Silvester 2025/26: Wenn Millionen in Rauch aufgehen

Südtirol: Verbot auf dem Papier
In Südtirol gilt seit Jahren ein weitgehendes Verbot für private Feuerwerkskörper. Die Realität in der Silvesternacht zeichnet jedoch ein anderes Bild: Raketen und Böller gehören nach wie vor zum Jahreswechsel.
Die rechtliche Lage ist eindeutig, die Durchsetzung in der Praxis hingegen schwierig bis schier unmöglich– insbesondere in dicht besiedelten Gebieten und während der kurzen, intensiven Silvesternacht.
Die Zahlen sprechen Bände
Europaweit geben Menschen jährlich geschätzte 1 bis 2 Milliarden Euro für Feuerwerkskörper aus. In Deutschland allein liegt der Umsatz bei rund 100 bis 130 Millionen Euro – Geld, das innerhalb weniger Stunden buchstäblich in Rauch aufgeht. Für Österreich sowie für Tirol existieren keine verlässlichen Zahlen, Schätzungen gehen jedoch ebenfalls von mehreren Millionen Euro jährlich aus.
Doch es geht nicht nur ums Geld. Die negativen Begleiterscheinungen der privaten Silvesterknallerei sind gut dokumentiert: Verletzungen durch unsachgemäßen Umgang, erheblicher Stress für Haus- und Wildtiere (UT24 berichtete), stark erhöhte Feinstaubwerte am Neujahrstag sowie eine massive Müllproblematik.
Das Müllproblem: Wer räumt auf?
Ein oft unterschätzter Aspekt sind die Hinterlassenschaften der Knallerei. Plastikteile, Kartonreste, Holzstäbe und chemische Rückstände verschmutzen Straßen, Parks und Naturflächen. Die wenigsten Verursacher fühlen sich am nächsten Tag für die Entsorgung verantwortlich. Die Aufräumarbeiten übernehmen Gemeindemitarbeiter oder Freiwillige – auf Kosten der Allgemeinheit.
Besonders problematisch ist dies in Naturschutzgebieten und auf Almen: Dort bleiben Feuerwerksreste teilweise monatelang liegen und stellen eine Gefahr für Tiere und Umwelt dar.
Der Hunger-Vergleich: Ein Faktencheck
Die oft gehörte Aussage, man könne mit dem weltweiten Feuerwerksbudget den Hunger besiegen, ist emotional verständlich, greift aber zu kurz. Die Vereinten Nationen schätzen, dass rund 40 Milliarden US-Dollar pro Jahr nötig wären, um den weltweiten Hunger nachhaltig zu bekämpfen – deutlich mehr als die globalen Ausgaben für Feuerwerk.
Dennoch regt der Vergleich zum Nachdenken an: Mit 1 bis 2 Milliarden Euro ließen sich etwa zehn Millionen Menschen ein Jahr lang ernähren oder zahlreiche nachhaltige Landwirtschafts- und Hilfsprojekte finanzieren. Die Frage ist also weniger, ob Feuerwerk allein den Hunger beendet – sondern, wie wir unsere Prioritäten setzen.
Alternativen sind möglich
Immer mehr Gemeinden in Europa setzen auf zentrale, professionelle Feuerwerke oder moderne Licht- und Drohnenshows. Diese Alternativen verursachen deutlich weniger Lärm, Müll und Umweltbelastung und ermöglichen eine kontrollierte Entsorgung der Rückstände.
Ein gemeinschaftliches Event bietet zudem Planungssicherheit und reduziert das unkoordinierte Abbrennen privater Feuerwerkskörper – samt der damit verbundenen Risiken.
Weniger ist mehr
Es geht nicht darum, Menschen den Jahreswechsel oder die Freude am Feiern zu nehmen. Doch die Frage ist berechtigt: Braucht es wirklich ein privates Wettrüsten mit immer lauteren, immer größeren Böllern? Oder wäre ein gemeinsames, professionell organisiertes Ereignis nicht die vernünftigere Alternative?
Die Diskussion darüber sollte sachlich geführt werden – mit Blick auf Sicherheit, Umwelt, Tierschutz und Verhältnismäßigkeit der Ausgaben. Denn gerade in Zeiten zunehmender Herausforderungen gilt mehr denn je: Manchmal bedeutet weniger tatsächlich mehr – mehr Sicherheit, mehr Rücksicht und mehr Nachhaltigkeit.






