Der hohe Preis des Friedens

Das Ende des Ersten Weltkrieges und die Teilung Tirols 1918 waren ein traumatisches Ereignis, das eine jahrhundertealte politische, wirtschaftliche und geografische Einheit entzwei brach. Das zu Kriegsbeginn noch neutrale Königreich Italien hatte hinter den Kulissen schon bald mit den Mächten der Entente über mögliche Gebietszugeständnisse im Falle eines Kriegseintritts verhandelt und sich im Londoner Geheimvertrag von 1915 unter anderem den überwiegend deutschsprachigen, südlichen Teil Tirols bis zur Brennergrenze gesichert. 1918 brachte die Dritte Piave-Schlacht die entscheidende Wendung für die Italiener und bald darauf den Waffenstillstand. Zwischen dem nördlichen und südlichen Tiroler Landesteil wurde eine neue Staatsgrenze gezogen.
Dem komplexen und tiefgreifenden Prozess dieser Teilung haben die beiden Autoren wissenschaftlich fundiert, aber doch für ein breites Publikum interessant nachgespürt. Auf der Basis neuester Erkenntnisse und zugleich von unterschiedlichsten Zeugnissen, Erzählungen und Erinnerungen inspiriert, machen sie ergänzend zu einer klassischen Diplomatiegeschichte auch das Schicksal der (kleinen) Leute sichtbar. Sie erzählen vom Diktat der Sieger, von faschistischer Unterdrückung, dem Widerstand der Enttäuschten und der Verzweiflung der Hungernden ebenso wie z. B. von den ganz praktischen Problemen vor Ort bei der Grenzfestlegung und Grenzziehung.
So wird die Teilung Tirols anhand sozialer, wirtschaftlicher und mentalitätsgeschichtlicher Aspekte umfassend beleuchtet. Zahlreiche Dokumente, Briefe und zum Teil bisher unveröffentlichte historische Fotografien geben einen tiefen und unmittelbaren Eindruck dieser für die Tiroler Geschichte des 20. Jahrhunderts so entscheidenden Ereignisse.
Der Autor:
Marion Dotter, Mag., geboren 1991 in Wien, Studium der Geschichte und Germanistik sowie der Lehramtsfächer Geschichte und Deutsch an der Universität Wien. Pro Scientia-Stipendiatin – März 2015 bis Jänner 2016.
Stefan Wedrac, Dr., Historiker an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Arbeitsschwerpunkte: Geschichte der späten Habsburgermonarchie; Geschichte der Krankenkassen; Geschichte Italiens und der Italiener in Österreich-Ungarn; Geschichte Triests; Erster Weltkrieg; Rechtsund Justizgeschichte 1918-1945.






