Mila streicht Deutsch vom Kefir: Südtirol nur noch fürs Marketing gut?

Mila lebt von Südtirol. Von seinen Bauern. Von seiner Milch. Von seinen Bergen. Von seinem Namen. Rund 2.100 Südtiroler Bergbauern stehen hinter der Genossenschaft. Die Herkunft Südtirol wird prominent vermarktet, Regionalität gehört zum Kern der Marke. Wo Südtirol draufsteht, sollen Qualität, Nähe und Vertrauen mitschwingen.
Beim neuen Kefir hört diese Nähe allerdings plötzlich auf. Die Verpackung ist komplett italienisch. Deutsch: Fehlanzeige.
Südtirol ja – aber bitte ohne Deutsch?
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Südtiroler Genossenschaft, deren Milch von heimischen Bauern stammt und deren Heimatmarkt von einer überwältigenden deutschsprachigen Mehrheit geprägt ist, bringt ein Produkt ins Regal – und schafft es nicht einmal, die deutsche Sprache darauf unterzubringen.
Das ist kein Platzproblem. Und es ist auch keine technische Unmöglichkeit. Auf Lebensmittelverpackungen finden regelmäßig zwei, drei oder noch mehr Sprachen Platz. Nur bei Mila scheint ausgerechnet Deutsch verzichtbar geworden zu sein.
Das darf man befremdlich finden. Denn offenbar ist Südtirol gut genug, wenn es um das Image geht. Die Bauern sind gut genug. Die Berge sind gut genug. Die heimische Milch ist gut genug. Der Name Südtirol ist ohnehin gut genug. Nur die Sprache eines Großteils dieses Landes offenbar nicht.
Südtirol als Verkaufsargument
Gerade das macht die Sache so ärgerlich. Wer Südtirol offensiv als Herkunft und Qualitätsmerkmal vermarktet, kann sich nicht gleichzeitig so verhalten, als beginne der eigentliche Markt südlich von Salurn und müsse sich Südtirol sprachlich eben anpassen.
Niemand fordert eine ausschließlich deutsche Verpackung. Niemand will Italienisch verbannen. Aber von einer Südtiroler Genossenschaft darf man wohl erwarten, dass Deutsch auf einem in Südtirol verkauften Produkt nicht zur entbehrlichen Zugabe degradiert wird. Eine zweisprachige Beschriftung wäre keine patriotische Großtat. Sie wäre das absolute Minimum.
Mila sollte das korrigieren
Deshalb geht es hier auch nicht um eine Kleinigkeit auf einem Kefirbecher. Es geht um eine Haltung. Südtirol darf für heimische Unternehmen nicht nur dann wichtig sein, wenn sich damit Milch besser verkaufen lässt. Wer seine Bauern, seine Herkunft und den Namen dieses Landes so selbstverständlich für die eigene Marke nutzt, sollte auch dessen sprachliche Realität respektieren.
Mila täte deshalb gut daran, diese Entscheidung zu überdenken und bei seinen Produkten wieder selbstverständlich Deutsch zu verwenden. Denn eines sollte für eine Südtiroler Genossenschaft eigentlich keiner Diskussion bedürfen: Wo Südtirol drin ist und Südtirol draufsteht, darf Deutsch nicht draußen bleiben.
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