Handwerklich Spitze, im Auftritt ein Kniefall: Warum so viel „Bella Italia“?

Sie zeigen einmal mehr, auf welch hohem Niveau in Südtirol ausgebildet wird. Die Fachschule Laimburg leistet hervorragende Arbeit, und die jungen Teilnehmer haben mit Fleiß, Können und Fachwissen eindrucksvoll bewiesen, dass Südtirols Nachwuchs im Gartenbau zur europäischen Spitze gehört. Darauf darf unser Land mit Recht stolz sein.
Umso irritierender ist jedoch der Blick auf die offiziellen Fotos und Eindrücke der Veranstaltung. Denn dort stellt sich unweigerlich eine Frage: Warum wird eine Südtiroler Spitzenleistung derart deutlich in eine italienische Symbolkulisse gestellt?
Wo Südtiroler Können drinsteckt, wurde nach außen ein gewaltiges „Bella Italia“-Etikett aufgeklebt.
Der formale Rahmen ist erklärbar – der Auftritt nicht
Dass ein europäischer Berufswettbewerb nach Ländern organisiert ist und die Laimburger Teams daher formal unter „Team Italy“ geführt wurden, mag man als institutionelle Vorgabe hinnehmen. Der Wettbewerb sieht Teams pro Land vor und auch das Landespresseamt schreibt, die Laimburger Teilnehmer hätten Südtirol und Italien vertreten.
Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist die freiwillige Inszenierung. Und genau dort beginnt das Problem. Denn nirgends ist ersichtlich, dass ein Südtiroler Team bei der Präsentation seines Herkunftslandes ausgerechnet den italienischen Stiefel, die Trikolore und klassische „Bella Italia“-Klischees in den Mittelpunkt stellen müsste. Die formale Länderzuordnung mag vorgegeben sein. Die optische Unterordnung unter italienische Staatssymbolik ist es nicht. Genau dort endet die Pflicht – und beginnt die politische Aussage.
Wo bleibt das Südtiroler Selbstbewusstsein?
Den jungen Teilnehmern darf man daraus keinen Vorwurf machen. Wer bei einem internationalen Wettbewerb antritt, will vor allem eines: eine gute Leistung bringen, sich konzentrieren und das eigene Können zeigen. Das haben sie eindrucksvoll getan. Ihre fachliche Leistung steht außer Frage und verdient Anerkennung, nicht Kritik.
Umso mehr stellt sich aber die grundsätzliche Frage, wie solche Auftritte vorbereitet, begleitet und nach außen getragen werden. Ob die konkrete Präsentation von den Teilnehmern selbst, von Begleitpersonen, von der Delegation oder aus einer spontanen Idee heraus gestaltet wurde, ist am Ende zweitrangig. Entscheidend ist das Bild, das bleibt. Und dieses Bild lautet nicht: Südtirol zeigt auf europäischer Bühne seine Stärke. Es lautet vielmehr: Ein Südtiroler Erfolg verschwindet optisch beinahe vollständig hinter „Team Italy“, Trikolore und Italien-Klischees.
Gerade deshalb geht es hier nicht um eine kleinliche Symboldebatte, sondern um die Frage des Selbstverständnisses. Südtirol verfügt über eine eigene Geschichte, eine eigene Kulturlandschaft, eine starke landwirtschaftliche Tradition und ein hochwertiges Berufsbildungssystem. All das hätte bei einer solchen Präsentation sichtbar werden können. Man hätte alpine Gartenbaukultur, bäuerliche Prägung, lokale Besonderheiten, oder die Eigenständigkeit der Südtiroler Ausbildung in den Mittelpunkt stellen können.
Stattdessen dominiert auf den Bildern eine Symbolik, die mit der konkreten Leistung nur wenig zu tun hat. Die Arbeit wurde in Südtirol geleistet, die Ausbildung erfolgte in Südtirol, die jungen Fachkräfte kommen aus Südtirol – doch die optische Botschaft wird von Italien überlagert. Genau das ist der Punkt, der stört.
Niemand verlangt, den formalen Rahmen des Wettbewerbs zu sprengen. Wenn die Teilnahme organisatorisch über Italien läuft, ist das eine Sache. Aber auch innerhalb dieses Rahmens hätte man Südtirol selbstbewusster zeigen können. Gerade eine Fachschule und ein Team aus Südtirol sollten ein Gespür dafür haben, dass Herkunft nicht nur eine Verwaltungsfrage ist, sondern auch eine Frage der Darstellung nach außen.
Südtirol ist kein beliebiger italienischer Landstrich, der seine Besonderheit in Stiefel- und Trikolore-Symbolik auflösen muss. Südtirol ist ein eigenständiger Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftsraum mit eigener Identität. Diese Identität hätte man zeigen können. Gerade auf europäischer Bühne.
Stolz auf die Leistung, Kopfschütteln über die Inszenierung
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Handwerklich haben die Laimburger Teilnehmer Großartiges geleistet. Der Sonderpreis in der Floristik, der vierte Gesamtrang und auch der starke sechste Platz des zweiten Teams verdienen Respekt und Anerkennung.
Beim patriotischen Selbstverständnis hingegen gibt es offenkundig noch viel Luft nach oben. Südtirol muss sich nicht kleiner machen, als es ist. Es muss seine Erfolge auch nicht freiwillig in ein „Bella Italia“-Schaufenster stellen. Wer aus Südtirol kommt, wer in Südtirol ausgebildet wird und wer Südtirols Können auf europäischer Bühne sichtbar macht, darf das auch selbstbewusst zeigen. Denn Südtirol glänzt am stärksten, wenn es nicht so tut, als wäre es bloß Italien.
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