von Alexander Wurzer 01.05.2026 08:30 Uhr

Was hätten wir dort zu erwarten?

In Südtirol wird derzeit über Wohnungen für 94 Migrantenfamilien diskutiert. Auch wenn von offizieller Seite betont wird, dass diese Wohnungen nicht völlig kostenlos seien, steht eine sehr geringe Eigenbeteiligung im Raum. Für viele Bürger klingt das wie ein weiterer Beweis dafür, dass der Sozialstaat für Zuwanderer oft schneller funktioniert als für jene, die dieses Land seit Jahren mit ihrer Arbeit, ihren Steuern und ihren Beiträgen tragen.

In Markokko sind Urlaubstouristen herzlich willkommen. Sozialtouristen hingegen nicht. (Bild mit KI erstellt)

Die Frage, die sich viele stellen, ist einfach: Was hätten eigentlich wir zu erwarten, wenn wir in jene Länder auswandern würden, aus denen viele Migranten nach Europa kommen? Nicht als Touristen. Nicht als Investoren. Nicht als gut bezahlte Fachkräfte. Sondern als Menschen ohne Arbeit, ohne Beiträge, ohne eigene Existenzgrundlage und mit dem Wunsch nach staatlicher Unterstützung. Die Antwort fällt nüchtern aus: Sehr wenig.

Andere Länder unterscheiden klarer

Ein Europäer, der nach Marokko, Tunesien, Ägypten, Indien, Pakistan oder Bangladesch zieht, kann dort nicht einfach beim Staat vorsprechen und Sozialgeld, eine günstige Wohnung oder öffentliche Unterbringung verlangen. Entscheidend ist dort in der Regel nicht, ob jemand Hilfe möchte, sondern ob er eine rechtmäßige Grundlage für seinen Aufenthalt hat: Arbeit, Studium, Investition, Familie oder ausreichende eigene Mittel.

Damit sind diese Staaten in einer Frage oft wesentlich klarer als Europa: Sie unterscheiden zwischen eigenen Staatsbürgern, Gästen, Arbeitnehmern, Investoren, Studenten und mittellosen Ausländern. Wer als Ausländer kommt, muss meist zuerst beweisen, dass er dem Land nicht zur Last fällt. Genau hier liegt der entscheidende Unterschied.

Was ein mittelloser Europäer zu erwarten hätte

Wer als Ausländer ohne Arbeit, ohne Einkommen und ohne eigene Existenzgrundlage in einem dieser Länder steht, wird kaum als Anspruchsberechtigter behandelt. Er fällt nicht automatisch in ein staatliches Hilfssystem. Er kann nicht erwarten, dass ihm eine Wohnung organisiert oder monatliche Unterstützung ausbezahlt wird.

Ein mittelloser Europäer in Marokko könnte kaum erwarten, dass ihm der Staat eine Wohnung organisiert. In Tunesien würde man zuerst auf Aufenthaltsrecht, Arbeitserlaubnis und eigene Mittel schauen. In Ägypten richten sich große Sozialprogramme in erster Linie an die eigene arme Bevölkerung. In Indien sind viele Leistungen an Staatsangehörigkeit, lokale Registrierung und enge Anspruchsvoraussetzungen gebunden. Ein Ausländer ohne tragfähige Grundlage fällt dort nicht automatisch in ein soziales Auffangnetz.

Das ist keine Überraschung. Es ist in vielen Staaten schlicht selbstverständlich, dass der Sozialstaat zuerst für die eigene Bevölkerung da ist. Warum ist diese Selbstverständlichkeit bei uns so umstritten?

Südtirols Wohnungsnot ist real

Südtirol leidet seit Jahren unter Wohnungsnot. Junge Einheimische können sich kaum mehr eine Wohnung leisten. Familien mit normalem Einkommen geraten unter Druck. Senioren müssen jeden Euro umdrehen. Arbeitnehmer zahlen Steuern und Abgaben, wissen aber oft nicht, ob ihre Kinder sich hier einmal eine Zukunft aufbauen können.

Gleichzeitig wird über Wohnraum für Migrantenfamilien diskutiert, die auf Gemeinden verteilt werden sollen. Wieder einmal entsteht bei vielen Bürgern der Eindruck: Für Zuwanderer werden Lösungen gesucht, während Einheimische vertröstet werden.

Menschenwürde ja, Bevorzugung nein

Natürlich muss man unterscheiden. Wer wirklich Schutz braucht und rechtlich Anspruch darauf hat, muss menschenwürdig behandelt werden. Südtirol ist Teil Europas, und Europa ist an internationale Standards gebunden. Es geht nicht darum, Recht zu brechen oder Menschen unwürdig zu behandeln.

Aber zwischen Menschenwürde und sozialpolitischer Bevorzugung liegt ein großer Unterschied. Eine menschenwürdige Unterbringung ist das eine. Die politische Frage, wer bei knappem Wohnraum Vorrang haben soll, ist etwas anderes.

Warum nicht dieselbe Klarheit?

Wenn ein Südtiroler in vielen außereuropäischen Staaten ohne Arbeit und ohne Einkommen auftaucht, wird er dort kaum als Anspruchsberechtigter behandelt. Er wird nicht automatisch in ein Hilfssystem aufgenommen. Er wird nicht mit einer günstigen Wohnung versorgt. Er wird nicht dauerhaft aus öffentlichen Mitteln unterstützt. Viel eher wird man ihm sagen: Wer hier leben will, muss für sich selbst sorgen.

Warum sollte Südtirol nicht zumindest dieselbe Klarheit von Zuwanderern verlangen dürfen? Ein Sozialstaat kann nur funktionieren, wenn er die Zustimmung jener Menschen behält, die ihn finanzieren. Diese Zustimmung geht verloren, wenn arbeitende Einheimische den Eindruck haben, sie kommen selbst zuletzt an die Reihe.

Zuerst Verantwortung für die eigene Bevölkerung

Es ist kein Zeichen von Hartherzigkeit, wenn Südtirol zuerst an seine eigenen Familien denkt. Es ist politische Verantwortung.

Es ist kein Extremismus, wenn man fragt, warum junge Südtiroler keinen leistbaren Wohnraum finden, während für Migrantenfamilien Wohnungen organisiert werden sollen.

Es ist keine Ausländerfeindlichkeit, wenn man verlangt, dass öffentliche Mittel zuerst jenen zugutekommen, die dieses Land tragen, hier arbeiten, hier Steuern zahlen und hier verwurzelt sind.

Andere Staaten machen diese Unterscheidung ganz selbstverständlich. Dort ist der Sozialstaat kein offenes Versprechen an jeden, der kommt. Dort ist Hilfe meist an Staatsbürgerschaft, eigene Mittel, Arbeit, Familie oder klare rechtliche Voraussetzungen gebunden.

Hilfe mit Maß und Vorrang

Südtirol sollte aussprechen dürfen, was anderswo Normalität ist: Wer kommt, muss sich zuerst selbst erhalten können. Wer Hilfe braucht, muss sich an Regeln halten. Und wer öffentliche Unterstützung erhält, darf nicht besser gestellt werden als jene Einheimischen, die selbst seit Jahren auf Hilfe warten.

Hilfe ja. Menschlichkeit ja. Rechtsstaatlichkeit ja. Aber nicht blind. Nicht grenzenlos. Und nicht auf Kosten der eigenen Bevölkerung. Denn am Ende bleibt die einfache Frage: Was hätten wir dort zu erwarten? Die ehrliche Antwort lautet: deutlich weniger, als viele bei uns zu geben bereit sind.

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