von mmh 23.06.2026 08:38 Uhr

Wespen: Oft gehasst, aber unverzichtbar für das Ökosystem

Kaum ein Insekt ist so unbeliebt wie die Wespe. Vor allem im Sommer gelten sie als störende Gäste, wenn sie an Kuchen, Limonade oder Grillgut auftauchen. Doch hinter dem schlechten Ruf steckt ein wichtiger Nutzen für das Ökosystem.

(Bild: Pexels/Österreichischer Tierschutzverein)

In Österreich gibt es rund 300 Wespenarten. Laut dem Österreichischen Tierschutzverein sind jedoch nur zwei Arten hauptverantwortlich für den schlechten Ruf der gesamten Insektenfamilie: die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe. Diese bilden große Völker, sind bis in den Herbst aktiv und teilen die menschliche Vorliebe für Zucker und Proteine.

„Was uns beim Grillen extrem nervt, ist im Garten jedoch eine effektive, natürliche Abfallentsorgung, wie etwa das Vertilgen von Fallobst“, erklärt Alexios Wiklund vom Österreichischen Tierschutzverein.

Effektive Schädlingsbekämpfer und Teil des Ökosystems

Wespen erfüllen laut Experten eine wichtige Rolle in der Natur und tragen zur Biodiversität bei. Sie ernähren sich von Nektar, Pollen, Pflanzensäften und anderen Insekten.

Ein Wespenvolk kann demnach pro Tag bis zu 5.000 Fliegen, Raupen, Blattläuse und Mücken vertilgen – das entspricht rund einem halben Kilo Protein. Zudem gelten sie als „Gesundheitspolizei“, da sie tote Insekten abtransportieren.

Gleichzeitig sind Wespen selbst eine wichtige Nahrungsquelle für Vögel, Spinnen und Amphibien. Auch als Bestäuber leisten sie einen Beitrag, indem sie Blüten „im Vorbeigehen“ bestäuben – selbst bei kühlem und regnerischem Wetter.

Wohnraummangel bringt Wespen näher zum Menschen

Ein zunehmendes Problem ist laut Tierschutzverein der Verlust natürlicher Lebensräume. Da Baumhöhlen und Totholz immer seltener werden, weichen Wespen auf Jalousiekästen, Dachböden oder Schuppen aus. Dadurch kommt es häufiger zu Begegnungen mit Menschen.

Dabei ist die Lebensdauer eines Wespenstaates begrenzt: Ein Volk existiert nur wenige Monate und stirbt im Herbst durch Kälte und Nahrungsmangel. Nur die begatteten Jungköniginnen überwintern und gründen im Frühjahr neue Nester. Alte Nester werden nicht wieder besiedelt.

Nur etwa zehn Wespenarten bilden überhaupt Staaten, der Großteil lebt als Einzelgänger.

Sanfte Methoden zur Vertreibung

Der Tierschutzverein weist darauf hin, dass Wespen niemals angepustet werden sollten, da das CO₂ im Atem als Gefahr interpretiert wird und die Tiere aggressiv machen kann.

Stattdessen werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Ein feiner Wassernebel aus einer Sprühflasche simuliert Regen und vertreibt die Tiere ins Nest
  • Überreifes Obst in sicherer Entfernung kann als Ablenkfütterung dienen
  • Speisen im Freien sollten abgedeckt und Fallobst rasch entfernt werden
  • Fliegengitter bieten einfachen Schutz für Wohnräume

Artenschutz-Kampagne für gefährdete Insekten

Da viele Wespenarten unter dem Verlust ihres Lebensraums leiden, stehen einige bereits auf der Roten Liste bedrohter Arten. Besonders betroffen ist die Hornisse, die größte Wespenart Österreichs, die laut Tierschutzverein akut vom Aussterben bedroht ist.

Im Rahmen der Artenschutz-Kampagne „Auf (N)immer Wiedersehen“ will der Österreichische Tierschutzverein auf die Bedeutung und Gefährdung dieser Insekten aufmerksam machen und deren Schutz stärken.

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