von lif 10.09.2026 19:28 Uhr

Nahost-Konflikt treibt Preise: EZB erhöht Leitzins

Der für die Geldpolitik maßgebliche Einlagensatz wird um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent angehoben. Das beschloss der EZB-Rat am Donnerstag bei einer auswärtigen Sitzung in Berlin. Höher lag das Zinsniveau zuletzt im Februar 2025 mit 2,75 Prozent. Experten hatten fest mit dem Schritt gerechnet.

Bild: APA/dpa

Bereits im Juni hatten die Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde die Zinsen erhöh. Nun folgt der nächste Schritt, denn die Inflationsrate liegt mit 3,3 Prozent deutlich über dem Ziel von zwei Prozent. „Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben“, heißt es im Begleittext zum Zinsentscheid. An den Terminmärkten stellt man sich bereits auf eine weitere Erhöhung im Dezember ein.

Für heuer erwartet die Notenbank eine Inflation von drei Prozent. Auch 2027 mit 2,5 Prozent und 2028 mit 2,1 Prozent dürfte die Zielmarke verfehlt werden. Etwas optimistischer zeigt sich die EZB beim Wachstum: Für 2026 rechnet sie nun mit einem Plus von 0,9 Prozent, für 2027 mit 1,4 und für 2028 mit 1,5 Prozent.

Der Ölpreis war Mitte der Woche wieder über die Marke von 100 Dollar je Barrel gesprungen. Anleger befürchten wegen der Angriffe im Nahen Osten eine Unterbrechung der Öllieferungen. Die EZB will verhindern, dass dieser Ölpreisschock das Preisgefüge dauerhaft verändert und eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzt.

Was das für Verbraucher bedeutet

Höhere Leitzinsen verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen. Das bremst die Nachfrage und kann so die Inflation dämpfen. Sparer können profitieren, wenn die Banken die besseren Konditionen weitergeben. Gleichzeitig sind steigende Zinsen eine Belastung für alle, die investieren wollen.

Die Gratwanderung: Hebt die EZB die Zinsen zu stark an, kann sie die Konjunktur abwürgen. Der deutsche Bundesbankchef Joachim Nagel sieht dafür bislang keine Anzeichen. Er verweist auf die Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausgeklammert werden. Sie ging zuletzt von 2,5 auf 2,4 Prozent zurück.

APA/UT24

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite