgebaut werden, weist Obermüller zurück. Die fünfte und sechste Schulstufe könne ihrer Darstellung nach im Rahmen einer Kooperation auch an einer Mittelschule oder einem Gymnasium stattfinden.

Der angekündigte Schulversuch sieht laut NEOS eine enge Zusammenarbeit mit Mittelschulen und AHS-Unterstufen vor. Genau auf diese Kooperation bestehender Schulen setze das Konzept.

„Es schaut so aus, als ob sich Hagele überhaupt nicht angeschaut hat, wie der Vorschlag tatsächlich umgesetzt werden kann“, sagt Obermüller.

Weniger Volksschüler erwartet

Auch die demografische Entwicklung müsse berücksichtigt werden, so die NEOS-Klubobfrau. Laut Schulbesuchsprognose der Statistik Austria soll die Zahl der Volksschüler in Tirol von rund 31.300 im Schuljahr 2025/26 auf rund 28.300 im Schuljahr 2032/33 zurückgehen.

Für kleinere Schulen könnte eine längere gemeinsame Schulzeit laut Obermüller eine Möglichkeit sein, Schulstandorte zu erhalten.

„Ob und wo das funktioniert, muss man vor Ort prüfen. Aber diese Möglichkeit zu ignorieren, wäre fahrlässig“, erklärt sie.

Streit um Finanzierung

Kritisch sieht Obermüller außerdem Hagele Forderung nach einer gesicherten Finanzierung von Kinderbetreuung und Schulassistenz durch den Bund. Über die Finanzierung müsse selbstverständlich gesprochen werden, so die NEOS-Klubobfrau.

Gleichzeitig verweist sie auf die bisherige Haltung von Landeshauptmann Anton Mattle während seines Vorsitzes der Landeshauptleutekonferenz. Dieser habe laut Obermüller wenig Bereitschaft gezeigt, Bildungsagenden an den Bund abzugeben. Der Bund solle zwar zahlen, der Landeshauptmann habe aber weiterhin über das Personal bestimmen wollen.

Das Angebot von Bildungsminister Christoph Wiederkehr, das gesamte Bildungspersonal mit Bundesmitteln zu finanzieren, bestehe laut Obermüller weiterhin.

Sie stellt deshalb die Frage, warum Hagele diese Forderung nicht bereits an den früheren ÖVP-Bildungsminister Martin Polaschek gerichtet habe. „Wenn der Minister von NEOS kommt, entdeckt die ÖVP plötzlich ihre Kritik an der Finanzierung“, so die NEOS-Bildungssprecherin.

Thema kommt in den Landtag

Obermüller will die Diskussion um die sechsjährige Volksschule jedenfalls weiterführen. Die festgefahrene Debatte über eine gemeinsame Schule bis zum 14. Lebensjahr dürfe ihrer Ansicht nach kein Grund sein, andere Reformideen abzulehnen.

Die sechsjährige Volksschule sei laut Obermüller keine Ersatzlösung, sondern ein eigenständiger pädagogischer Ansatz. Kinder hätten dadurch mehr Zeit, ihre Fähigkeiten im gewohnten Klassenverband zu entwickeln, bevor über ihren weiteren Bildungsweg entschieden werde.

Ob das Modell tatsächlich die erwarteten Ergebnisse bringt, soll im Rahmen des Schulversuchs wissenschaftlich begleitet werden. „Dafür sind Schulversuche ja da!“, betont Obermüller.

Die NEOS wollen das Thema kommende Woche im Tiroler Landtag im Rahmen einer Aktuellen Stunde unter dem Titel „Mut zu Reformen in der Bildung: neue Schulmodelle statt früher Auslese und ideologischer Scheuklappen“ behandeln.

Zusätzlich kritisiert Obermüller, dass es bei den Schulassistenzstunden derzeit keine verlässlichen Antworten für Schulen und Familien gebe. Das mache Hageles Absage des Schulversuchs für sie umso ärgerlicher.

„Tirol braucht eine Bildungslandesrätin, die Probleme aus der Schulpraxis kennt und neue Lösungen ernsthaft prüft“, so Obermüller abschließend.

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