von ih 03.11.2026 12:30 Uhr

„Der 4. November ist kein Grund zum Feiern“

Der 4. November ist für Südtirol ein historisch belastetes Datum. Während Italien an diesem Tag den „Tag der nationalen Einheit und der Streitkräfte“ begeht, erinnert die Süd-Tiroler Freiheit an die Teilung Tirols und den Beginn der italienischen Fremdherrschaft. Der Landtagsabgeordnete Sven Knoll fordert deshalb die Landesregierung und die Bürgermeister auf, sich nicht an den Feierlichkeiten zu beteiligen.

Landtagsabgeordneter Sven Knoll - Foto: STF

Südtirol wurde nie militärisch erobert

Italien hat 1915 aus eigenem Entschluss einen Angriffskrieg gegen Österreich-Ungarn begonnen, um fremde Gebiete zu erobern, erinnert Sven Knoll. Für Südtirol sei der 4. November daher kein Grund zum Feiern.

Zudem sei das heutige Südtirol nicht durch eine militärische Eroberung an Italien gefallen. Die Tiroler Landesverteidigung habe der italienischen Armee bis zum letzten Kriegstag standgehalten. Erst nach dem Waffenstillstand sei das Gebiet bis zum Brenner von italienischen Truppen besetzt worden. Die endgültige Abtrennung von Österreich sei anschließend am Verhandlungstisch beschlossen und am 10. Oktober 1920 vollzogen worden.

Besonders kritisch sieht Knoll die historische Verbindung des Gedenktages mit dem Faschismus. Das Regime habe den 4. November für nationalistische Propaganda genutzt und die italienische Herrschaft über Südtirol verherrlicht. Auch nach dem Ende des Faschismus seien die offiziellen Feierlichkeiten in Bozen jahrzehntelang vor dem faschistischen Siegesdenkmal abgehalten worden. Erst in den 1990er-Jahren sei diese Praxis beendet worden.

Nicht an italienischen Feierlichkeiten teilnehmen

Die Süd-Tiroler Freiheit appelliert an die politischen Vertreter des Landes, auf eine Teilnahme an den Feierlichkeiten zu verzichten. Auch die Bürgermeister sollten sich nicht beteiligen und insbesondere nicht mit einer Trikoloreschleife auftreten. Eine unkritische Begehung des Tages blende dessen historische Belastung aus, so Knoll.

Darüber hinaus fordert die Bewegung die Sicherheitsbehörden auf, mögliche faschistische Propaganda rund um das Bozner Siegesdenkmal konsequent zu unterbinden. Hintergrund ist unter anderem ein Vorfall aus dem Jahr 2024, als die neofaschistische Gruppierung CasaPound am Siegesplatz ein Spruchband mit der Aufforderung angebracht hatte, den „Sieg“ des 4. November zu ehren.

Der Gedenktag sollte nach Ansicht Knolls vielmehr eine Mahnung sein, wohin Nationalismus, Krieg und die Missachtung des Selbstbestimmungsrechts führen können.

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