von wk 11.09.2026 13:44 Uhr

Wiesn 2026: Tipps und Regeln für Besucher

Am 19. September beginnt das Münchner Oktoberfest. Doch auf der Wiesn wird kaum etwas dem Zufall überlassen: Die Stadt schreibt Wirten und Schaustellern genau vor, welches Bier ausgeschenkt werden darf, wie Müll zu trennen ist und welche Namen geschützt sind. 2026 kommt ein weiteres ausdrückliches Verbot hinzu.

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München bestimmt seit mehr als 200 Jahren

Das erste Oktoberfest fand 1810 anlässlich der Hochzeit von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen statt. Seit 1819 trägt die Stadt München die organisatorische und finanzielle Verantwortung für das Fest. Bis heute entscheidet sie darüber, welche Wirte, Schausteller und sonstigen Anbieter zugelassen werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten nur noch neun Brauereien eine Wiesn-Zulassung: Löwen-, Spaten-, Franziskaner-, Pschorr-, Hacker-, Paulaner-, Augustiner-, Wagner- und Thomasbräu.

Nach der kriegsbedingten Unterbrechung von 1939 bis 1945 ließ der Stadtrat das Oktoberfest 1949 wieder aufleben. Viele bis heute gepflegte Traditionen stammen aus dieser Zeit. Seit 1950 zapft der Münchner Oberbürgermeister das erste Fass im Schottenhamel-Zelt an.

Auch der Einzug der Wiesnwirte, der Trachten- und Schützenzug mit internationalen Gästen sowie das vom Bauernverband veranstaltete Zentral-Landwirtschaftsfest sind seither feste Bestandteile.

Nur Münchner Bier darf ins Glas

Die Betriebsvorschriften für das Oktoberfest umfassen 2026 insgesamt 82 Seiten. Sie enthalten genaue Vorgaben zu Müll, Brandschutz, Werbung, Musik und zahlreichen weiteren Bereichen. Im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Schwarzarbeit findet sich darin mittlerweile sogar eine Sofortmeldepflicht bei der Rentenversicherung für Friseure.

Besonders streng sind die Regeln beim Bier. In Paragraf 51 heißt es: „Das Oktoberfest ist das traditionelle Münchner Volksfest mit Münchner Gastlichkeit und Münchner Bier.“

An die Besucher darf ausschließlich „Münchner Bier der leistungsfähigen und bewährten Münchner Traditionsbrauereien“ ausgeschenkt werden. Es muss dem Münchner Reinheitsgebot von 1487 und dem Deutschen Reinheitsgebot von 1906 entsprechen.

Auf der Wiesn vertreten sind heute Augustiner, Paulaner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Spaten und das Staatliche Hofbräuhaus. Letzteres kam 1952 hinzu.

„Schampus-Duschen“ ausdrücklich verboten

Neu ist 2026 ein ausdrückliches Verbot sogenannter Schampus-Duschen. Champagner oder Schaumwein darf auf dem Festgelände nicht verspritzt werden.

Oberbürgermeister Dominik Krause begründete die Vorgabe damit, dass die Wiesn ein traditionelles Fest des Münchner Bieres sei. Zwar werde dort auch Champagner ausgeschenkt, doch eine solche Verschwendung von Lebensmitteln passe nicht zum Charakter des Oktoberfestes. Aus Rathauskreisen hieß es zudem, die Wiesn dürfe nicht „zum Ballermann“ verkommen.

Die Stadt schützt den Namen „Oktoberfest“

Auch bei der Verwendung des Namens geht München juristisch streng vor. Ein Veranstalter darf nicht mehr mit der Ankündigung „Oktoberfest goes Dubai“ werben, wenn damit sinngemäß behauptet wird, das Münchner Oktoberfest ziehe nach Dubai um.

Vor dem Oberlandesgericht München verpflichtete sich der Beklagte mit einer Unterlassungserklärung, auf diese Formulierung zu verzichten. So hatte er 2021 geworben – in jenem Jahr, in dem die „echte Wiesn“ wegen der Pandemie nicht stattfand.

Seit 2021 besitzt die Stadt die europäische Unionsmarke „Oktoberfest“. Auch „Wiesn“ ist als Marke beim Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum eingetragen. Wer unter diesen Namen Produkte vertreiben will, benötigt eine Lizenz.

Außerhalb des EU-Rechtsraumes sind Oktoberfeste wie jene in Blumenau in Brasilien oder Cincinnati in den Vereinigten Staaten hingegen zulässig.

Noch strenger geschützt ist der Begriff „Oktoberfestbier“. Er gilt als geschützte geografische Angabe. Nur die sechs Münchner Großbrauereien dürfen Bier unter diesem Namen brauen und vertreiben.

Aus 14 Tagen wurden 16

Erstmals ist für das Jahr 1829 schriftlich belegt, dass das Treiben auf der Wiesn 14 Tage dauerte. In den 1890er-Jahren wurde der Beginn mehrfach vorverlegt, um das günstigere Septemberwetter zu nutzen.

1905 legte man den Hauptfestsonntag auf den letzten Sonntag im September. Der Festbetrieb beginnt allerdings bereits eine Woche zuvor am Samstag um 12 Uhr. Seither dauert das Oktoberfest 16 Tage.

In bestimmten Jahren sorgt der Tag der Deutschen Einheit für eine Verlängerung. Seit 1994 dauert die Wiesn einen Tag länger, wenn der 3. Oktober auf einen Montag fällt.

Rauchverbot sorgte für düstere Prognosen

Für Aufregung sorgte 2008 das erste Nichtrauchergesetz. Zunächst blieb das Rauchen in Nebenräumen und Bierzelten erlaubt. Als das Verbot wenig später auch auf die Festzelte ausgeweitet wurde, warnten Gastronomen vor leeren Wirtschaften und dramatischen Einbußen.

Die Befürchtungen erfüllten sich nicht: Im Verbotsjahr 2011 kamen rund 6,9 Millionen Besucher. Das war bis dahin einer der höchsten Werte in der Geschichte des Oktoberfestes.

Mehr Überwachung nach dem Chaos von 2025

Seit zehn Jahren ist das Wiesn-Gelände von einem Zaun umgeben. Nach dem Chaos am zweiten Wiesn-Samstag 2025 wurde auch die Überwachungszentrale vor Ort aufgerüstet.

Eine weitere Änderung betrifft die Musik in den großen Festzelten: Unter der Woche spielt die Musi nun bereits ab 11 Uhr und damit eine Stunde früher. Dadurch sollen die Werktage für internationale Gäste attraktiver und Überfüllungen an den Wochenenden verhindert werden.

Münchner Wirte besitzen ein altes Vorrecht

Bereits seit 1825 dürfen ausschließlich Münchner Wirte auf der Wiesn Bier ausschenken. Damals standen 18 kleine Bierbuden auf dem Gelände.

Das erste Großzelt entstand 1898 im Auftrag des Nürnberger Wirts Georg Lang, der eigentlich nicht zugelassen war. Über Strohmänner sicherte er sich fünf Budenplätze. Der Stadtmagistrat ließ Lang schließlich zu, nachdem er Michael Schottenhamel 1881 mit einer ähnlichen Idee noch abgewiesen hatte.

1907 wurden die kleinen Buden durch Festhallen der Münchner Großbrauereien ersetzt. Das Schottenhamel-Zelt blickt heute auf die längste Geschichte auf der Wiesn zurück.

 

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