So viele Großraubtiere leben in Südtirol und Tirol

In Südtirol ist der Wolf längst keine Einzelerscheinung mehr. Laut dem Forstdienst Südtirol wurden im Agrar- und Forstbericht 2023 genau 39 Wölfe genetisch nachgewiesen. Die tatsächliche Zahl dürfte jedoch deutlich höher liegen. Experten schätzen mindestens 78 Wölfe, die im Land unterwegs sind.
Das Amt für Wildtiermanagement bestätigte sieben Wolfsrudel. Drei davon haben ihr Hauptgebiet in Südtirol, vier Rudel teilen sich Reviere mit den Nachbarprovinzen. Die Zahlen zeigen: Der Wolf hat sich etabliert. Beim Bären ist die Situation anders. Südtirol hat keine eigene feste Bärenpopulation. Laut Forstdienst handelt es sich um einzelne männliche Bären aus Welschtirol, die zeitweise über die Grenze wandern. 2023 wurden drei Bären genetisch nachgewiesen.
Tirol: 25 Wölfe, 869 betroffene Nutztiere
Auch in Tirol ist der Wolf präsent. Laut dem Jahresbericht 2025 des Landes wurden 25 verschiedene Wölfe genetisch nachgewiesen. Die Risse und Sichtungen zeigen, dass Wölfe inzwischen in fast allen Tiroler Bezirken vorkommen. Nur im Bezirk Reutte gab es 2025 keinen bestätigten Nachweis.
Die Präsenz großer Beutegreifer hat konkrete Folgen für die Almwirtschaft. Im Jahr 2025 wurden in Tirol insgesamt 869 tote, verletzte und vermisste Nutztiere im Zusammenhang mit großen Beutegreifern durch das Land Tirol entschädigt, berichtet MeinBezirk. Davon entfielen 277 auf tote Nutztiere, was einer Steigerung von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die meisten Opfer waren Schafe (252), gefolgt von Rindern (16).
Die Zahl der als abgängig gemeldeten Nutztiere stieg um über 200 Prozent auf 592 Tiere. Das Land Tirol leistete rund 219.000 Euro an Entschädigung für gerissene und vermisste Weidetiere sowie rund 24.000 Euro an Beiträgen für Futterkosten für rund 560 vorzeitig von Almen abgetriebene Tiere.
Auch in Tirol gibt es keine feste Bärenpopulation. Laut dem Land Tirol wurden 2023 Spuren von drei verschiedenen Bären gefunden, die nur kurze Zeit im Land blieben.
100.000 Euro in Südtirol, 219.000 Euro in Tirol
Die Schäden durch Großraubtiere gehen ins Geld. In Südtirol nennt der Forstdienst für das Jahr 2023 Entschädigungen von knapp 100.000 Euro für Schäden durch Wölfe und rund 8.000 Euro für Schäden durch Bären. Wölfe verursachten damit etwa den zehnfachen Schaden der Bären.
In Tirol wurden im Jahr 2023 laut dem Jahresbericht des Landes deutlich mehr als hundert Schafe und andere Weidetiere von Wölfen getötet. Die Tiroler Landesregierung spricht von insgesamt deutlich über 180 gerissenen Tieren im Jahr 2023.
72 Prozent gegen Wolf
Die Rückkehr der Großraubtiere kommt in der Bevölkerung nicht gut an. Das Landesinstitut für Statistik ASTAT hat im Mai 2025 eine Umfrage mit eindeutigen Ergebnissen durchgeführt: 72 Prozent der Südtiroler Bevölkerung bewerten die Rückkehr der Wölfe als negativ, 77 Prozent jene des Bären.
Die Mehrheit ist klar: 87 Prozent sind für eine Regelung der Entnahme von Wölfen und Bären, wenn diese wiederholt in die Nähe von Siedlungen und Häusern kommen. 86 Prozent sind der Meinung, dass die Erhaltung von Almen mit freilebenden Tieren Vorrang gegenüber dem Großraubwild hat. 88 Prozent befürworten die Bestandsregulierung von Wolf und Bär.
Der Bär wird von 83 Prozent der Befragten als gefährlich für den Menschen bewertet, der Wolf von 69 Prozent. 53 Prozent der Befragten haben wegen der Präsenz von Wölfen oder Bären zumindest teilweise ihr Freizeitverhalten in der freien Natur geändert.
Abschüsse: Tirol greift durch, Südtirol zögert
Der Umgang mit Problemtieren unterscheidet sich. In Tirol wurden im Jahr 2025 insgesamt 27 Maßnahmenverordnungen für einen Schad- oder Risikowolf erlassen. Auf Grundlage dieser Verordnungen wurden sechs Wölfe entnommen. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 wurden zwei Wölfe entnommen.
Bei Bären geht Tirol vorsichtiger vor. Als 2025 ein Bär im Tiroler Oberland mehrere Nutztiere riss, setzte die Landesregierung auf Vergrämung und Besenderung – also auf Abschreckung und Überwachung, nicht sofort auf Tötung.
In Südtirol gab es bisher keine dokumentierten Abschüsse von Wölfen oder Bären. Die Diskussion über Entnahmen läuft aber auch hier.
Herdenschutz: 200 Kilometer Zaun in Tirol
Tirol investiert in Schutzmaßnahmen. Seit 2020 unterstützt das Land freiwillige Herdenschutzmaßnahmen finanziell: Rund 900 GPS-Tracker wurden mit insgesamt 67.000 Euro gefördert. Für Herdenschutzzäune gingen 700 Anträge ein, wofür etwa 780.000 Euro ausbezahlt wurden. Damit konnten rund 200 Kilometer Zaun errichtet werden, das entspricht der Strecke von Innsbruck nach Lienz.
Drei Herdenschutz-Pilotprojekte werden jährlich mit rund 300.000 Euro gefördert und 2026 fortgeführt – mit Anpassungen und einem verstärkten Fokus auf gelenkte Weideführung.






