
Florian Stumfall
Moral auf Mietbasis

Was ist geschehen? In Deutschland ist die sogenannte Leihmutterschaft verboten, aus gutem Grund. Nach dem Gesetzgeber und dem allgemeinen sittlichen Empfinden verstößt sie gegen die Menschenwürde in verschiedener Hinsicht. Spahn hat als ehemaliger Gesundheitsminister und später als Fraktionschef diese Haltung immer vertreten.
Nun aber gab er bekannt, dass er zusammen mit seinem Lebenspartner Vater geworden sei, die Mutter, die das Kind für die beiden Männer ausgetragen hat, ist eine Frau in den USA, wo das rechtlich möglich ist – für sehr viel Geld, versteht sich.
Ein Kind gekauft – die Karriere verspielt
Als die Sache bekannt wurde, war die Empörung groß. Nachdem sich in Deutschland ohnehin der Eindruck verfestigt, die herrschende politisch-mediale Kaste sei völlig abgehoben vom Leben der normalen Menschen und fühle sich an die allgemeinen Gesetze oftmals nicht gebunden, musste dieser Vorgang den Vorwurf der Doppelmoral und der Heuchelei hervorrufen.
Wer das wieder einmal zu spät erkannt hatte, war in seiner politischen Instinktlosigkeit Bundeskanzler Friedrich Merz, der an Spahn zunächst noch Glückwünsche richtete. Dann aber musste auch er, eben so wie Spahn selbst, einsehen, dass dieser nicht mehr zu halten war.
Leihe oder Miete?
NB. Das übliche Wort „Leihmutterschaft“ ist sprachlich falsch. „Leihen“ bedeutet, einem anderen eine Sache vorübergehend zu überlassen. Man verleiht ein Buch oder in selteneren Fällen das Auto oder aber eine Gewisse Summe Geld.
Bei der ausgelagerten Mutterschaft aber handelt es sich um eine Miete, also eine vorübergehende kostenpflichtige Nutzung einer fremden Einrichtung oder Sache. Gemietet wird eine Wohnung, ein Taxi, oder eben wie in den genannten Fällen, die Fähigkeit einer Frau, Kinder zur Welt zu bringen.
Gebraucht man aber das korrekte Wort „Mietmutterschaft“, so wird deutlich, um welch ungutes, hässliches Geschäft es sich dabei handelt.




