Südtirols Wirtschaft wächst – doch bei den Haushalten kommt wenig an

Südtirols Wirtschaft soll 2026 weiter wachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte laut den aktualisierten Schätzungen des Landesinstituts für Statistik (ASTAT) um 0,9 Prozent zulegen. Für die Einwohner ist das jedoch kein Grund zur Entwarnung: Die Konsumausgaben der privaten Haushalte sollen heuer real lediglich um 0,5 Prozent steigen. Zugleich belasten hohe Energie- und Treibstoffpreise die verfügbaren Einkommen.
Wachstum bleibt bescheiden
Nach einem Rückgang des BIP um 0,9 Prozent im Jahr 2024 wird das Wachstum für 2025 auf 0,8 Prozent geschätzt. Für 2027 werden weitere 0,8 Prozent erwartet. Das sind positive Zahlen – sie zeigen aber vor allem eine langsame Erholung und keinen kräftigen Aufschwung.
Auch die Exportentwicklung gibt Anlass zur Sorge. 2025 gingen die Ausfuhren nach Österreich um 6,8 Prozent und jene nach Deutschland um 8,6 Prozent zurück. Beide Länder zählen zu den wichtigsten Handelspartnern Südtirols. Zwar stiegen die Exporte in die USA um 8,4 Prozent; die Abhängigkeit von einzelnen Märkten und die schwache Nachfrage im Ausland bleiben jedoch ein Risiko.
Preise schmälern den Spielraum
Es wird erwartet, dass die Konsumausgaben 2026 real um 0,5 Prozent steigen. Diese Prognose steht allerdings unter dem Vorbehalt der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und der Energiepreise. Werden Energie und Treibstoff teurer, bleibt den Haushalten tendenziell weniger Geld für andere Waren und Dienstleistungen.
Die Inflation lag 2025 laut ASTAT über zwei Prozent. Für die Gemeinde Bozen betrug der Verbraucherpreisindex im August 3,6 Prozent. Die zentrale Frage lautet daher: Wie viel vom prognostizierten Wirtschaftswachstum kommt tatsächlich bei den Menschen an, wenn die Lebenshaltungskosten weiter steigen?
Gute Arbeitsmarktdaten, offene Fragen
Die Arbeitsmarktlage wird dabei als stabil beschrieben. Die Beschäftigung im Dienstleistungssektor nahm im zweiten Quartal 2026 leicht zu; das Wachstum setzte sich damit das sechste Quartal in Folge fort. Auch die Zahl der eingetragenen und aktiven Unternehmen erreichte laut Mitteilung einen Höchststand.
Diese Kennzahlen sind erfreulich. Sie beantworten aber nicht, ob die Einkommen mit den Preisen Schritt halten und ob die Menschen ihre Kaufkraft erhalten können. Die ASTAT-Prognosen zeichnen somit ein zweigeteiltes Bild: Südtirols Wirtschaft wächst, doch für die Haushalte bleibt der finanzielle Spielraum eng.






