215 Ärzte in Brixen schlagen Alarm

Probleme betreffen alle Bereiche
Nach Ansicht der Mediziner benötigt das neue System deutlich mehr Zeit und Arbeitsschritte als die bisherigen Programme. Tätigkeiten, die früher in einem einzigen Ablauf erledigt wurden, müssten nun über mehrere verschiedene Programme abgewickelt werden.
Als Beispiel nennen die Ärzte die Planung einer Operation: Dafür seien heute drei unterschiedliche Programme nötig, mehrere Anmeldungen und wiederholte Eingaben derselben Daten. Das koste wertvolle Zeit und erhöhe die Fehlergefahr.
Die Probleme beträfen nicht nur chirurgische Abteilungen, sondern alle Fachbereiche. Für Krankschreibungen, Überweisungen, Verordnungen oder den Zugriff auf ältere Patientendaten müssten ständig verschiedene Programme verwendet werden. Dadurch würden die Arbeitsabläufe komplizierter und ineffizienter.
Zusätzliche Arbeit zulasten von Patienten
Besonders kritisch sehen die Ärzte, dass dadurch weniger Zeit für die Patienten bleibt. Jede Minute, die für zusätzliche Computerarbeit verloren gehe, fehle bei Untersuchungen, Gesprächen und Behandlungen. Das könne längere Wartelisten, mehr Druck auf das Personal und eine schlechtere Patientenversorgung zur Folge haben.
Die Unterzeichner werfen den Verantwortlichen außerdem vor, das System eingeführt zu haben, obwohl wichtige Probleme bereits bekannt gewesen seien. Die Wünsche und Erfahrungen der Ärzte seien vor dem Start nicht ausreichend berücksichtigt worden. Die Verantwortung dafür liege nicht bei den einzelnen Abteilungen, sondern bei der Politik und der Verwaltung.
In ihrem offenen Brief stellen die Ärzte fünf konkrete Forderungen. Sie verlangen unter anderem eine unabhängige Überprüfung der Effizienz von NGH, einen Stopp weiterer verpflichtender Einführungen bis die wichtigsten Mängel behoben sind, mehr Transparenz über technische Probleme, besseren IT-Support sowie eine stärkere Einbindung von Ärzten und Pflegekräften bei der Weiterentwicklung der Software.
Die Botschaft der Mediziner ist eindeutig: Digitalisierung sei grundsätzlich wichtig, dürfe aber die medizinische Arbeit nicht behindern. „Das Südtiroler Gesundheitswesen braucht keine Schlagworte über Modernisierung. Es braucht Werkzeuge, die funktionieren“, heißt es in dem offenen Brief.
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