von lif 20.09.2026 17:52 Uhr

Wie Hormus den Heizkeller erreicht

Die Tage werden kürzer, die Nächte kälter. In vielen Südtiroler Haushalten wird in den nächsten Wochen zum ersten Mal wieder die Heizung eingeschaltet. Doch was das kostet, hängt stark davon ab, womit man heizt.

Bild: APA/ISNA

Die Unterschiede sind heuer größer als in den vergangenen Jahren. Der Grund liegt weit weg von Südtirol. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar 2026 und der weitgehenden Sperrung der Straße von Hormus sind die Energiemärkte in Aufruhr. Durch diese Meerenge laufen normalerweise rund ein Viertel des weltweiten Öls und ein Fünftel des weltweiten Flüssigerdgases. Was dort passiert, spürt man bis in die Heizkeller im Pustertal.

Was die einzelnen Heizarten kosten

Die Verbraucherzentrale Südtirol erhebt regelmäßig die Richtpreise für Brennstoffe im Land. Ihr jüngster verfügbarer Vergleich zeigt für einen Haushalt mit 15.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch deutliche Unterschiede: Heizöl kostete 1,99 Euro pro Liter, also rund 20 Cent pro Kilowattstunde. Erdgas lag bei 11,4 Cent, Fernwärme aus Biomasse bei zwölf Cent und Pellets bei 9,4 Cent pro Kilowattstunde. Am günstigsten waren Hackschnitzel mit 3,6 Cent und Stückholz mit 4,3 Cent. Auf einen typischen Haushalt umgerechnet heißt das: Wer mit Öl heizt, zahlt für 15.000 Kilowattstunden rund 3.000 Euro. Wer mit Pellets heizt, kommt mit 1.400 Euro aus. Wer Stückholz verbrennt, mit rund 650 Euro. Zwischen der teuersten und der günstigsten Heizart liegt also mehr als ein Faktor fünf.

Die Verbraucherzentrale weist aber darauf hin, dass nicht nur der Kilowattstundenpreis zählt, sondern auch der Wirkungsgrad der Anlage, die Qualität der Gebäudehülle und das eigene Heizverhalten.

Die Preise bewegen sich

Seit der Erhebung im März hat sich der Markt weiter verändert. Wie UT24 erst kürzlich berichtete, erreichte der Gaspreis auf den internationalen Märkten zuletzt rund 83 Euro je Megawattstunde, ein Niveau, das zuletzt Ende 2022 verzeichnet wurde. Das ist allerdings der reine Börsenpreis, zu dem beim Endkunden noch Netzgebühren, Abgaben und Steuern kommen. Der Südtiroler Energieverband SEV rechnet damit, dass sich der Preisdruck in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter verschärfen könnte.

Auch Heizöl bleibt teuer und schwankt stark. Laut dem Heizölhändler Hoyer bleiben die Ölpreise auf hohem Niveau, weil die Sorgen um Lieferausfälle aus dem Nahen Osten anhalten und eine Entspannung zwischen den USA und dem Iran nicht in Sicht ist.

Überraschend ist, dass auch Pellets teurer geworden sind, obwohl sie mit der Krise im Nahen Osten eigentlich nichts zu tun haben. Laut dem Vergleichsportal holzpellets.net kostet eine Tonne Pellets im benachbarten Nordtirol aktuell 427 Euro, das sind 29 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Nachfrage nach Holzbrennstoffen steigt, sobald Öl und Gas teurer werden. Und mit ihr der Preis.

Fernwärme als Südtiroler Sonderweg

Ein Punkt, in dem sich Südtirol von vielen anderen Regionen unterscheidet, ist das dichte Netz an Fernheizwerken, die großteils mit heimischem Holz betrieben werden. Laut SEV blieb die Kostenentwicklung bei der Fernwärme seit 2019 vergleichsweise stabil, während der Gaspreis zwischenzeitlich auf mehr als das Dreifache seines Ausgangswertes anstieg. Der Verband betont dabei, dass Fernwärme nicht an jedem Stichtag die günstigste Heizform sein muss, aber deutlich weniger den Ausschlägen der internationalen Märkte ausgesetzt ist.

Wer an ein Fernwärmenetz angeschlossen ist, kann diesem Winter also vergleichsweise gelassen entgegensehen. Wer nicht, ist den Schwankungen der Weltmärkte direkt ausgesetzt.

Die soziale Frage

Denn genau das ist das eigentliche Problem. Ob jemand günstig oder teuer heizt, hängt in Südtirol weniger vom Sparwillen ab als vom Wohnort und vom Geldbeutel. Wer ein eigenes Haus besitzt und sich einen Pelletkessel oder eine Wärmepumpe leisten kann, spart Jahr für Jahr. Wer in einer Mietwohnung mit alter Gastherme wohnt, kann die Heizart nicht wählen und zahlt, was der Markt verlangt. Wer in einem alten Bauernhaus mit Ölheizung lebt, für den ist ein Umstieg oft eine Investition im fünfstelligen Bereich. Die Heizung ist damit längst mehr als eine technische Frage.

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