von ih 06.05.2026 07:50 Uhr

Gefälschte Sprachzertifikate: Team K will Reform

Der jüngste Skandal um gefälschte Sprachzertifikate im Südtiroler Sanitätswesen sorgt erneut für politische Diskussionen. Nach bekannt gewordenen Fällen von manipulierten Zweisprachigkeitsnachweisen fordert der Team-K-Abgeordnete Franz Ploner nun ein grundlegendes Umdenken bei den Sprachprüfungen im Gesundheitsbereich und in der öffentlichen Verwaltung.

Paul Köllensperger und Franz Ploner.

Mehrere tausend Euro sollen laut Ermittlungen für gefälschte Bescheinigungen auf dem Schwarzmarkt bezahlt worden sein. Bisher wurden 25 Fälschungen nachgewiesen und 22 Zertifikate widerrufen. Für Franz Ploner ist klar: Das Problem liege nicht nur bei den Fälschungen selbst, sondern auch im derzeitigen System der Sprachzertifizierung.

Als Beispiele nennt der Landtagsabgeordnete konkrete Fälle aus dem Alltag. So verlor ein Allgemeinmediziner aus Andrian bereits 2022 trotz jahrelanger Berufserfahrung, zufriedener Patienten und guter Kenntnisse beider Landessprachen seinen Vertrag mit dem Sanitätsbetrieb, weil er die vorgeschriebene C1-Sprachprüfung nicht bestand.

Ein ähnliches Schicksal drohe nun auch einem Hausarzt in Gossensaß, der ebenfalls kein entsprechendes Zertifikat vorweisen könne. Für Ploner zeigen diese Fälle, dass derzeit das Sprachzertifikat höher bewertet werde als die tatsächliche sprachliche Kompetenz der betroffenen Personen.

„Es geht nicht darum, das Sprachniveau zu senken“

Das Team K schlägt deshalb eine Reform nach Vorbild anderer deutschsprachiger Länder vor. Demnach sollen für den allgemeinen Sprachgebrauch künftig B2-Kenntnisse ausreichen, während für akademisches Personal zusätzlich eine fachbezogene C1-Prüfung im medizinischen Bereich vorgesehen werden soll. Ziel sei es, die Sprachkompetenz stärker an den tatsächlichen Anforderungen im Berufsalltag auszurichten.

„Es geht nicht darum, das Sprachniveau zu senken“, betont Franz Ploner. Vielmehr brauche es praxisorientierte Prüfungen, die sicherstellen, dass Ärzte und medizinisches Personal Patienten verständlich informieren, Diagnosen erklären und Therapieoptionen besprechen können. Die derzeitigen Prüfungen seien zu starr und oft zu weit vom beruflichen Alltag entfernt.

Auch Team-K-Chef Paul Köllensperger spricht sich für mehr Pragmatismus aus. Das Recht auf Kommunikation in der Muttersprache müsse zwar gewahrt bleiben, angesichts langer Wartelisten sei jedoch ein Arzt mit guten B2-Kenntnissen besser als gar kein Arzt. Zudem könne moderne KI-Technologie künftig bei sprachlichen Hürden unterstützen.

Jetzt
,
oder
oder mit versenden.

Es gibt neue Nachrichten auf der Startseite