Seniorenzentrum Ella: Kapelle sorgt für Unmut – Unterschriftenaktion

Am 14. November 2025 wurde die Heilig-Geist-Kapelle im Seniorenzentrum Ella in Vahrn im Beisein von Bischof Ivo Muser gesegnet. Muser feierte die Eucharistie gemeinsam mit weiteren Geistlichen. Bewohner, Gäste und Mitarbeiter des Öffentlichen Betriebs für Pflege- und Betreuungsdienste „Zum Heiligen Geist“ nahmen an der Feier teil. Gestaltet wurde die Kapelle vom Brixner Künstler Josef Rainer.
Für diesen Beitrag hat UT24 mit Bewohnern gesprochen und Direktor Christophorus Zöschg um eine Stellungnahme gebeten.
„Wir sind mit dem Kreuz aufgewachsen“
Viele der Bewohner sind mit dem christlichen Glauben und vertrauten religiösen Zeichen aufgewachsen. Ihr Einwand: In der Gestaltung des Raumes erkennen sie nicht wieder, was für sie eine Kapelle ausmacht. „Hier finden wir uns nicht wohl, weil es nicht das darstellt, was für uns eine Kapelle ist.“
Ein Bewohner bezeichnete die Kapelle im Gespräch als „kalte, bessere Garage“. Sie erinnere ihn kaum an einen christlichen Andachtsraum.
Eine weitere Gesprächspartnerin sagte im Gespräch, die Darstellung des Kreuzwegs spreche ältere Menschen nicht an. „Das sagt uns nichts. Wir sind mit dem Kreuz aufgewachsen“, beschreibt sie die Haltung der Bewohner.
Kreuz und Marienstatue nicht dauerhaft im Raum
Nach den Schilderungen der Bewohner befinden sich ein Kreuz und eine Muttergottesstatue nicht dauerhaft in der Kapelle. Bei Messfeiern steht ein etwa 20 Zentimeter großes Kreuz auf dem Altar. Eine Marienstatue und ein ca. 1,5 Meter großes Jesuskreuz, das eine Schenkung ist, werden aus einem Abstellraum geholt. Bei wechselnden Wortgottesdienstleitern könne es vorkommen, dass die christlichen Symbole nicht aufgestellt werden, weil den Verantwortlichen nicht bekannt sei, dass sie vorhanden sind.
Als weitere religiöse Elemente nennen die Bewohner einfarbige Bilder, die den Kreuzweg darstellen sollen, ein großes Bild des Künstlers sowie einen rund 30 mal 30 Zentimeter großen Tabernakel mit einer Darstellung des Heiligen Geistes.
Für die Kritiker vermitteln diese Elemente dennoch nicht ausreichend, dass es sich um eine Kapelle handelt. Sie wünschen sich, dass der Raum nicht nur während der Gottesdienste, sondern dauerhaft als christlicher Andachtsraum besser erkennbar ist.
Direktor beruft sich auf Liturgiekommission
Auf Anfrage erklärt Direktor Christophorus Zöschg, die Gestaltung sei in enger Abstimmung mit der zuständigen Liturgiekommission erfolgt. Ausstattung und Ausgestaltung entsprächen den von der Kommission vorgeschlagenen und genehmigten Vorgaben.
Rückmeldungen seien unterschiedlich
Zöschg erklärt, dem Träger seien unterschiedliche Rückmeldungen von Seniorinnen und Senioren bekannt. Neben kritischen Stimmen hätten sich auch Bewohner positiv über die Kapelle geäußert. Nähere Angaben dazu, wie diese Rückmeldungen erhoben wurden oder wie viele Bewohner sich jeweils geäußert haben, macht der Direktor nicht.
Wer stellt die religiösen Gegenstände auf?
Zur Verwendung von Kreuz und Marienstatue schreibt Zöschg, deren Platzierung erfolge im Rahmen der Gottesdienste und liturgischen Feiern. Wie das im Alltag sichergestellt wird, erläutert er nicht. Offen bleibt, wer dafür sorgt, dass sie bei den einzelnen Feiern bereitstehen – insbesondere bei Wortgottesdiensten mit wechselnden Leitern.
Änderungen derzeit nicht geplant
Änderungen an der Gestaltung sind laut Zöschg derzeit nicht vorgesehen. Der ÖBPB „Zum Heiligen Geist“ sei Träger des Seniorenzentrums, aber nicht Eigentümer und daher nicht befugt, eigenständig grundlegende Änderungen an der Kapelle vorzunehmen. Dieser Verweis erklärt mögliche Grenzen bei baulichen Veränderungen, beantwortet aber nicht, wer für das regelmäßige Bereitstellen der vorhandenen religiösen Gegenstände zuständig ist.
Unterschriftenaktion soll Anliegen Gehör verschaffen
Die Bewohner wollen mit einer Unterschriftenaktion auf ihre Unzufriedenheit mit der Gestaltung aufmerksam machen. Sie empfinden die Kapelle als kühl und können sich mit der modernen Einrichtung nicht anfreunden. Vertraute christliche Zeichen, die ihnen Halt geben und den Raum als Ort des Gebets erkennbar machen, vermissen sie.
Die gesammelten Unterschriften sollen anschließend übergeben werden – in der Hoffnung, dass sich etwas ändert und ihr Anliegen Gehör findet.
Für wen wurde die Kapelle gestaltet?
Damit bleibt die Frage, warum sich die Liturgiekommission für eine derart moderne Gestaltung entschieden hat. Schließlich war absehbar, dass die Kapelle vor allem von älteren, gläubigen Menschen besucht werden würde – Menschen, die dort die heilige Messe feiern und sich im Raum wohlfühlen sollen. Dieser Umstand hätte bereits bei der Planung berücksichtigt werden müssen.






