von ih 29.10.2026 09:49 Uhr

Ganz Österreich berichtet über Zapfenstreich in Bozen

Der Große Österreichische Zapfenstreich der Südtiroler Schützen auf dem Bozner Waltherplatz hat über Südtirol hinaus für Aufmerksamkeit gesorgt. Zahlreiche österreichische Medien berichteten über die Veranstaltung am Vorabend des österreichischen Nationalfeiertags und die daraus entstandene politische Auseinandersetzung. Im Zentrum stand die überzogene Kritik des nationalitischen FdI-Abgeordneten Alessandro Urzì, der im Aufmarsch einen Vergleich mit der nationalsozialistischen Anschlussidee zog.

Symbolbild / KI-generiert

Rund 1.000 Schützen nahmen am Sonntag, 25. Oktober, an der Veranstaltung teil. Mit dem Aufmarsch und dem Hissen einer großen österreichischen Fahne auf dem Waltherplatz wollte der Südtiroler Schützenbund seine historische und kulturelle Verbundenheit mit Österreich unterstreichen.

Unter den Gästen waren Landeshauptmann-Stellvertreterin Rosmarie Pamer, Altlandeshauptmann Luis Durnwalder und der österreichische Generalkonsul in Mailand, Wolfgang Lukas Strohmayer.

Breite Berichterstattung in Österreich

Der ORF Tirol, Der Standard, Heute, oe24 und Die Presse griffen die Ereignisse auf. Die Schlagzeilen reichen von einem „Disput nach Hissen der Österreichfahne“ beim ORF über „Österreichische Flagge gehisst: Südtiroler Schützen in der Kritik“ im „Standard“ bis zum zugespitzten Titel „Österreich-Fahne gehisst – jetzt tobt wilder Streit“ bei „Heute“.

Im Kern stimmen die Berichte in der Darstellung des Ablaufs überein: Rund 1.000 Schützen marschierten mit einer großen österreichischen Fahne durch Bozen und hissten diese auf dem Waltherplatz. Die Veranstaltung wurde als Ausdruck der Verbundenheit mit Österreich angekündigt, entwickelte sich jedoch rasch zum Gegenstand einer politischen Debatte.

Während manche Medien vor allem die Kontroverse hervorheben, widmet Die Presse zusätzlich der Anwesenheit des österreichischen Generalkonsuls und den Fragen rund um die Verwendung der Fahne besondere Aufmerksamkeit.

Südtirol-Feind poltert gegen Zapfenstreich

Auslöser der Auseinandersetzung waren die scharfen Reaktionen des italienischen Nationalisten Alessandro Urzì.

Der Abgeordnete von Fratelli d’Italia kritisierte den Aufmarsch als nationalistische Provokation. Seiner Argumentation zufolge beruht die Südtirol-Autonomie auf internationalen Vereinbarungen und auf gegenseitiger Loyalität zwischen Italien und Österreich. Eine Veranstaltung, die die Zugehörigkeit zu Österreich demonstrativ in den Vordergrund stelle, könne aus seiner Sicht diese Grundlagen infrage stellen.

Besonders weit ging Urzì mit seinem Vergleich zur nationalsozialistischen Anschlussidee. Die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtete ebenfalls über Urzìs Vorwürfe und zitierte seine scharfe Wortwahl gegenüber den Schützen.

Auch mögliche Schwierigkeiten mit Behörden Thema

Neben der politischen Kritik griffen österreichische Medien auch die vom Schützenbund geschilderten Schwierigkeiten im Vorfeld auf. Nach Angaben der Veranstalter sei das Hissen der österreichischen Fahne infrage gestellt worden; außerdem hätten die traditionellen Ehrensalven Einschränkungen unterliegen sollen. Die Schützen kritisierten diese Vorgänge als nicht nachvollziehbar.

Der FPÖ-Südtirolsprecher Christofer Ranzmaier kündigte deshalb eine parlamentarische Anfrage an Außenministerin Beate Meinl-Reisinger an. Er fordert eine Klärung, auf welcher Grundlage es zu den beanstandeten Einschränkungen gekommen sein soll.

Das österreichische Außenministerium erklärte gegenüber der Presse, im Vorfeld keine Kenntnis davon gehabt zu haben, dass eine österreichische Bundesdienstflagge mit Bundesadler gehisst werden sollte. Für die Teilnahme des Generalkonsuls habe aus Sicht des Ministeriums kein Anlass bestanden, davon abzusehen. Ob es tatsächlich zu ungerechtfertigten behördlichen Beschränkungen gekommen ist, sei gegebenenfalls durch die Veranstalter zu klären.

Eine Brauchtumsveranstaltung mit politischer Tragweite

Die Berichterstattung in Österreich macht deutlich, dass der Zapfenstreich nicht allein als traditioneller Festakt wahrgenommen wurde.

Die Fahnenhissung, die Anwesenheit österreichischer und Südtiroler politischer Vertreter sowie die Aussagen des Schützenbundes verliehen der Veranstaltung eine zusätzliche politische Dimension.

Und sie unterstrichen einmal mehr, dass Südtirol seine österreichische Identität auch nach mehr als hundert Jahren Zugehörigkeit zu einem fremden Staat nicht verloren hat.

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