Ex-Wirecard-Chef will Kurz „gestürzt“ haben

Konkret soll Marsalek in der Nachricht aus dem Oktober 2021 behauptet haben, er sei an der Beschlagnahme des Handys des engen Kurz-Vertrauten und früheren Finanzministerium-Spitzenbeamten Thomas Schmid beteiligt gewesen, der die „geheime Wahlkampffinanzierung“ von Kurz verwaltet hätte.
Schmids Mobiltelefon war bereits Ende 2019 beschlagnahmt worden, die darauf befindlichen Nachrichten waren Auslöser diverser Korruptionsermittlungen zu politischer Postenbesetzung – und auch der sogenannten Inseraten-Affäre, die schließlich zu Kurz‘ Rücktritt führte. Mittlerweile ist Schmid Kronzeuge der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA).
Eine ziemlich chaotische Geschichte
Das Ganze sei eine „ziemlich chaotische Geschichte“ gewesen, soll Marsalek Roussev geschrieben haben. Die übrigen Chats hätten den Kanzler dann „erledigt“.
Die Nachrichten stammen aus Ermittlungsunterlagen, die die britische Polizei Anfang 2023 bei der Festnahme des Spionagenetzwerks um den Bulgaren Roussev sichergestellt hatte und über die mehrere Medien des Axel Springer Global Reporters Network wie die deutsche Bild-Zeitung und der britische Telegraph am Samstagabend berichtet haben. Offen ist allerdings, ob Marsalek tatsächlich mit der Beschlagnahme von Schmids Handy und Kurz‘ Rücktritt zu tun hatte.
Marsalek könne Rolle überbetonen
In den Unterlagen gebe es dafür keinen unabhängigen Beweis, wird in den Medienberichten eingeräumt. Marsalek könnte seine Rolle auch „überbetonen“, um sich im Nachrichtendienstmilieu einen Namen zu machen, wurde der britische Sicherheitsexperte Ed Arnold vom Thinktank „The Royal United Services Institute“ im Telegraph zitiert.
Unklar ist auch, wie oder mit wem Marsalek die Aktion organisiert haben will. In Zusammenhang mit Kurz‘ Rücktritt soll er laut den Berichten auch über einen Mann geschrieben haben, der eine Zeit lang „für uns“ gearbeitet habe und nun Opfer einer „Hexenjagd durch das Team des ehemaligen Kanzlers“ geworden sei. Ob mit „uns“ Wirecard gemeint ist oder ein russischer Nachrichtendienst, wird von den österreichischen Ermittlern allerdings erst geklärt.
Ein Teil der hunderttausenden Nachrichten aus den britischen Ermittlungsunterlagen, aus denen nun zitiert wird, soll auch bei den österreichischen Behörden liegen. Roussev gilt als Kopf jenes von London aus operierenden Spionagenetzwerks, das Marsalek bei seinen Operationen für den russischen Geheimdienst genutzt haben soll, um in Österreich u.a. Investigativjournalisten und andere Kremlkritiker auszuspionieren. Er spielte zuletzt auch eine prominente Rolle im Spionage-Prozess gegen den früheren Chefinspektor des inzwischen aufgelösten Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Egisto Ott, der schließlich wegen Amtsmissbrauch und Spionage für Russland im Auftrag Marsaleks nicht rechtskräftig zu 49 Monaten Haft verurteilt worden war.
Kein Kommentar aus Österreich
Aus dem Innenministerium hieß es auf APA-Anfrage, dass den österreichischen Sicherheitsbehörden Berichte aus Großbritannien übermittelt wurden, die nun in den Ermittlungskomplex Ott/Marsalek aufgenommen werden. Die weiteren Ermittlungen dazu seien aktuell im Laufen.
Auch im Bundeskriminalamt wollte man gegenüber den Springer-Medien wegen der laufenden Ermittlungen keine Stellungnahme abgeben.
apa






