Wie viel Blut braucht Europa noch?

Dabei war der Täter von Berlin kein Unbekannter. Abdul B. war den Sicherheitsbehörden seit Jahren als Islamist bekannt, als Gefährder eingestuft und vom Bundeskriminalamt wenige Wochen vor der Tat sogar als „Hochrisikoperson“ bewertet worden. Er hatte versucht, sich dem „Islamischen Staat“ anzuschließen, war deshalb erst im Mai zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt worden – und durfte dennoch wieder auf freien Fuß. Am Samstagabend ist er mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge beim Christopher Street Day gerast. Eine Polin starb, 29 Menschen wurden verletzt.
Man kann es Behördenversagen nennen. Man kann über Jugendstrafrecht, Fußfesseln und Überwachung diskutieren. Man kann Untersuchungsausschüsse einsetzen und Betroffenheitsreden halten.
Oder man spricht endlich aus, was längst jeder sehen kann: Europa hat sich ein massives islamistisches Sicherheitsproblem geschaffen – und weigert sich bis heute, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Bekannt, verurteilt – und freigelassen
Der Berliner Fall ist geradezu ein Sinnbild für einen Staat, der seine Feinde besser kennt als seine eigenen Grenzen, aber trotzdem nicht handelt.
Die Behörden wussten, dass Abdul B. radikalisiert war. Sie wussten, dass er nach Syrien wollte. Sie wussten, dass er sich dem IS anschließen wollte. Sie wussten, dass ihm schwere Gewalttaten zuzutrauen waren. Sie stuften ihn als Gefährder und Hochrisikoperson ein. Noch kurz vor dem Anschlag wurde sein Hauseingang überwacht.
Und dennoch konnte er seine Wohnung verlassen, einen Transporter beschaffen und mitten in Berlin Menschen niederfahren.
Der Staat filmte ihn auf dem Weg zum Anschlag – aber hielt ihn nicht auf. Mehr muss man über die Handlungsfähigkeit des heutigen Europas eigentlich nicht wissen.
Mannheim, Solingen, München, Berlin
Berlin ist kein Einzelfall. Berlin ist lediglich der vorläufig letzte Name auf einer immer längeren Liste.
In Mannheim stach ein Afghane im Mai 2024 auf Teilnehmer einer islamkritischen Kundgebung ein. Ein Polizist wurde ermordet, mehrere weitere Menschen wurden verletzt. Das Gericht stellte später eine islamistische Motivation fest und verurteilte den Täter zu lebenslanger Haft.
In Solingen ermordete ein syrischer Asylbewerber im August 2024 auf einem Stadtfest drei Menschen und verletzte acht weitere. Der „Islamische Staat“ bekannte sich zu der Tat. Der Mann hätte zuvor nach Bulgarien überstellt werden sollen. Die Überstellung scheiterte – und er blieb.
In München raste im Februar 2025 ein afghanischer Asylbewerber in einen Demonstrationszug. Eine Mutter und ihre zweijährige Tochter starben, zahlreiche Menschen wurden verletzt. Die Ermittler gingen von einem islamistischen beziehungsweise religiösen Motiv aus.
Nun Berlin: eine Tote, 29 Verletzte und erneut ein Mann aus dem islamistischen Milieu.
Wie viele Tatorte braucht es noch? Wie viele Tote? Wie viele Messer, Lastwagen und Bekennervideos?
Wie oft darf ein Täter bereits bekannt, ausreisepflichtig, vorbestraft, radikalisiert oder sogar als Gefährder eingestuft sein, bevor die Politik zugibt, dass hier nicht bloß ein paar Behördenpannen vorliegen?
Das Muster darf nicht benannt werden
Nach jedem Anschlag beginnt dasselbe Ritual. Zuerst heißt es, das Motiv sei noch unklar. Dann wird vor „voreiligen Schlüssen“ gewarnt. Sobald der islamistische Hintergrund nicht mehr geleugnet werden kann, folgt der Hinweis, dass die große Mehrheit der Muslime friedlich sei.
Niemand behauptet, jeder Muslim sei ein Islamist. Doch der Hinweis auf friedliche Muslime darf nicht länger dazu missbraucht werden, das konkrete Problem islamistischer Gewalt zu verschleiern.
Europol registrierte für das Jahr 2025 24 dem Dschihadismus zurechenbare verhinderte Terroranschläge. Von 486 Festnahmen wegen Terrorverdachts entfielen 347 auf Islamisten.  Das ist kein Vorurteil. Das ist die amtliche Statistik der Europäischen Union.
Wer angesichts dieser Zahlen weiterhin so tut, als seien alle Formen des Extremismus gleichermaßen gefährlich, betreibt keine Aufklärung. Er betreibt Vernebelung.
Brüssel bekämpft lieber die Bürgerinitiative
Besonders zynisch ist der Zeitpunkt. Am 22. Juli, nur drei Tage vor dem Anschlag von Berlin, verweigerte die EU-Kommission der Europäischen Bürgerinitiative „Save Europe Act“ die Registrierung. Die Initiative wollte unter anderem die Einwanderung aus nichtwestlichen Staaten begrenzen, abgelehnte Asylbewerber schneller zurückführen und eine systematische Remigration illegal aufhältiger Migranten erreichen.
