Krankenhaus Meran: 92 Mitarbeiter können kein Deutsch

92 Mitarbeiter ohne Zweisprachigkeit
Eine Antwort von Gesundheitslandesrat Hubert Messner (SVP) auf eine Landtagsanfrage der Süd-Tiroler Freiheit liefert nun konkrete Zahlen. Insgesamt arbeiten im Krankenhaus Meran 92 Menschen ohne Zweisprachigkeitsnachweis. Das entspricht rund fünf Prozent aller Bediensteten. 48 von ihnen sind im ärztlichen Bereich tätig, fünf gehören zu den nichtärztlichen sanitären Führungskräften und 39 zum Pflegepersonal.
Auch bei den Beschwerden wird das Thema greifbar. Zwischen 2020 und 2025 wurden sechs Fälle registriert, bei denen sich Patienten wegen der verwendeten Sprache an die Erste Hilfe wandten. In einem Fall sprach ein Arzt nicht ausreichend Deutsch, in einem anderen ein Arzt der orthopädischen Notaufnahme überhaupt kein Deutsch. Die Verständigung war damals nur mit Hilfe einer Krankenpflegerin möglich.
Es gab zudem eine Beschwerde über einen Sicherheitsmitarbeiter ohne Deutschkenntnisse und eine weitere über eine Ärztin, die kein Italienisch sprach.
Zwei weitere Beschwerden dieses Jahr
Allein 2026 kamen bislang zwei weitere Beschwerden hinzu. In einem Fall wurde bemängelt, dass Befunde nicht in der Sprache des Patienten verfasst waren und eine direkte Kommunikation auf Deutsch nicht möglich gewesen sei. In einem weiteren Fall konnte ein deutschsprachiger Patient seine Beschwerden nicht in seiner Muttersprache schildern, weil der behandelnde Arzt ausschließlich Italienisch sprach.
Dabei ist die Botschaft der Südtiroler Landesregierung eigentlich eindeutig: Die Betreuung in der Sprache des Patienten gehöre zu den grundlegenden Anforderungen des Gesundheitsdienstes. Für fest angestellte Mitarbeiter könnten Verstöße gegen die entsprechenden Dienstpflichten sogar disziplinarrechtliche Folgen haben. Bei freiberuflich Tätigen gelten hingegen die jeweiligen Vertrags- und Berufsregeln.
Der Südtiroler Sanitätsbetrieb verweist gleichzeitig auf eine Reihe von Maßnahmen, mit denen die Situation verbessert werden soll. In der Ersten Hilfe gibt es mehrsprachiges Personal, zweisprachige Unterlagen und gezielte Sprachförderung. Mitarbeiter, die bei ihrer Einstellung noch nicht über die erforderlichen Sprachkenntnisse verfügen, werden unter anderem mit Deutschkursen, Einzelunterricht, Sprachaufenthalten und Prüfungsvorbereitungen unterstützt. Mehrere Beschäftigte haben inzwischen den Zweisprachigkeitsnachweis erreicht.
Angeblich keine Fälle von gefälschten Zertifikaten
Eine andere Frage, die zuletzt für Aufmerksamkeit gesorgt hatte, wird von Landerat Messner dagegen klar beantwortet: Gefälschte Zweisprachigkeitsnachweise seien bei Einstellungen im Südtiroler Sanitätsbetrieb bislang nicht festgestellt worden. Die in den vergangenen Monaten bekannt gewordenen Fälschungsfälle hätten andere Sprachzertifikate betroffen.
Rund 72.000 Menschen werden jährlich in der Meraner Ersten Hilfe behandelt. Gemessen an dieser Zahl seien Beschwerden wegen der Sprache sehr selten, heißt es vonseiten der Landesregierung.
Trotzdem bleibt die Vorgabe bestehen: Gerade dort, wo Menschen oft unter Zeitdruck und in schwierigen Situationen Hilfe suchen, soll die Verständigung funktionieren. Die Landesregierung kündigt deshalb weitere Kontrollen, Schulungen und organisatorische Maßnahmen an, wenn Beschwerden eingehen.






