Brenner-Zulauf wird zum europäischen Fiasko

Konkret geht es um die Unterinntalbahn zwischen Radfeld und Kufstein/Schaftenau. Laut Berichten könnte das österreichische Verkehrsministerium den Ausbau aus Budgetgründen erst bis 2039 umsetzen. Für die Tiroler Wirtschaft wäre das ein fatales Signal, warnt WK-Präsidentin Barbara Thaler.
„Wer den Brennerbasistunnel ernst nimmt, darf bei den Zulaufstrecken nicht auf die Bremse steigen“, betont Thaler. Der Brennerbasistunnel sei weit mehr als ein einzelnes Tunnelprojekt. Vielmehr bilde er das Herzstück einer der wichtigsten europäischen Nord-Süd-Verbindungen – sowohl für den Güter- als auch für den Personenverkehr.
Besonders kritisch sieht die Wirtschaftskammer dabei die politische Signalwirkung. Österreich verliere an Glaubwürdigkeit, wenn von Deutschland mehr Tempo beim Nordzulauf eingefordert werde, gleichzeitig aber eigene Projekte verschoben würden. Genau dieses Signal dürfe aus Wien nicht kommen, so Thaler weiter.
Die Wirtschaftskammer Tirol fordert deshalb verbindliche Zeitpläne, gesicherte Finanzierungszusagen und schnellere Planungs- sowie Genehmigungsverfahren. Zudem brauche es ausreichend Terminal- und Umschlagkapazitäten sowie eine grenzüberschreitende Steuerung, die Fortschritte überwacht und bei Verzögerungen eingreift.
Aus Sicht der Tiroler Wirtschaft steht dabei weit mehr auf dem Spiel als nur ein Infrastrukturprojekt. Verlässliche Verkehrsachsen seien entscheidend für Industrie, Logistik, Tourismus und stabile Lieferketten. „Unsere Betriebe brauchen keine offenen Zeithorizonte, sondern planbare Rahmenbedingungen“, erklärt Thaler. Nur mit einer leistungsfähigen Schiene könne die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Bahn tatsächlich gelingen.
Auch für Tirol selbst habe der Ausbau große Bedeutung. Neben der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit gehe es um Lebensqualität, regionale Mobilität und das Vertrauen in politische Zusagen. Die Brennerachse müsse daher als europäisches Gesamtprojekt verstanden und entsprechend entschlossen umgesetzt werden.
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