Die Kommission erklärte, die Initiative verstoße wegen ihrer Unterscheidung nach ethnischer und kultureller Herkunft offensichtlich gegen die Grundwerte der Europäischen Union. Sie durfte deshalb nicht einmal im offiziellen Rahmen Unterstützungsbekundungen sammeln. Drei Tage später lag in Berlin eine Frau tot auf der Straße.
Natürlich war der Berliner Tatverdächtige deutscher Staatsbürger und konnte nicht abgeschoben werden. Er ist in Berlin geboren. Doch gerade das zeigt, wie weit das Problem inzwischen fortgeschritten ist. Die unkontrollierte Einwanderung der vergangenen Jahrzehnte hat nicht nur Personen hereingebracht, die heute abgeschoben werden könnten. Sie hat Milieus entstehen lassen, in denen sich Islamismus, Verachtung westlicher Lebensweisen und Hass auf sogenannte Ungläubige auch auf die nächste Generation übertragen können.
Die EU will über diesen Zusammenhang nicht einmal diskutieren. Wer ihn anspricht, wird unter Extremismusverdacht gestellt. Wer Remigration fordert, gefährdet angeblich die europäischen Grundwerte. Wer aber gefährdet die Menschen auf Europas Straßen?
Sicherheit ist kein Grundwert mehr
Die EU beruft sich auf Menschenwürde, Gleichheit und Vielfalt. Alles hohe Güter. Doch das Recht der eigenen Bevölkerung, nicht auf einem Stadtfest erstochen, auf einer Demonstration überfahren oder auf einer Kundgebung ermordet zu werden, scheint in dieser Werteordnung nur noch eine Nebenrolle zu spielen.
Grenzen sollen offen bleiben. Abschiebungen scheitern an Papieren, Gerichten oder Herkunftsstaaten. Bekannte Islamisten werden freigelassen. Gefährder werden beobachtet, bis sie zuschlagen. Danach verspricht die Politik, künftig noch genauer hinzuschauen.
Der Bürger hingegen soll Poller, Taschenkontrollen und Maschinenpistolen bei Volksfesten als neue Normalität akzeptieren. Europa verändert nicht seine Migrationspolitik. Europa verbarrikadiert lieber seine Weihnachtsmärkte.
Einwanderungsstopp und konsequente Rückführungen
Es ist nicht radikal, die Einreise aus Staaten auszusetzen, in denen Identitäten nicht zuverlässig überprüft, Sicherheitsinformationen nicht beschafft und abgelehnte Personen später nicht zurückgenommen werden können. Radikal ist es, trotz der bekannten Folgen einfach weiterzumachen.
Es ist nicht unmenschlich, jeden Ausländer ohne Aufenthaltsrecht in ein sicheres Herkunftsland zurückzuführen. Unmenschlich ist es, die eigene Bevölkerung sehenden Auges weiteren Gefahren auszusetzen.
Es ist nicht diskriminierend, ausländische Islamisten, Gefährder und schwere Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe auszuweisen. Diskriminierend ist vielmehr eine Politik, die das Sicherheitsbedürfnis der einheimischen Bevölkerung systematisch geringer gewichtet als den Aufenthaltswunsch eines Menschen, der hier kein Bleiberecht besitzt.
Europa muss die illegale Migration vollständig unterbinden, Asylverfahren an die Außengrenzen oder in sichere Drittstaaten verlagern und Menschen ohne Aufenthaltsrecht konsequent zurückführen. Staaten, die ihre eigenen Staatsbürger nicht zurücknehmen, dürfen weder Entwicklungshilfe noch Visaerleichterungen erhalten.
Und wer als Gefährder gilt, muss aus dem Verkehr gezogen werden – nicht erst dann, wenn Blut auf der Straße liegt.
Nie ist jemand verantwortlich
Nach Mannheim versprach die Politik Konsequenzen. Nach Solingen versprach sie Konsequenzen. Nach München versprach sie Konsequenzen. Nach Berlin verspricht sie wieder Konsequenzen.
Doch die Konsequenzen treffen am Ende meist die Falschen: Besucher werden kontrolliert, Veranstaltungen abgesperrt, Feste mit Betonblöcken umstellt und Bürger zur Wachsamkeit aufgerufen.
Diejenigen hingegen, die keine Grenze sichern, keine Abschiebung vollziehen und bekannte Gefährder freilassen, bleiben im Amt. Niemand tritt zurück. Niemand übernimmt Verantwortung. Niemand ändert den Kurs. Bis zum nächsten Anschlag.
Dann werden wieder Kerzen angezündet. Politiker legen Blumen nieder. Kirchen halten Gedenkgottesdienste ab. Medien mahnen zur Besonnenheit. Und wer nach den Ursachen fragt, wird beschuldigt, das Leid der Opfer zu „instrumentalisieren“.
Nein: Instrumentalisiert werden die Opfer von jenen, die jedes Mal Betroffenheit inszenieren, aber jede wirksame Konsequenz verweigern.
Mannheim. Solingen. München. Berlin. Wie viel Blut braucht Europa noch, bis der Schutz der eigenen Bevölkerung wieder wichtiger ist als die Angst, durch eine konsequente Migrations- und Sicherheitspolitik irgendjemanden vor den Kopf zu stoßen?
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