von wk 20.10.2026 17:30 Uhr

Teilzeit bei Frauen, Überstunden bei Männern: Die Einordnung bleibt einseitig

58 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Südtirol arbeiten weniger als 35 Stunden pro Woche. Zugleich leistet mehr als jeder fünfte Mann mindestens 48 Wochenstunden. Der Vollbericht zeigt auch: In der gesamten Europaregion möchten Männer häufiger kürzertreten als Frauen.

Arbeits-Landesrätin Magdalena Amhof. (Foto: LPA/Fabio Brucculeri)

Die Arbeitszeiten von Frauen und Männern unterscheiden sich in Südtirol deutlich. Das zeigt die am 19. Oktober in Innsbruck vorgestellte EWCS-Studie zu den Arbeitsbedingungen in der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino. Die Landesregierung stellt in ihrer Mitteilung vor allem die Teilzeit von Frauen und deren Erwerbspotenzial in den Mittelpunkt. Der Vollbericht enthält weitere Zahlen, die das Bild ergänzen.

Viele Frauen arbeiten weniger als 35 Stunden

Laut Studie arbeiten 58 Prozent der erwerbstätigen Frauen in Südtirol weniger als 35 Stunden pro Woche. 35 Prozent kommen auf 21 bis 34 Wochenstunden, 23 Prozent auf höchstens 20 Stunden. Insgesamt leisten 43 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 35 und 40 Wochenstunden. In Tirol liegt dieser Anteil bei 40 Prozent, im Trentino bei 61 Prozent.

Bei den Männern arbeitet mehr als jeder Fünfte – 21 Prozent – mindestens 48 Stunden pro Woche. Weitere zwölf Prozent kommen auf 41 bis 47 Wochenstunden. Über alle Beschäftigten hinweg arbeiten in Südtirol 13 Prozent üblicherweise mindestens 48 Stunden. Das ist der höchste Anteil innerhalb der Europaregion: In Tirol sind es zehn, im Trentino neun Prozent.

Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof verweist darauf, dass viele Frauen ihre Erwerbsarbeit reduzieren, um Betreuungs- und Familienaufgaben zu übernehmen. Die genannten Arbeitszeitwerte zeigen, wie viele Stunden Frauen und Männer arbeiten. Für sich genommen erklären sie aber nicht, aus welchen Gründen jemand Teilzeit arbeitet.

Männer möchten häufiger kürzertreten

Die Landesmitteilung nennt auch die Wünsche zur Arbeitszeit: 37 Prozent der Erwerbstätigen in Südtirol würden gerne weniger arbeiten, rund die Hälfte möchte das bisherige Pensum beibehalten und 15 Prozent würden gerne mehr Stunden leisten.

Der Vollbericht schlüsselt diese Wünsche zusätzlich nach Geschlecht auf – allerdings für die gesamte Europaregion, nicht eigens für Südtirol. Demnach möchten 39 Prozent der Männer ihre Arbeitszeit reduzieren, bei den Frauen sind es 31 Prozent. Umgekehrt würden 14 Prozent der Frauen gerne mehr arbeiten, gegenüber elf Prozent der Männer. Die Mehrheit beider Gruppen möchte ihre derzeitige Arbeitszeit beibehalten: 55 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer. Diese geschlechtsspezifische Aufschlüsselung fehlt in der Landesmitteilung.

Auch bei den Teilzeitbeschäftigten zeigt sich ein differenziertes Bild: In der gesamten Europaregion möchte mehr als jede vierte Teilzeitkraft ihre Arbeitszeit erhöhen. Der Studienbericht hält zugleich fest, dass sich aus dem Wunsch nach mehr oder weniger Stunden nicht automatisch ableiten lässt, ob jemand mit seiner derzeitigen Arbeitszeit unzufrieden ist.

Zahlen zeigen Unterschiede, aber keine Gründe

Die Ergebnisse machen sowohl kürzere Arbeitszeiten bei Frauen als auch lange Arbeitswochen bei Männern sichtbar. Die politische Einordnung der Landesregierung richtet den Blick vor allem darauf, wie mehr Frauen ihre Fähigkeiten am Arbeitsmarkt einbringen könnten. Dass in der Europaregion mehr Männer als Frauen kürzertreten möchten, erwähnt die Mitteilung nicht.

Die Zahlen belegen, dass die Landesmitteilung relevante Ergebnisse des Vollberichts auslässt. Für eine ausgewogene Debatte über Arbeitszeit und Vereinbarkeit sollten die Wünsche von Frauen und Männern gleichermaßen berücksichtigt werden.

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