SOS-Kinderdorf will neues Wohnhaus in Tirol eröffnen

Das neu errichtete „Haus Sonnberg“, das 2,4 Millionen Euro kostete und komplett spendenfinanziert sei, biete neun Kindern zwischen drei und 13 Jahren Platz, konkretisierte der Leiter des SOS-Kinderdorfes Imst, Christian Murer, bei dem Pressetermin. Das Haus, das auf insgesamt 400 Quadratmetern etwa Einzelzimmer, eine Gemeinschaftsküche und einen Gemeinschaftsraum aufbietet, sei somit die moderne Form für ebensolche Inhalte: „Hier können wir nun zeigen, wie Kinder- und Jugendhilfe im Jahre 2026 ausschaut.“ Das Haus spiegelt das jedenfalls schon rein äußerlich wider: Die Räume sind hell, Holz ein zentrales Bauelement, die Gemeinschaftsräume insgesamt sehr großzügig konzipiert.
Neben den Kindern fänden auch „bis zu acht Betreuer ihren Platz“, die wechselnd je 24 Stunden Dienst versehen. „Damit stellen wir sicher, dass diese ausgeruht in den Dienst kommen“, betonte Murer. Pädagogisch arbeite man zudem nach den neuesten Standards, die beispielsweise vorsehen würden, dass Kinder ein erhebliches Mitspracherecht hätten. Insgesamt gehe es dabei nicht zuletzt um ein „absolut transparentes System“. Neben Transparenz sei auch entscheidend – Stichwort Beteiligungsprozesse – dass Kinder bei alltäglichen Dingen mitsprechen dürften, etwa beim Essen oder auch klar kommunizieren könnten, wenn sie „sich nicht sicher fühlen“. Das SOS-Kinderdorf in Imst und das neue Wohnhaus seien „Safe Spaces“, die unbedingt geschützt werden müssten, so Murer.
„Noch sensibler hinschauen"
Die „Ereignisse des letzten Herbstes“ hätten jedenfalls gezeigt, dass man sich „laufend verändern muss“ und vor allem auch in pädagogischer Hinsicht „niemals stehenbleiben darf“, sagte Murer auf Nachfrage, Bezug nehmend auf die aufgetretenen Missbrauchsvorwürfe aus der Vergangenheit. Zudem werde man weiters „die Empfehlungen der Reformkommission“ „in die Organisation implementieren.“ Das bedeute etwa „noch sensibler hinzuschauen, wenn etwas verdächtig erscheint“ oder auch die „Aufarbeitung der Gründungsgeschichte“, strich Murer heraus.
Dem schloss sich auch die ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Soziallandesrätin Eva Pawlata (SPÖ) an. Es brauche die „größtmögliche Transparenz“ sowie „null Toleranz“, wenn es um verdächtige Vorfälle vor Ort gehe. „Das Kinderschutzkonzept sieht auch vor, dass solche Dinge sofort gemeldet werden“, betonte die Landesrätin. Rein mit der Einarbeitung der Empfehlungen der Reformkommission sei es dabei nicht getan. Man müsse stets und stetig künftig „genau hinschauen“, meinte Pawlata.
Missbrauchs-Causa kam im Herbst 2025 ins Rollen
Die Missbrauchs-Causa rund um das SOS-Kinderdorf war im September 2025 nach einem Bericht der Wiener Wochenzeitung „Falter“ hochgekocht. Dabei wurde eine intern bekannte Studie zu Missbrauchsfällen in diversen SOS-Kinderdorf-Einrichtungen veröffentlicht. So sollen etwa im SOS-Kinderdorf Moosburg in Kärnten Kinder bis vor wenigen Jahren geschlagen, gequält und misshandelt worden sein. Auch das SOS-Kinderdorf im Tiroler Imst – welches das weltweit erste Kinderdorf war – sah sich mit Vorwürfen, die Vergangenheit betreffend, konfrontiert. In Folge gab es auch gegen den 1986 verstorbenen Gründer der SOS-Kinderdörfer, Hermann Gmeiner, schwere Missbrauchsvorwürfe.
Eine Reformkommission unter der Leitung der ehemaligen Präsidentin des Obersten Gerichtshofs, Irmgard Griss, präsentierte schließlich im Juni 2026 einen Abschlussbericht mit Empfehlungen. Laut diesem Bericht lagen 16 Verdachtsfälle von sexuellem bzw. schwerem sexuellem Missbrauch gegen Gmeiner vor, wobei acht Personen bereits entschädigt wurden. Vor allem den Vorwürfen gegen Gmeiner sei „nicht nachgegangen“ worden, urteilte Kommissionsleiterin Griss.
apa






