Milliardenprojekt spaltet Mailand: Braucht San Siro wirklich ein neues Stadion?

Die Pläne für das neue Generali Stadium sind vorgestellt, die Zustimmung ist jedoch keineswegs einhellig. Inter und AC Mailand sehen in der Arena einen wichtigen Schritt für die Zukunft ihrer Vereine. Teile der Inter-Fankurve protestierten am Tag der Präsentation vor dem Castello Sforzesco mit den Rufen „Hände weg von unserem Stadion“.
Auf einem Transparent stand: „Die Lichter von San Siro werdet ihr niemals auslöschen.“ Auch in Mailand gehen die Meinungen auseinander: Während Vertreter der Stadt das Projekt begrüßen, stoßen der Neubau und der neue Stadionname bei Teilen der Fans auf Kritik. Das berichtete die Mailänder Tageszeitung la Repubblica am Samstag, 31. Oktober.
Entworfen wurde die neue Arena von Foster + Partners und MANICA. Das Stadion soll rund 71.500 Plätze bieten und auf einem etwa 281.000 Quadratmeter großen Areal entstehen. Auffällig ist ein X-förmiges Tragwerk aus Sichtbeton, das bis zum geschwungenen Dach reicht. Das bestehende Giuseppe-Meazza-Stadion soll teilweise abgetragen werden. Der Baubeginn ist laut den Vereinen für 2028 vorgesehen; das erste Spiel ist für die Saison 2031/32 angepeilt. Beides steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Genehmigungen.
Befürworter verweisen auf Europas Spitzenfußball
Die Vereine begründen den Neubau mit einer modernen Infrastruktur und besseren Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen. Damit wollen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den großen europäischen Klubs stärken. Inter und Milan hatten eine Sanierung des Meazza prüfen lassen, sie aber als wirtschaftlich und organisatorisch nicht tragfähig bewertet. Als Gründe wurden unter anderem Dauer und Kosten der Arbeiten sowie mögliche Einschränkungen während des laufenden Spiel- und Veranstaltungsbetriebs genannt.
Auch aus der Stadtregierung kommt Zustimmung. Vizebürgermeisterin Anna Scavuzzo lobte laut einem Bericht die architektonische Qualität des Vorhabens und den Versuch, die Geschichte des Stadions zu würdigen. Die Stadt und die Vereine verweisen zudem auf die geplante Umgestaltung des gesamten Areals mit öffentlichen Räumen, Grünflächen, Freizeit- und Handelsangeboten.
Sanierung wäre laut Vergleichszahlen günstiger
Ob ein Neubau tatsächlich notwendig ist, bleibt umstritten. In einem 2025 eingereichten Vergleich veranschlagten die Vereine die Sanierung des Stadionbereichs mit rund 428 Millionen Euro, den Neubau samt zugehöriger Außenanlagen und Infrastruktur mit rund 811 Millionen Euro. Die Beträge decken nicht das gesamte, inzwischen mit etwa 2,3 Milliarden Euro bezifferte Projekt ab und sind wegen unterschiedlicher Leistungsumfänge nur eingeschränkt vergleichbar. Sie zeigen aber, warum die Sanierungsalternative weiter diskutiert wird.
Kritik an Abriss, Umweltprüfung und Verfahren
Gegen den Neubau sprechen sich auch Bürger und Initiativen aus, die San Siro als prägenden Teil der Mailänder Fußballgeschichte erhalten wollen. Beim Verwaltungsgericht wurden mehrere Rekurse gegen den Verkauf des Stadions und der umliegenden Flächen eingereicht. Das Gericht wies fünf Rekurse zurück: Vier wurden als unzulässig eingestuft, einer wurde inhaltlich abgewiesen. Ein weiterer Schritt steht noch aus: Für den 4. Mai 2027 ist eine Anhörung vor dem Staatsrat angesetzt.
Damit ist die Frage nach der Notwendigkeit nicht abschließend beantwortet: Die Vereine halten den Neubau für entscheidend, um ihre Zukunft und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Gegner stellen die Kosten, den Teilabriss des Meazza und die Folgen für das Viertel infrage. Mit der Präsentation der Renderings ist der Streit um San Siro jedenfalls nicht verstummt.
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