von lif 21.05.2026 20:07 Uhr

Schotterverarbeitung: Bürgerabend zeigt große Sorgen in der Bevölkerung

Groß war das Interesse der Bevölkerung am Bürgerabend zum geplanten Gewerbegebiet von Landesinteresse „Ex-Gamberoni“ für Schotterverarbeitung, Betonherstellung und Bauschuttrecycling. Über 150 Bürger waren in die Aula Magna gekommen, um sich über den aktuellen Stand des von der Landesregierung eingeleiteten Verfahrens zu informieren und Fragen zu stellen. Organisiert wurde der Abend von der Gemeinde Auer mit dem Ziel, die Bevölkerung frühzeitig und transparent über die Entwicklungen zu informieren sowie Raum für Fragen, Anliegen und einen offenen Austausch zu schaffen. Anwesend war auch Wirtschaftslandesrat Marco Galateo.

Zahlreiche Besucher beim Bürgerabend zum geplanten Gewerbegebiet von Landesinteresse „Ex-Gamberoni“

„Uns ist es wichtig, die Bevölkerung offen über den aktuellen Stand zu informieren, die Entwicklung der vergangenen Jahre, Monate und Wochen nachvollziehbar aufzuzeigen und den Bürgern Raum für Fragen und Anliegen zu geben“, betonte Bürgermeister Martin Feichter zu Beginn des Abends.

Bürgermeister Martin Feichter zeigte anschließend anhand einer Zeitleiste den bisherigen Werdegang des Areals auf. Im Jahr 2006 wurde das Gelände als temporäre Baustelleneinrichtung im Zusammenhang mit dem Bau der Umfahrungsstraße von Auer eingerichtet. Laut damaligen Vereinbarungen hätte das Areal nach Abschluss der Arbeiten – die Umfahrungsstraße wurde im Jahre 2013 eröffnet – wieder in landwirtschaftliches Grün rückgeführt werden sollen.

In den darauffolgenden Jahren wurden mehrere Vereinbarungen zwischen Land, Gemeinde und Betreiber trotz festgelegter Endtermine immer wieder verlängert. Anhand der Zeitleiste wurde deutlich, dass die Gemeinde Auer in den vergangenen Jahren wiederholt auf die zugesagte Rückführung in Landwirtschaftsgebiet hingewiesen und sich konsequent gegen eine fortlaufende Nutzung beziehungsweise gegen eine Umwidmung in ein Gewerbegebiet von Landesinteresse ausgesprochen hat. Bürgermeister Martin Feichter erinnerte dabei an mehrere Stellungnahmen, Rekurse und einstimmige Beschlüsse des Gemeinderates. Im Mittelpunkt der Bedenken der Gemeinde stehen dabei insbesondere die möglichen zusätzlichen Belastungen durch Schwerverkehr, Staub und Lärm sowie die Auswirkungen auf die Lebensqualität, die Landwirtschaft und die langfristige Entwicklung des Dorfes.

Bürgermeister Martin Feichter

Im Dezember 2025 leitete die Landesregierung schließlich ein Verfahren zur Ausweisung eines Gewerbegebietes von Landesinteresse für „Schotterverarbeitung, Betonherstellung und Bauschuttrecycling“ ein. Der Gemeinderat von Auer sprach sich daraufhin einstimmig gegen die Ausweisung aus. Zudem gingen im Zuge des Verfahrens 17 negative Stellungnahmen von Vereinen, Verbänden und Privatpersonen ein. Auch die Landeskommission für Raum und Landschaft erteilte in der Folge ein negatives Gutachten.

Landesrat Marco Galateo erklärte beim Bürgerabend, dass die Bauwirtschaft im Bezirk Überetsch-Unterland Schottermaterial benötige, da dieses ansonsten von außerhalb angekauft werden müsse. Gleichzeitig kündigte er an, die geplante Umwidmung nach der einstimmigen Ablehnung durch den Gemeinderat von Auer sowie dem negativen Gutachten der Landeskommission für Raum und Landschaft derzeit nicht in die Landesregierung zu bringen. Stattdessen werde nun eine unabhängige Studie über einen möglichen optimalen Standort im gesamten Unterland in Auftrag gegeben – eine Forderung, welche die Gemeinde Auer bereits zuvor eingebracht hatte. Dabei wurde mehrfach betont, dass es sich laut Land um eine Anlage handle, die dem gesamten Bezirk Überetsch-Unterland dienen solle. Gerade deshalb brauche es aus Sicht der Gemeinde eine objektive Prüfung, welcher Standort im gesamten Bezirk Bevölkerung, Umwelt und Landwirtschaft möglichst wenig belaste.

Im Anschluss nutzten zahlreiche Bürger die Möglichkeit, Fragen zu stellen und ihre Anliegen vorzubringen. In der kritischen aber sachlich geführten Diskussion wurden unter anderem die möglichen Auswirkungen eines Schotterwerks auf Verkehr, Staub- und Lärmbelastung sowie auf die Lebensqualität im Dorf thematisiert. Mehrfach wurde betont, dass eine langfristige Entscheidung dieser Größenordnung sorgfältig geprüft werden müsse.

Weitere Wortmeldungen betrafen die Frage nach dem tatsächlichen Bedarf an Schottermaterial im gesamten Unterland und Überetsch, die Auswirkungen auf Klima und Umwelt sowie die mögliche Rolle der geplanten BBT-Zulaufstrecke für das Areal Ex-Gamberoni. Zudem wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass auf dem Gelände selbst kein Schotterabbau möglich sei, da es sich um landwirtschaftlichen Grund mit hohem Grundwasserspiegel handle.

Die Gemeindeverwaltung bedankte sich abschließend für die große Teilnahme und den sachlichen Austausch. Bürgermeister Martin Feichter betonte, dass sich die Gemeinde bereits in den vergangenen Jahren konsequent für die Interessen der Bevölkerung eingesetzt habe und dies auch weiterhin tun werde. „Unser Ziel bleibt eine nachhaltige Entwicklung unseres Dorfes sowie der Schutz der Lebensqualität in Auer“, so Feichter.

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