von lif 19.06.2026 09:47 Uhr

Wie viel Spritz ist noch okay?

Kaum ein Getränk steht so sehr für den Sommer wie Aperol Spritz oder Hugo. Sie gelten als leicht, spritzig und harmlos. Doch die neueste Forschung wirft ein anderes Licht auf den Alkohol darin.

Bild: Pixabay

Lange galt die Faustregel, dass ein bisschen Alkohol schon nicht schade. Damit räumt die Wissenschaft inzwischen auf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung kommt in ihrem Positionspapier zu dem Schluss, dass es keine risikofreie Menge für einen unbedenklichen Alkoholkonsum gibt. Ihre Empfehlung lautet deshalb klar: am besten gar keinen Alkohol trinken. Auch das Robert Koch Institut bestätigte 2025 in einer Neubewertung, dass es keinen risikofreien Konsum gibt. Wie wenig dafür nötig ist, überrascht viele. Nach der neuen Einteilung gelten bereits ein bis zwei Getränke pro Woche als geringes, drei bis sechs als moderates und mehr als sechs als hohes Risiko für gesundheitliche Folgeschäden. Entscheidend ist also nicht der einzelne Abend, sondern die Menge pro Woche. Als ein Standardgetränk zählt dabei eine kleine Flasche Bier, ein Glas Wein oder ein Schnaps. Ein Spritz liegt ungefähr in diesem Bereich, je nach Größe sogar etwas darüber.

Der unterschätzte Zusammenhang mit Krebs

Für besonderes Aufsehen sorgte Anfang 2025 die oberste Gesundheitsbehörde der USA. In einem vielbeachteten Bericht stufte sie Alkohol als dritthäufigste vermeidbare Ursache für Krebs ein, nach Rauchen und Übergewicht. Demnach erhöht Alkohol das Risiko für mindestens sieben Krebsarten: Brust, Darm, Speiseröhre, Leber, Mund, Rachen und Kehlkopf.

Besonders empfindlich reagiert die Brust: In den USA gehen 16,4 Prozent aller Brustkrebsfälle auf Alkohol zurück. Weltweit waren im Jahr 2020 schätzungsweise 741.300 Krebsfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Bemerkenswert ist, dass dieser Zusammenhang kaum bekannt ist. Weniger als die Hälfte der Amerikaner weiß, dass Alkohol das Krebsrisiko erhöht. Die Behörde forderte deshalb Warnhinweise auf Flaschen, ähnlich wie auf Zigarettenpackungen.

Der Mythos vom gesunden Glas Rotwein

Aber war ein Glas Rotwein nicht sogar gut fürs Herz? Diese Vorstellung stammt aus Studien der 1980er und 1990er Jahre, die heute als methodisch fragwürdig gelten. Der Suchtexperte Markus Meury von Sucht Schweiz erklärt, dass moderater Alkoholkonsum das Prädikat gesund nicht verdient. Bis zu einem halben Glas pro Tag hielten sich positive und negative Effekte ungefähr die Waage, danach überwiegen die negativen Auswirkungen. Wer ab und zu ein Glas genieße, könne das aber mit gutem Gewissen tun, das schade dann nicht so groß.

Was heißt das für Spritz und Hugo?

Genau hier liegt die Tücke des Aperitifs. Sein Image als leichtes, niedrigprozentiges Getränk verleitet dazu, die Menge zu unterschätzen. Ein Aperol Spritz aus Aperol, Prosecco und Soda kommt auf rund zehn Volumenprozent Alkohol, der Hugo mit Holundersirup liegt meist etwas darunter. Dazu kommen die versteckten Kalorien. Ein Gramm reiner Alkohol liefert sieben Kalorien, sogenannte leere Kalorien ohne Nährwert. Ein Glas Aperol Spritz bringt es so auf etwa 200 bis 250 Kalorien, ein Hugo auf rund 180. Hinzu kommt einiges an Zucker. Über einen geselligen Abend mit zwei oder drei Gläsern summiert sich das schnell, und wer das mehrmals pro Woche macht, landet rasch im Bereich des moderaten oder hohen Risikos.

Ein Wandel ist aber bereits im Gange. Vor allem jüngere Menschen greifen seltener zum Glas. Laut einer Umfrage sagen rund zwei Drittel der 18 bis 34 Jährigen, dass sich Alkohol negativ auf die Gesundheit auswirkt, deutlich mehr als in den älteren Altersgruppen. Entsprechend boomen alkoholfreie Alternativen. Den Spritz und den Hugo gibt es inzwischen auch in alkoholfreien Varianten, auch wenn diese wegen des Zuckers nicht automatisch kalorienarm sind.

Genuss bleibt eine persönliche Entscheidung

Die Botschaft der Fachleute ist nicht, dass jeder Tropfen sofort krank macht. Ein Glas in guter Gesellschaft gehört für viele zum Sommer dazu. Entscheidend ist, die Fakten zu kennen und bewusst zu entscheiden, statt den Spritz als völlig harmlos abzutun. Wer seinen Konsum reduzieren möchte, dem helfen kleinere Gläser, alkoholfreie Tage in der Woche und der eine oder andere alkoholfreie Aperitif. Die aktuell laufende Aktionswoche Alkohol vom 13. bis 21. Juni lädt genau dazu ein, das eigene Trinkverhalten einmal zu hinterfragen.

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