Florian Stumfall

14.09.2026

Söder sägt schon am Merz-Stuhl

Das ist die feine Art an einem Stuhl zu sägen: Bayerns Ministerpräsident beteuert mit frommem Augenaufschlag, von der CSU werde kein Kanzlertausch betrieben. Da er aber das Wort „Kanzlertausch“ im Mund führt, bekräftigt er, dass das ein Thema ist und heizt es auf diese Weise an, nur er, Söder, werde lieber zusehen, wer dann endgültig den Königsmörder macht. Denn es kann keinen Zweifel geben: Die Tage des Friedrich Merz als Bundeskanzler sind gezählt.

Am Stuhl wird gesägt – auch in der Politik (Symbolbild von Michel Rohan auf Pixabay).

Um aber den letzten, unzweifelhaften Beleg dafür recht zu erkennen, muss man einige Monate zurückblättern. Im November des vergangenen Jahres besuchte Merz die brasilianische Hafenstadt Belém nahe der Amazonas-Mündung. Dort ließ er wieder einmal seiner arroganten, hochmütigen Art freien Lauf, beschimpfte die dortige Bevölkerung und setzte ihre Stadt herab. Dann griff er in sein Gilet-Taschl und spendete eine Milliarde Euro; natürlich nicht sein Geld, sondern dasjenige der deutschen Steuerzahler.

Die eigene Partei lässt ihn fallen

Nun ist es leider durchaus üblich, dass Politiker in der Welt große Summen verstreuen, die ihnen nicht gehören, und oftmals eben auch, ohne dafür ein Mandat durch das Parlament zu haben – bedauerlich genug. Doch in dem Falle Belém/Merz geschah jetzt, Monate später, etwas ungeheuerliches: CDU-Haushaltspolitiker erklärten, sie werden die Belém-Milliarde des Kanzlers nicht nachträglich durchwinken, wie sonst üblich.

Hätte es bislang noch einen Zweifel an dem politischen Siechtum des Kanzlers gegeben, so wären diese jetzt behoben. Der Vorgang ist ohne Beispiel, Merz ist blamiert bis ins Mark, und die Haushälter der eigenen Partei tun, was Söder angeblich nicht vorhat: sie legen vor aller Welt bloß, dass Friedrich Merz keine Autorität und keine Macht mehr besitzt, nicht einmal mehr in der eigenen Partei.

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