von mmh 27.08.2026 15:31 Uhr

15 Jahre Euregio: Gründungsväter ziehen Bilanz

Seit 15 Jahren arbeiten Nordtirol, Südtirol und Welschtirol im Rahmen der Euregio enger zusammen. Beim Auftakt der Euregio-Days 2026 im Rahmen des European Forum Alpbach haben die drei ehemaligen Landeshauptleute und Gründungsväter auf die Entwicklung der Euregio zurückgeblickt.

Die Gründerväter der Euregio, Lorenzo Dellai (Trentino), Luis Durnwalder (Südtirol) und Günther Platter (Tirol) glauben nach wie vor an den Mehrwert der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Euregio. (Foto:© Armin Gluderer/Euregio)

Am 14. Juni 2011 unterzeichneten Günther Platter, Luis Durnwalder und Lorenzo Dellai auf Castel Thun in Welschtirol die Gründungsverträge der Euregio Tirol-Südtirol-Welschtirol. Ihr Ziel war es, die Kräfte der drei Landesteile zu bündeln, die gemeinsame Identität zu stärken und durch die Zusammenarbeit einen Mehrwert für die Bevölkerung zu schaffen.

15 Jahre später trafen die damaligen Landeshauptleute beim Runden Tisch der Euregio-Akademie erneut zusammen. Dabei ging es um die Anfänge, die Entwicklung und die Zukunft der Euregio.

Der derzeitige Euregio-Präsident und Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle bezeichnete die Zusammenarbeit als Vorbild für grenzüberschreitende Kooperation in Europa. Die Euregio habe konkrete Projekte umgesetzt, die den Menschen zugutekämen – etwa in den Bereichen Mobilität, Kultur, Sport und Familie.

„15 Jahre Euregio bedeuten 15 Jahre enge, institutionalisierte Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, betonte Mattle. Einen wichtigen Anteil an der Entwicklung hätten die drei damaligen Landeshauptleute Günther Platter, Luis Durnwalder und Lorenzo Dellai.

Auch in Krisenzeiten zusammengehalten

Beim Rückblick auf die vergangenen 15 Jahre kamen auch schwierige Phasen zur Sprache. Besonders in Krisenzeiten habe sich die Zusammenarbeit bewährt, erklärte Platter.

„Aber besonders in Krisenzeiten haben wir das Gespräch gesucht, Solidarität gelebt und Stärke bewiesen“, sagte der ehemalige Nordtiroler Landeshauptmann. Als Beispiele nannte er die Flüchtlingswelle im Jahr 2016 und die Corona-Zeit. Damals habe man sich gegenseitig unterstützt und sich mehrfach gegen nationale Bestrebungen zur Schließung der Brennergrenze gestellt.

Auch Luis Durnwalder sieht die Euregio grundsätzlich auf einem guten Weg. „Man kann immer besser werden. Die Euregio ist heute nicht perfekt. Aber sie ist auf einem sehr guten Weg“, erklärte der ehemalige Südtiroler Landeshauptmann.

Lorenzo Dellai betonte hingegen vor allem die Bedeutung einer gemeinsamen Zukunft. Die Identität der drei Landesteile beruhe nicht ausschließlich auf der gemeinsamen Geschichte. Vielmehr müsse die europäische Integration genutzt werden, um gemeinsame Herausforderungen im Herzen der Alpen zu bewältigen.

Dellai plädierte deshalb dafür, über den bestehenden Europäischen Verbund Territorialer Zusammenarbeit (EVTZ) hinauszugehen und eine echte europäische Region zu schaffen.

Weg zur Gründung war schwierig

Die Gründung der Euregio sei keineswegs selbstverständlich gewesen, erinnerte Durnwalder. Die Spannungen zwischen Italien und Österreich im Zusammenhang mit der Südtirolfrage hätten die grenzüberschreitende Zusammenarbeit erschwert.

Trotzdem seien Möglichkeiten gefunden worden, freiwillig zusammenzuarbeiten. „Wo ein politischer Wille, da auch ein Weg!“, sagte Durnwalder.

Eine wichtige Grundlage für die spätere Entwicklung schuf die Europäische Union im Jahr 2006 mit der Einführung des Europäischen Verbunds Territorialer Zusammenarbeit. Ein EVTZ verfügt über eine eigene Rechtspersönlichkeit und kann dadurch grenzüberschreitend verbindlich tätig werden.

Unter österreichischer EU-Ratspräsidentschaft sei schließlich ein entscheidender Schritt erfolgt. „Im Andreas-Hofer-Gedenkjahr 2009 haben wir diese Chance ergriffen und der Dreierlandtag hat die Gründung beschlossen“, berichtete Platter.

Mehr als 350 Projekte in den ersten zehn Jahren

Die Entwicklung der Euregio zeigt sich auch an der Zahl der umgesetzten Vorhaben. Allein in den ersten zehn Jahren wurden mehr als 350 Projekte und Initiativen auf den Weg gebracht.

Mittlerweile organisiert, koordiniert, delegiert oder unterstützt die Euregio rund 100 Projekte pro Jahr.

Dellai zeigte sich mit der Entwicklung zufrieden. „Mit Freude sehe ich, wie weit sich der inhaltliche Bogen der Euregio-Projekte heute spannt“, sagte er.

Neue Projekte stehen bereits bevor

Bei der Euregio-Akademie wurde außerdem über die Zukunft des EVTZ gesprochen. Alice Engl, Bereichskoordinatorin am Institut für Minderheitenrecht von Eurac Research, gab einen Überblick über die 86 aktiven EVTZ in Europa.

Auch die Zukunftsstrategie des EVTZ Euregio Connect wurde vorgestellt. Präsident Paolo Pozzi erläuterte die Pläne der drei Landestourismusorganisationen aus Nordtirol, Südtirol und Welschtirol.

Darüber hinaus ging es um den geplanten Kultur-EVTZ „Von Canossa nach Europa“. Rechtsanwalt Centurio Frignani, der den Gründungsprozess begleitet, erklärte die Ziele des Vorhabens. Dabei soll das historische Erbe des mittelalterlichen „Ganges nach Canossa“ aufgegriffen und in einen europäischen Kontext gestellt werden.

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