Bischof Muser mahnt zu Frieden und Menschlichkeit

„Wer der Toten gedenkt, darf sich deshalb nicht mit dem Unfrieden der Lebenden abfinden“, betonte Muser. Friedhöfe seien nicht nur Orte der Erinnerung, sondern auch Orte, die zur Versöhnung einladen.
Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine und die Gewalt im Gazastreifen zeigte sich der Bischof besorgt darüber, dass mehr über den Sieg als über Wege zum Frieden gesprochen werde. Krieg, Zerstörung und Hass würden noch Generationen belasten. Jeder Einzelne könne jedoch in seinem Umfeld einen Beitrag leisten: durch Zuhören, gegenseitigen Respekt und die Bereitschaft zur Versöhnung. Frieden bedeute dabei nicht, Unrecht zu verschweigen oder Leid zu verharmlosen.
Würde kennt keine Altersgrenze
Ein weiterer Schwerpunkt der Predigt war der Umgang mit schwerkranken und sterbenden Menschen. Fragen rund um medizinische Behandlung, Selbstbestimmung am Lebensende und assistierten Suizid seien schwierig und verlangten einen verantwortungsvollen Umgang. Hinter den Diskussionen stünden Menschen mit Ängsten, Leid und Hoffnungen, gab Muser zu bedenken.
Die Würde eines Menschen hänge weder von seiner Leistungsfähigkeit noch von seiner Selbstständigkeit ab. Niemand dürfe aufgrund von Alter, Krankheit oder Pflegebedürftigkeit das Gefühl bekommen, eine Last zu sein. Neben einer guten medizinischen Versorgung brauche es deshalb verlässliche Hospiz- und Palliativangebote sowie Menschen, die Zeit und Nähe schenken. Wie eine Gesellschaft mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgehe, sage viel über ihre Menschlichkeit aus.
Allerheiligen als Fest der Hoffnung
Bereits beim Gottesdienst am Vormittag in Lengstein hatte Muser die christliche Hoffnung auf die Auferstehung hervorgehoben. Allerheiligen sei nicht nur ein Tag des Gedenkens, sondern auch ein Fest der Hoffnung. Dabei erinnerte er an die vielen unbekannten „Heiligen des Alltags“, die durch Hilfsbereitschaft und Versöhnungsbereitschaft Gottes Liebe sichtbar machten.
Auch bei der Friedhofsfeier in Bozen verband der Bischof die Erinnerung an die Verstorbenen mit einem Auftrag an die Lebenden: Entscheidend sei nicht, wie viel ein Mensch besessen oder erreicht habe, sondern ob er für andere da gewesen sei, Frieden gestiftet und Menschen in schwierigen Lebenssituationen nicht allein gelassen habe.






