von lif 04.11.2026 18:24 Uhr

Diabetes früher erkennen: Fachärzte fordern mehr Tests

Fachärzte und Betroffene fordern in Österreich mehr Früherkennung von Diabetes. Am 14. November ist Weltdiabetestag.

Bild: APA/AFP

Bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) am Mittwoch haben sich Fachärzte für mehr Früherkennung ausgesprochen. In Österreich leben mehr als 800.000 Menschen mit Diabetes mellitus, die meisten mit Typ 1 oder Typ 2. ÖDG Präsident Harald Sourij von der Med Uni Graz warnte vor rund 500 schwerwiegenden Amputationen oberhalb des Sprunggelenks pro Jahr als Folge von Diabetes. Er sagte: „Früh zu handeln, bedeutet früh zu erkennen.“

Die ÖDG fordert, bei der Vorsorgeuntersuchung künftig neben dem Nüchternblutzucker auch den HbA1c Wert zu bestimmen, bei allen Menschen ab 35 Jahren alle drei Jahre, besonders bei Übergewicht. Der Wert zeigt, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen zwei bis drei Monaten war. Bei einem Prädiabetes sollte das jährlich geschehen, weil das Risiko, dass er fortschreitet, groß ist.

Bluttest bei Kindern und Jugendlichen

Maria Fritsch von der ÖDG berichtete, dass im Blut inzwischen diabetesspezifische Antikörper nachgewiesen werden können. Sind mehr als zwei davon vorhanden, erkranke die Person laut Fritsch irgendwann im Leben mit Sicherheit an Diabetes Typ 1. Diese Erkrankung beginnt oft schon Monate bis Jahre vor den ersten Beschwerden. Beim ersten Kontakt mit den Ärzten befänden sich bis zu 44 Prozent der Jugendlichen bereits in einer diabetischen Ketoazidose, einer lebensbedrohlichen Stoffwechselentgleisung. Ein Medikament könne den Ausbruch um bis zu zwei Jahre verzögern.

Thomas Führer von der Patientenvertretung „Wir sind Diabetes“ fordert flächendeckende Antikörpertests. Über 80 Prozent der Kinder mit neu diagnostiziertem Typ 1 Diabetes hätten keine nahen Angehörigen mit der Erkrankung. Er sprach sich außerdem für Sensoren zur Blutzuckermessung aus, die Sicherheit beim Schlafen und beim Sport geben. Bei der Erstattung neuer Systeme sieht ÖDG Sekretärin Julia Mader Nachbesserungsbedarf.

Neue Medikamente

Neue Medikamente mit GLP 1 oder GIP Wirkung, die auch als Abnehmmittel bekannt geworden sind, haben laut Sourij einen hohen Stellenwert. Sie senken nach Studiendaten den Blutzucker und das Gewicht und verringern das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen, Herzschwäche und Todesfälle. Nebenwirkungen wie Übelkeit gebe es bei bis zu einem Fünftel der Patienten, es seien aber „gute und sichere Medikamente“.

APA/UT24

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