von ih 14.06.2026 07:45 Uhr

Rangnick verlängert kurz vor WM-Auftakt als ÖFB-Teamchef

Ralf Rangnick hat wenige Tage vor Österreichs WM-Start für Klarheit gesorgt. Der Teamchef bleibt der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft über das Turnier hinaus erhalten. Der 67-jährige Deutsche hat einen neuen Vertrag unterschrieben, der ihn vorerst bis Jahresende 2027 bindet. Das bestätigte der ÖFB am Samstag. Bei einer erfolgreichen Qualifikation für die EM 2028 verlängert sich der Kontrakt automatisch bis zum Turnier in Großbritannien und Irland.

APA/GEORG HOCHMUTH

Rangnick ist seit Juni 2022 ÖFB-Teamchef, sein ursprünglicher Vertrag wäre nach der WM in Nordamerika ausgelaufen. Bei der Verlängerung sprach er von einer „Grundsatzentscheidung“, bei der viele Faktoren eine Rolle gespielt hätten – insbesondere die Zukunft seiner engsten Mitarbeiter.

„Alles, was die letzten vier Jahre passiert ist, und was sich entwickelt hat, ist zu mindestens 50 Prozent die Leistung meines Trainerstabes und der weiteren Betreuer“, meinte Rangnick. „Die anderen 50 Prozent sind vielleicht meine.“

Keine Klarheit von AC Milan

Ende Mai hatte sich Rangnick in Wien mit Verantwortlichen von AC Milan getroffen, die ihn als Sportchef für ihr neues Projekt gewinnen wollten. Der Wahl-Salzburger entschied sich aber für das Angebot des ÖFB, in dem nicht nur seinen finanziellen Wünschen, sondern auch jenen seiner Mitarbeiter entsprochen wurde. Rangnicks bisheriger erster Assistent Lars Kornetka verlässt den ÖFB nach der WM. Dafür wurde mit Onur Cinel ein weiterer Co-Trainer neben Stefan Oesen fest beim Verband angestellt. Auch der zusätzliche Teammanager Lennart Coerdt bleibt.

„Für mich war klar, dass ich mich entscheide, bevor die WM für uns losgeht. Ich weiß aber noch nicht so lange, dass alle Mitarbeiter mit an Bord sind – und auch zufrieden mit an Bord“, erklärte Rangnick. Das sei nun der Fall. „Deswegen kann ich hier sitzen und mit gutem Gefühl sagen, dass es die richtige Entscheidung ist.“ Diese sei keineswegs an die Forderung nach mehr Entscheidungsbefugnissen oder eine Erweiterung seiner Kompetenzen geknüpft gewesen, betonte Rangnick. Das Projekt Milan hätte nicht nur für ihn, sondern auch für andere reizvoll sein können. Vom italienischen Großclub habe es bis zuletzt aber „keine Klarheit“ gegeben.

Der ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzende Josef Pröll wertete die Verlängerung mit dem Teamchef als „wichtiges Signal für Geschlossenheit und gemeinsame sportliche Ziele. Die nun geschaffene Klarheit ist insbesondere für die Mannschaft von großer Bedeutung.“ Der Verbandschef dankte Rangnick, „nach langen, aber intensiven und vertrauensvollen Gesprächen“ – begonnen hatten sie im Dezember – zum aktuellen Zeitpunkt zu einer Einigung gekommen zu sein. „Wir können damit ruhig, aber konzentriert und erfolgreich in diese Weltmeisterschaft starten.“

Sponsorenunterstützung beim Gehalt

Die Spieler informierte Rangnick laut eigenen Angaben am Samstagvormittag (Ortszeit) bei der Trainingsvorbesprechung. Wie sie es aufgenommen hätten? „Ich habe zumindest keinen gesehen, der schmerzverzerrt das Gesicht verzogen hat.“ Dass sich die Gespräche mit dem ÖFB ein halbes Jahr hingezogen hätten, wollte Rangnick nicht überbewerten. „Wenn ich mich nicht grundsätzlich hier in dieser Aufgabe wohlfühlen würde, würde ich hier schon lange nicht mehr sitzen. Es weiß jeder, dass mir hier ein paar Dinge sehr am Herzen liegen.“

