von mmh 17.09.2026 15:53 Uhr

Heimische Wärme statt Importabhängigkeit

Kurz vor Beginn der Heizsaison ziehen die Gaspreise auf den internationalen Märkten wieder deutlich an. Zuletzt wurden rund 83 Euro je Megawattstunde erreicht – ein Niveau, das zuletzt Ende 2022 verzeichnet wurde. Geopolitische Spannungen, vergleichsweise niedrige Speicherstände und die bevorstehende Heizperiode deuten darauf hin, dass sich der Preisdruck in den kommenden Wochen und Monaten noch weiter verschärfen könnte. Für den Südtiroler Energieverband SEV zeigt diese Entwicklung einmal mehr, welchen Wert eine regional verankerte Wärmeversorgung hat.

Bild: APA/dpa

„Wenn internationale Krisen innerhalb kürzester Zeit auf die Heizkosten durchschlagen, wird deutlich, wie wichtig eine möglichst unabhängige und krisenfeste Energieversorgung ist. Südtirol verfügt mit seinen Fernheizwerken dafür über eine starke Grundlage“, so der SEV.

Fernwärme über Jahre deutlich preisstabiler

Wie groß der Unterschied in der Preisentwicklung ausfallen kann, zeigt ein Vergleich der vergangenen Jahre. Während die Kosten einer Gasheizung starken Schwankungen unterworfen waren und insbesondere während der Energiekrise sprunghaft anstiegen, verlief die Kostenentwicklung bei der Fernwärme wesentlich gleichmäßiger. Eine vom SEV aufbereitete Gegenüberstellung der seit 2019 normalisierten Wärmekosten belegt: Während der Gaspreis zwischenzeitlich auf mehr als das Dreifache seines Ausgangswertes anstieg und auch danach deutlich schwankte, blieb die Entwicklung bei der Fernwärme über den gesamten Zeitraum vergleichsweise stabil. „Es geht nicht darum, dass Fernwärme an jedem einzelnen Stichtag zwangsläufig die günstigste Heizform sein muss. Entscheidend ist, dass Kundinnen und Kunden im Bereich der Fernwärme deutlich weniger den kurzfristigen Ausschlägen internationaler Energiemärkte ausgesetzt sind.“

Wertschöpfung bleibt in der Region

Während Erdgas importiert werden muss, bleibt bei regionaler Fernwärme ein erheblicher Teil der Wertschöpfung im Land. Heimisches Holz und Reststoffe aus der Holzverarbeitung schaffen Wertschöpfung bei Waldbesitzern, Forstbetrieben, Sägewerken, Transporteuren und lokalen Energieversorgern. Gleichzeitig entstehen und bleiben Arbeitsplätze vor Ort. Auch der laufende Ausbau und die Erneuerung der Netzinfrastruktur stärken die regionale Wirtschaft: Planung, Tiefbau, Leitungsbau, technische Ausrüstung, Wartung und Instandhaltung werden zu einem großen Teil von Unternehmen aus der Region erbracht – ein klassischer regionaler Wirtschaftskreislauf mit zusätzlichen Aufträgen und Wertschöpfung im Land.

„Regionale Energie bedeutet nicht nur mehr Unabhängigkeit. Sie schafft Arbeitsplätze, stärkt heimische Betriebe und sorgt dafür, dass ein größerer Teil der Ausgaben für Energie im Land bleibt“, betont der SEV. Gleichzeitig leisten die Biomasse-Fernheizwerke einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz: Nach Angaben des Landes werden dadurch jährlich nahezu 350.000 Tonnen CO₂ vermieden. „Fernwärme verbindet Klimaschutz, regionale Wertschöpfung und Versorgungssicherheit. Gerade in Zeiten volatiler Energiemärkte zeigt sich, wie wertvoll eine Energieversorgung ist, die möglichst stark auf Ressourcen aus der eigenen Region zurückgreift.“

Steigende Bürokratie setzt Fernheizwerke unter Druck

Gleichzeitig warnt der SEV davor, die guten Rahmenbedingungen für die Fernwärme als selbstverständlich anzusehen. In den vergangenen Jahren ist der organisatorische und administrative Aufwand für die Betreiber deutlich gestiegen. Zusätzliche Zertifizierungen, Dokumentations- und Nachweispflichten sowie immer umfangreichere Verwaltungsverfahren verursachen Kosten, die insbesondere für kleinere und mittlere Fernheizwerke zunehmend ins Gewicht fallen.

„Unsere Betriebe investieren immer mehr Zeit und Geld in Nachweise, Zertifizierungen und Verwaltungsverfahren. Dieser Aufwand schlägt sich am Ende in der Kostenstruktur nieder. Wer regionale und erneuerbare Energie stärken will, muss deshalb auch dafür sorgen, dass sie nicht durch überbordende Bürokratie künstlich verteuert wird“, so der SEV.

Appell an die Politik

Der SEV appelliert deshalb an die Politik, bestehende Vorgaben auf ihre Verhältnismäßigkeit zu überprüfen, Verfahren zu vereinfachen und Doppelgleisigkeiten bei Nachweisen und Zertifizierungen abzubauen. „Südtirol verfügt über eine Fernwärmestruktur, die regionale Energie, Klimaschutz und Preisstabilität miteinander verbindet. Diese Stärke gilt es nicht nur weiterzuentwickeln, sondern auch durch geeignete Rahmenbedingungen zu erhalten“, so der Verband abschließend.

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