von lif 03.08.2026 13:18 Uhr

„Lebensmittel sind nicht weniger wert als Waffen und Autos“

Drei Landwirtschaftsminister aus Italien, Österreich und Deutschland haben auf der Schwemmalm in Ulten über die Zukunft der Berglandwirtschaft diskutiert. In einem Punkt waren sich alle einig: Die Berglandwirtschaft braucht mehr Unterstützung denn je.

Drei Landwirtschaftsminister (Totschnig, Rainer und Lollobrigida) hörten sich die Anliegen der Bauernvertreter an. (Bild: SBB)

Anlass war die jährliche Europawanderung, zu der der Südtiroler Bauernbund und EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann einladen. Heuer nahmen mit Francesco Lollobrigida aus Italien, Norbert Totschnig aus Österreich und Alois Rainer aus Deutschland erstmals drei Landwirtschaftsminister teil. Mit dabei waren auch Landeshauptmann Arno Kompatscher sowie zahlreiche Vertreter von Bauernverbänden und Landwirtschaftskammern.

Sorge um kleine Betriebe

Bauernbund-Landesobmann Daniel Gasser verwies auf die Bedeutung der kleinstrukturierten Landwirtschaft, für die Ulten ein gutes Beispiel sei. Man müsse alles tun, um diese Landwirtschaft zu erhalten, so Gasser. Zunehmend belaste das Großraubwild die Betriebe: Schon jetzt würden weniger Schafe aufgetrieben und erste Weiden aufgegeben. Für Rinder seien diese Flächen vielfach ungeeignet.

Herbert Dorfmann berichtete über die laufenden Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). Noch in diesem Jahr solle geklärt werden, wie viel Geld der Landwirtschaft künftig zur Verfügung stehe. Die besonderen Bedingungen der Berggebiete müssten dabei stärker berücksichtigt werden. Werde die Berglandwirtschaft nicht besser bedacht, werde sie es nicht schaffen, warnte Dorfmann. Das System sei fragil: Brächen Milchpreis oder Förderungen weg, könne es zusammenbrechen. Die Berge brauchten Tiere, sonst gebe es die Almen nicht mehr.

Minister fordern mehr Schutz und weniger Bürokratie

Italiens Minister Lollobrigida forderte, Europas Lebensmittelproduktion stärker abzusichern und heimische Produkte vor unfairer Konkurrenz zu schützen. Man könne nicht nachhaltig arbeiten und gleichzeitig mit Importen konkurrieren, die die europäischen Standards nicht einhielten. Die Bedeutung der Landwirtschaft werde oft unterschätzt: „Lebensmittel sind nicht weniger wert als Waffen und Autos.“

Der deutsche Minister Alois Rainer sprach sich für weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum aus. Beim Großraubwild sei die Belastungsgrenze überschritten, das Wolfsmonitoring müsse verbessert werden. Bei Pflanzenschutzmitteln dauere die Zulassung teils bis zu zehn Jahre. „Die Schädlinge warten nicht so lange“, so Rainer. Auch Österreichs Minister Totschnig wandte sich gegen Einsparungen. Was man brauche, gehe nicht mit einer Reduzierung des Budgets. Klimawandel, geopolitische Spannungen und eine mögliche EU-Erweiterung verlangten eine starke GAP. Die Landwirtschaft sei „der Kitt der Europäischen Union“.

Kompatscher: „Kein Kontrollwahn“

Landeshauptmann Arno Kompatscher erklärte, ohne die GAP gäbe es in weiten Teilen Europas keine Landwirtschaft mehr. Tierwohl und Umweltschutz stünden nicht infrage, entscheidend sei aber die Umsetzung. Mit Misstrauen, Kontrollwahn und Zettelwirtschaft gehe es nicht, so Kompatscher. Betriebe, die europäische Standards einhielten, müssten vor unfairer Konkurrenz geschützt werden.

In Südtirol habe die GAP wesentlich dazu beigetragen, Abwanderung zu verhindern, die Kulturlandschaft zu erhalten und den Tourismus zu sichern. Beim Wolf brauche es eine Zusammenarbeit im gesamten Alpenraum.

Zum Abschluss rief Gasser dazu auf, aus dem Treffen Kraft für die anstehenden Entscheidungen zu schöpfen. Man treffe sich spätestens in einem Jahr wieder und schaue, was erreicht worden sei.

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