von ih 11.09.2026 12:50 Uhr

AfD-Jugend-Chef in Südtirol: „Stadtbild in Bozen hat sich verändert“

AfD-Jugend-Chef Jean-Pascal Hohm kommt am Samstag als Gastredner zum Landesjugendtreffen der Süd-Tiroler Freiheit nach Tramin. Sein Auftritt sorgt bereits im Vorfeld für heftige Diskussionen. Linksextreme Gruppierungen haben zu Protesten aufgerufen. Im exklusiven Gespräch mit UT24 erklärt Hohm, warum ihn das nicht abschreckt, was ihn am Stadtbild von Bozen beschäftigt – und warum er trotz europäischer Zusammenarbeit mit der italienischen Rechten eine klare Grenze zu Neofaschisten zieht.

Jean-Pascal Hohm (Generation Deutschland) mit STF-Jugendsprecherin Melanie Mair.

„Wenn die gegen uns sind, machen wir wohl einiges richtig.“

Für Jean-Pascal Hohm beginnt die Südtirol-Reise mit einem politischen Termin, der bereits vor seiner Ankunft für Aufregung sorgt. Der Vorsitzende der Generation Deutschland wird am Samstag, dem 12. September, beim Landesjugendtreffen der Süd-Tiroler Freiheit im Bürgerhaus von Tramin als Gastredner auftreten. Gegen seine Teilnahme haben linksextreme Gruppierungen mobilisiert.

Hohm selbst begegnet der angekündigten Gegenwehr mit demonstrativer Gelassenheit. „Man ist als patriotischer Politiker in der Bundesrepublik natürlich einiges gewohnt“, sagt er im Gespräch mit UT24. Dass nun auch in Südtirol gegen seinen Auftritt mobilisiert werde, habe ihn dennoch überrascht – vor allem angesichts des Umfangs der Aktionen. Eine eigene Internetseite gegen seinen Besuch habe ihn jedenfalls zum Schmunzeln gebracht.

„Am Ende nehme ich das aber auch als gewisse Auszeichnung wahr“, erklärt Hohm. Die politischen Kräfte, die gegen ihn mobilisierten, hätten mit dem, wofür er politisch stehe, nichts zu tun. „Und wenn die gegen uns sind, dann machen wir wohl einiges richtig.“

  • Linksextreme machen gegen Jean-Pascal Hohm mobil - Foto: Screenshot/Antifa

„Über Südtirol habe ich in der Schule sehr wenig erfahren“

Sein Interesse an Südtirol reicht nach eigenen Angaben viele Jahre zurück. Jean-Pascal Hohm trat bereits 2014 der AfD bei und beschäftigte sich früh mit der Geschichte und dem politischen Selbstbestimmungsstreben der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols. Eine persönliche familiäre Verbindung zum Land habe er allerdings nicht.

Umso prägender sei für ihn gewesen, wie wenig er während seiner Schulzeit über die Südtiroler Geschichte erfahren habe. Seinen ersten konkreten Kontakt mit dem Thema habe er schließlich über die Musik bekommen. Danach habe ihn die Geschichte nicht mehr losgelassen.

Mittlerweile sucht Hohm auch den direkten politischen Austausch. Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit kennt er seit Jahren. Bereits im vergangenen Jahr war er bei einer Veranstaltung der Bewegung zu Gast, nun folgt der Auftritt beim Landesjugendtreffen.

Bozen: „Das Stadtbild hat sich verändert“

Besonders aufmerksam blickt Jean-Pascal Hohm auf die Entwicklung Bozens. Bei seinem vergangenen Südtirol-Aufenthalt habe er die Südtiroler Landeshauptstadt selbst kennengelernt und dabei Veränderungen wahrgenommen, die er kritisch beurteilt.

Insbesondere die Migration aus außereuropäischen Staaten habe seiner Ansicht nach das Stadtbild stark verändert. Hohm verbindet diese Entwicklung auch mit Fragen der Sicherheit und Kriminalität. Für ihn geht die politische Auseinandersetzung in Südtirol deshalb längst über den klassischen Konflikt zwischen Südtirol und Rom hinaus.

Aus seiner Sicht müsse die Migrationspolitik deshalb stärker thematisiert werden. Er sieht darin eine zentrale Herausforderung, die nicht nur Südtirol, sondern patriotische Parteien in ganz Europa beschäftigen.

Lob für die Süd-Tiroler Freiheit – aber auch ein Rat

Der Süd-Tiroler Freiheit bescheinigt Hohm, auf einem interessanten Weg zu sein. Insbesondere Frontmann Sven Knoll habe es geschafft, Themen jenseits der traditionellen Südtirol-Frage in den Mittelpunkt zu rücken.