Zwei Millionen Euro soll Rangnick künftig jährlich erhalten – deutlich mehr als bisher. Finanziert wird sein Gehalt fast zur Hälfte durch vier ÖFB-Sponsoren, nämlich UNIQA, Raiffeisen, Sporteo und IMMOunited. Der Fußball-Bund schrieb von einem „maßgeblichen finanziellen Engagement“ des Quartetts, ohne Zahlen zu nennen. „Ihre Unterstützung hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir den erfolgreichen Weg gemeinsam fortsetzen können“, erklärte Pröll.

Deutlich mehr hätte Rangnick bereits 2024 verdienen können. Damals schlug der Schwabe kurz vor der EM ein Trainer-Angebot von Bayern München aus, um als Teamchef in Österreich zu bleiben. „Klar ist, dass der ÖFB finanziell nicht mit internationalen Spitzenklubs konkurrieren kann. Es waren, und das möchte ich ausdrücklich betonen, auch andere Faktoren, die Ralf Rangnick überzeugt haben“, meinte Pröll. „Österreich und Ralf Rangnick – das passt einfach zusammen.“

Das bittere EM-Aus 2024

Mit den Worten „I am for Austria“ präsentierte der Verband Rangnicks Verlängerung in den Sozialen Medien. Der damalige Interimscoach von Manchester United hatte vor vier Jahren als Nachfolger seines Landsmannes Franco Foda beim ÖFB angeheuert. Nach dem Abstieg aus der Nations-League-Liga A führte Rangnick Österreich 2024 als Gruppensieger ins EM-Achtelfinale. Dort setzte es mit einem 1:2 gegen die Türkei in Leipzig allerdings die bitterste Niederlage seiner bisherigen Amtszeit.

Durch das Erreichen des Kontinentalturniers in Deutschland stand Rangnick auch für die folgende WM-Qualifikation unter Vertrag. Österreichs erste WM-Teilnahme seit 28 Jahren wurde im November in einem dramatischen Entscheidungsspiel in Wien gegen Bosnien (1:1) fixiert. Auch Rumänien, Zypern und San Marino ließ das ÖFB-Team in der Gruppe hinter sich. Ihre drei WM-Vorbereitungsspiele hat die Rangnick-Auswahl im Frühjahr allesamt gewonnen. Die aktuell 14 Heimspiele in Folge ohne Niederlage sind ÖFB-Rekord.

Herzog sieht Push für WM-Auftakt

Nach bisher 45 Länderspielen steht Rangnicks Bilanz bei 27 Siegen, acht Remis und zehn Niederlagen. Sein Punkteschnitt von 1,98 Zählern ist der höchste aller ÖFB-Teamchefs nach 1945, die mindestens zehn Partien in der Verantwortung waren. Die Leistungen gilt es nun aber auch bei der WM zu zeigen. Ihr Auftaktspiel bestreiten die Österreicher am Dienstag (6.00 Uhr in der Nacht auf Mittwoch MESZ) in Santa Clara gegen Jordanien. Weitere Gruppengegner sind Titelverteidiger Argentinien und Algerien.

Österreichs bisher letzter WM-Torschütze Andreas Herzog bezeichnete den Zeitpunkt für die Bekanntgabe der Verlängerung als perfekt. „Ende gut, alles gut“, sagte der ORF-Experte in Santa Barbara der APA. In den vergangenen Tagen habe ein wenig Unsicherheit geherrscht. „Jetzt hat er sich für das Nationalteam deklariert, das ist gut genau für das erste Spiel. Das wird der Mannschaft einen zusätzlichen Push geben.“ Das Thema sei nun erledigt. „Jetzt muss ein Sieg gegen Jordanien her, das ist für den österreichischen Fußball jetzt das Wichtigste.“

apa

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