Kreml schiebt Selenskyj die Verantwortung für fehlenden Frieden zu

Witkoff überbringt Vorschläge
Nach Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und europäischen Vertretern in Oslo ist der US-Gesandte Steve Witkoff am Mittwoch in St. Petersburg mit Wladimir Putin zusammengetroffen. Das Gespräch im Konstantinpalast dauerte rund drei Stunden. Witkoff übergab Putin nach eigenen Angaben Unterlagen mit Vorschlägen für eine Friedenslösung. Die Gespräche in Norwegen seien produktiv gewesen, erklärte er; es gebe Fortschritte.
Witkoff sprach von einem möglichen „Momentum“ für ein Ende des Krieges und hoffte auf die Wiederaufnahme von Dreiergesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA. Kreml-Berater Juri Uschakow erklärte anschließend, Moskau sei „im Prinzip“ zu neuen Verhandlungen Mitte November bereit. Die letzte Gesprächsrunde dieser Art hatte im Februar stattgefunden. Nach Angaben Uschakows sollten sich die Gespräche mit einem Sicherheitssystem für Russland und die Ukraine nach Kriegsende befassen. Die von Witkoff übermittelten Vorschläge der Europäer und der Ukraine hätten aus Moskauer Sicht allerdings „nicht viel Substanz“.
Kreml verweist auf Kiew
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, die ukrainische Seite müsse die notwendigen Schritte für Frieden setzen. Dabei verwies er auf jüngste Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, der Selenskyjs Friedenswillen infrage gestellt hatte. Trump hatte den ukrainischen Präsidenten zu einer Einigung mit Putin gedrängt und vor schwerwiegenden Folgen gewarnt.
Russland verlangt seit Langem, dass sich die Ukraine vollständig aus dem Gebiet Donezk zurückzieht. Kiew lehnt diese Forderung ab: Dort kontrolliert die Ukraine noch strategisch wichtige Städte; ein Rückzug käme für Selenskyj einer Kapitulation gleich. Moskaus Gesprächsbereitschaft steht damit weiterhin neben Forderungen, die die Ukraine zurückweist. Zugleich wird Selenskyj vom Kreml als derjenige dargestellt, der den nächsten Schritt zum Frieden setzen müsse.
Wirtschaftliche Annäherung und Freilassung
Bei dem Treffen sprach Putin auch über eine mögliche wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA. Russland könne neben Diesel künftig auch große Mengen Dünger auf dem amerikanischen Markt anbieten. Der erste Tanker mit 40.000 Tonnen Diesel sollte am Donnerstag auslaufen. Das Abkommen über Diesellieferungen hatte Kritik ausgelöst.
Zum Auftakt des Treffens gab Putin außerdem die Freilassung des US-Bürgers Stephen Hubbard bekannt. Der über 70-Jährige war 2024 in Russland zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, weil er auf ukrainischer Seite als Söldner gekämpft haben soll. US-Präsident Trump erklärte, für die Freilassung sei kein Austausch nötig gewesen.
Quelle: ORF.at
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