Gleichzeitig sieht Hohm eine große Herausforderung: die jahrzehntelange politische Dominanz der Südtiroler Volkspartei. „Es ist sehr schwierig, diese Hegemonie zu brechen“, meint er. Die Süd-Tiroler Freiheit könne dies aus seiner Sicht nur schaffen, wenn sie der SVP bei den aktuellen politischen Fragen klare Alternativen entgegensetze.

„Dafür braucht man den Mut zur Wahrheit“, sagt Hohm im UT24-Gespräch. Diesen Mut erkenne er bei vielen Vertretern der Süd-Tiroler Freiheit. Dass die Bewegung zuletzt bei den Landtagswahlen zulegen konnte, führt er unter anderem darauf zurück, dass sie auch die Folgen der Migrationspolitik angesprochen habe.

Von der AfD könne sich die Süd-Tiroler Freiheit zudem eine Sache abschauen: eine positive Zukunftsvision. Der Vorsitzende der Generation Deutschland verweist dabei auf den Erfolg der AfD in Sachsen-Anhalt und auf deren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund. Entscheidend sei es, nicht nur die bestehenden Verhältnisse zu kritisieren, sondern den Wählern auch „Optimismus und Zuversicht“ zu vermitteln.

Klare Abgrenzung zu Casapound und Neofaschisten

Trotz seiner grundsätzlichen Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit patriotischen Kräften in ganz Europa zieht Jean-Pascal Hohm bei Südtirol eine deutliche Grenze. Er betont, dass die Zusammenarbeit zwischen europäischen Rechtsparteien nicht bedeute, historische oder nationale Konflikte einfach auszublenden.
„Unser Volk muss immer an erster Stelle stehen“, stellt Hohm klar. Als deutscher patriotischer Politiker sehe er auch eine Verantwortung gegenüber jenen Menschen in Südtirol, die für ihre Heimat, ihre Sprache und ihr Volkstum eintreten.

Besonders deutlich distanziert er sich von italienischen Neofaschisten wie Casapound, die das Existenzrecht der deutschsprachigen Südtiroler infrage stellen. Es liege ihm „nichts ferner“, sich mit solchen Organisationen politisch gemein zu machen. Damit weist Hohm zugleich den Versuch zurück, ihn aufgrund eines privaten Aufenthalts in Rom und eines Treffens mit Bekannten politisch in die Nähe italienischer Neofaschisten zu rücken.

Aus dem Urlaub, bei dem er mit seiner damaligen Freundin und einem befreundeten Paar in Rom gewesen sei und mit Bekannten auch einige Aperol Spritz getrunken habe, werde heute ein politisches Bekenntnis konstruiert, schildert Hohm. Darüber könne er „nur schmunzeln“. Entscheidend sei für ihn vielmehr die politische Haltung: Wo italienische Rechte das Recht der Deutschen in Südtirol infrage stellten, müsse für ihn klar sein, auf welcher Seite er stehe.

Gleichzeitig will er den Gesprächsfaden zu patriotischen Kräften anderer europäischer Länder nicht grundsätzlich kappen. Migration, linke Ideologien und wirtschaftliche Probleme seien Herausforderungen, mit denen viele europäische Staaten konfrontiert seien. Deshalb sei er auch gegenüber italienischen Politikern grundsätzlich gesprächsbereit – allerdings ohne seine Haltung zur Südtirol-Frage aufzugeben.

  • Gemeinsamer Auftritt am Samstag in Tramin mit Sven Knoll und Melanie Mair - Foto: Süd-Tiroler Freiheit

Land und Leute statt nur Politik

Trotz der politischen Brisanz seines Besuchs will Jean-Pascal Hohm Südtirol diesmal nicht ausschließlich durch die politische Brille betrachten. Bisher habe er vor allem Bozen kennengelernt. Nun wolle er auch andere Orte besuchen und „Land und Leute kennenlernen“, wie er UT24 erzählt.

Gerade dieser persönliche Zugang sei ihm wichtig. Er wolle erfahren, „wie die Menschen so sind, wie sie leben“ und was das Land Südtirol ausmache. Und auch abseits der politischen Vernetzung gebe es einen guten Grund, sich auf die kommenden Tage zu freuen: „Vor allem, dass laut Wetterbericht sehr gutes Wetter auch zu genießen ist.“

Am Samstag dürfte das Wetter allerdings nicht das einzige Gesprächsthema in Tramin sein. Hohms Auftritt beim Landesjugendtreffen wird mit Spannung erwartet – und dürfte angesichts der angekündigten Proteste auch über den eigentlichen Veranstaltungsort hinaus für Diskussionen sorgen.

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