„Calamari“ aus China? Was auf Italiens Tellern landet

Wie die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) mitteilt, legen zwei Berichte auf CorriereTV genau das nahe. Diese stützen sich ihrerseits auf Recherchen der britischen NGO Environmental Justice Foundation (EJF).
Tatsächlich ist China weltweit führend in der Tintenfisch-Fischerei. 2023 fing die chinesische Flotte 1,1 Millionen Tonnen Tintenfische, was rund ein Drittel der weltweiten Fangmenge ist. Laut EJF kreuzen Hunderte Schiffe der Flotte ab der „Meile 201“ in internationalen Gewässern, also knapp außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer traditioneller Fanggebiete wie Peru und Chile. Durch die umstrittene Praxis, den Fang mitten im Ozean auf große Kühlschiffe umzuladen, könnten die Schiffe bis zu zwei Jahre ununterbrochen auf hoher See bleiben, fernab jeglicher Kontrolle. Greenpeace beschreibt dieses Umladen als schwer kontrollierbar. Oft diene es dazu, illegale Fänge zu verschleiern, indem illegal gefangener Fisch mit legalem vermengt werde.
Millionenimporte nach Europa
Die Fänge landen in großem Stil auch in Europa, wobei rund 95 Prozent des gehandelten Tintenfischs tiefgekühlt oder wieder aufgetaut sind. Italien importierte laut VZS 2024 gefrorene Kalmare im Gesamtwert von 642 Millionen Euro. 2025 machten die italienischen Importe aus China 42 Millionen Euro aus, jene aus Spanien 195 Millionen Euro. Spanien wiederum ist der weltweit zweitgrößte Importeur von Tintenfisch, nur 15 Prozent stammen aus eigener Fischerei.
Zwar sei in der EU bereits seit 2008 eine Verordnung gegen illegale, unregulierte und ungemeldete Fischerei in Kraft, so Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der VZS. Weil aber wirksamere Kontrollen fehlten und die Importe nicht vollständig rückverfolgbar seien, landeten offenbar noch immer problematische Fischereiprodukte auf den Tellern der Europäer.
Für ihre Recherchen befragte die EJF ehemalige Besatzungsmitglieder. Diese berichten von Überfischung, illegalem Fischfang, zerstörerischen Methoden, dem Fang geschützter Tierarten sowie katastrophalen Arbeitsbedingungen mit Gewalt und Misshandlungen an Bord. Die EU müsse endlich konkrete Maßnahmen ergreifen.






