von lif 24.08.2026 12:56 Uhr

Toblach: Heimatpflegeverband kämpft für Bahnremise

Der Heimatpflegeverband Südtirol (HPV) spricht sich klar gegen den Abbruch der ehemaligen Lokremise der Dolomitenbahn beim Bahnhof in Neu-Toblach aus. Der Gemeindeausschuss hat den Abriss am Juli beschlossen und im Herbst soll das Gebäude fallen. In einem offenen Brief an Bürgermeister, Gemeindeausschuss und Gemeinderat ersucht der Verband die Gemeinde nun, den Beschluss auszusetzen und das Gebäude stattdessen zu sichern, zu sanieren und neu zu nutzen.

Bild: HPV Südtirol

„Die Bahnremise ist ein wichtiges Gebäude unserer Kulturgeschichte und gehört wesentlich zum Bahnhofsensemble dazu“, sagt HPV-Obfrau Claudia Plaikner. „Ein Abriss ist zwar die einfachste, aber auch die am wenigsten kreative Lösung.“

Die Bahn Toblach-Cortina-Calalzo ging aus dem Ersten Weltkrieg hervor. 1921 wurde sie als zivile Schmalspurbahn eröffnet, 1929 elektrifiziert und 1962 auf dem Nordast eingestellt. Von den zehn Tunneln, 40 Brücken und den Stationen ist im Südtiroler Abschnitt kaum mehr etwas zu erkennen, so der Heimatpflegeverband. Die Remise war der nördliche Betriebskopf der Linie und sei heute der letzte bauliche Anker dieser Geschichte. Zugleich sei sie Teil eines in Südtirol einzigartigen Ensembles: Pustertalbahn, Grand Hotel und Dolomitenbahn liegen hier auf wenigen hundert Metern beieinander.

Den schlechten Bauzustand lässt der HPV als Abrissgrund nicht gelten. Er sei das Ergebnis von vier Jahrzehnten ohne Instandhaltung. Die Gemeinde selbst habe das Gebäude vor rund 20 Jahren als architektonisch bedeutsam und erhaltenswert eingestuft. Eine Verwaltung könne ein Gebäude nicht erst für bedeutsam erklären, es dann verfallen lassen und den Verfall anschließend als Abrissgrund anführen, hält der Verband fest. Vor einer endgültigen Entscheidung brauche es ein statisches Gutachten und einen Kostenvergleich zwischen Sanierung und Abbruch samt Neubau. Beides liege bislang nicht vor, ebenso wenig ein genehmigtes Nachfolgeprojekt.

WC-Anlage und Servicepunkt in der Remise?

Der Verband verweist auch auf den Klimaplan Südtirol 2040 und das Flächenspargebot des Landesgesetzes „Raum und Landschaft“. Die Nutzung des Bestands habe Vorrang. Ein massiver Mauerwerksbau enthalte erhebliche graue Energie, die beim Abbruch vernichtet würde. Konkret schlägt der HPV vor, sämtliche für das Bahnhofsareal geplanten Strukturen im sanierten Gebäude unterzubringen, von der öffentlichen WC-Anlage bis zum Servicepunkt am Radweg. Eine Remise sei ein stützenfreier Hallenbau und damit denkbar flexibel. Möglich wären zudem ein Ausstellungsraum zur Dolomitenbahn am Startpunkt des „Langen Weges der Dolomiten“, ein Schlechtwetterangebot sowie Räume für Vereine.

Die Gemeinde solle außerdem einen Grundsatzbeschluss zur Erhaltung der baulichen Zeugnisse der Dolomitenbahn fassen, fordert der Verband. „Was einmal abgerissen ist, kommt nicht zurück. Wir ersuchen die Gemeinde, diese Entscheidung noch einmal zu öffnen, solange sie offen ist.“

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