von ih 17.10.2026 06:54 Uhr

Rund 400 Briefträger in Südtirol – aber viele Fragen bleiben offen

Personalmangel, vergrößerte Zustellgebiete, Arbeitszeiten und die Einhaltung der Zweisprachigkeit: Die Situation der italienischen Post in Südtirol wirft weiterhin zahlreiche Fragen auf. In seiner Antwort auf eine Landtagsanfrage der Süd-Tiroler Freiheit nennt Landeshauptmann Arno Kompatscher einige aktuelle Zahlen. Bei mehreren zentralen Punkten verweist er jedoch auf Angaben der Poste Italiane, bestehende Vereinbarungen oder die Zuständigkeit des Unternehmens und der Sozialpartner.

Foto: Poste Italiane

Nach Auskunft der italienischen Post sind in Südtirol im Jahr 2026 durchschnittlich rund 400 Briefträger im Einsatz. In den vergangenen Jahren seien Maßnahmen zur personellen Verstärkung fortgeführt worden. Im Zustelldienst wurden 2024 insgesamt 74 befristete Arbeitsverhältnisse in unbefristete umgewandelt, 2025 waren es 55. Zusätzlich stellte die Post 2024 zwölf und 2025 weitere 22 Mitarbeiter im Postfilialnetz neu ein.

Gleichzeitig verzeichnete das Unternehmen Personalabgänge. Laut den dem Land übermittelten Daten schieden 2024 insgesamt 76 Mitarbeiter aus, 2025 waren es 29. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 18 Abgänge registriert. Die Umwandlungen befristeter in unbefristete Arbeitsverhältnisse sind dabei gesondert ausgewiesen und nicht mit Neueinstellungen gleichzusetzen. Wie viele der ausgeschiedenen Briefträger aus Südtirol stammten und wie viele von außerhalb kamen, geht aus der Antwort nicht hervor.

Vertrag sieht Personaldeckung von 110 Prozent vor

Eine zentrale Vorgabe enthält die Vereinbarung zwischen dem Land Südtirol und der italienischen Post für den Zeitraum 2024 bis 2026: Das Unternehmen verpflichtet sich, den Personalbestand der Briefträger mit einer Deckung von 110 Prozent durch dauerhaft eingestelltes Personal sicherzustellen. Damit soll unter anderem den geografischen und wetterbedingten Besonderheiten des Landes Rechnung getragen werden. Für Zeiten erhöhten Postaufkommens sowie für urlaubs- und krankheitsbedingte Ausfälle kann zusätzlich befristetes Personal eingesetzt werden.

Ob die vereinbarte Personaldeckung derzeit tatsächlich erreicht wird, lässt die Antwort allerdings offen. Die Post teile mit, dass laufend Maßnahmen ergriffen würden, um den vorgesehenen Prozentsatz zu erreichen. Eine konkrete Zahl zum tatsächlichen Erfüllungsstand wird nicht genannt. Auch auf die Frage, ob in bestimmten Landesteilen ein besonders ausgeprägter Personalmangel besteht, verweist Kompatscher lediglich auf die Angaben zur Beschäftigtenzahl und zur vertraglichen Personaldeckung.

Zustellgebiete werden organisatorisch angepasst

Auch die Frage nach zusammengelegten oder vergrößerten Zustellgebieten wird von Landeshauptmann Kompatscher nicht konkret beantwortet.

Laut italienischer Post wird die Organisation der Zustellung laufend an das Postaufkommen, die Bedürfnisse der Kunden, die verfügbaren Personalressourcen sowie die geografischen Gegebenheiten angepasst. Im Laufe der Zeit seien entsprechende organisatorische Änderungen vorgenommen worden.

Welche Zustellzonen davon betroffen waren, wie viele Gebiete verändert wurden und ob weitere Zusammenlegungen geplant sind, bleibt unklar. Die Post verweist auf ihre regulären betrieblichen Planungsprozesse.

Zweisprachigkeit und Personalherkunft

Keine konkreten Zahlen liefert die Antwort von Kompatscher auch zur Herkunft der Beschäftigten und zur Verteilung auf die drei Sprachgruppen. Die Formulierung, ob Mitarbeiter „aus Südtirol stammen“, sei kein eindeutig bestimmbares sachliches Kriterium, heißt es. Eine entsprechende Aufschlüsselung werde deshalb nicht vorgenommen.

Die italienische Post erklärt, die geltenden Vorschriften zum Schutz der Sprachminderheiten und zur Zweisprachigkeit einzuhalten. Alle unbefristet Beschäftigten verfügten ordnungsgemäß über einen Zweisprachigkeitsnachweis. Ob sämtliche Nachweise der derzeitigen Mitarbeiter überprüft wurden und ob dabei gefälschte oder gekaufte Dokumente festgestellt worden sind, wird nicht konkretisiert. Die zuständigen Stellen prüften grundsätzlich alle Zweisprachigkeitsnachweise. Zu laufenden Ermittlungen und einzelnen Verdachtsfällen würden aus Datenschutzgründen und zum Schutz der Ermittlungen keine Angaben gemacht.

Auch eigene Sprachkurse für Mitarbeiter mit unzureichenden Deutschkenntnissen sind in der geltenden Vereinbarung nicht ausdrücklich vorgesehen. Sie enthält allerdings Maßnahmen zur Förderung der Zweisprachigkeit, darunter eine vertraglich festgelegte Zulage für das im Landesgebiet tätige Personal.

Arbeitszeiten und Gehälter: begrenzter Einfluss des Landes

Bei den laufenden Vertragsverhandlungen geht es laut Landeshauptmann Kompatscher auch um die Frage, wie die Arbeitsplätze bei der Post attraktiver gestaltet werden können. Ein Treffen fand laut Kompatscher am 14. Juli statt. Dabei habe er die vom Südtiroler Landtag vorgegebene Verhandlungslinie eingebracht. Eine offizielle Stellungnahme der italienischen Post stehe noch aus. Welche konkreten Änderungen bei den Arbeitszeiten vorgeschlagen wurden, ist aus der Antwort nicht ersichtlich.

Bei Gehaltsanpassungen verweist die Landesregierung auf die Zuständigkeit der Sozialpartner. Löhne und Gehälter müssten zwischen dem Unternehmen und den Gewerkschaften verhandelt werden; eine unmittelbare Einflussnahme des Landes sei in diesem Bereich weder möglich noch sinnvoll.

Auch bei der Unterbringung von Mitarbeitern, die von außerhalb Südtirols kommen, sieht die bestehende Vereinbarung keine Verpflichtungen des Unternehmens vor. Ob und in welchem Umfang die Post bei der Wohnungssuche unterstützt, wird nicht näher ausgeführt.

Zeitungszustellung erfüllt die Vorgaben

Zumindest bei der Zustellung der Tageszeitungen weist die Antwort von Kompatscher einen Wert aus, der über der vertraglichen Vorgabe liegt.

In den 116 Gemeinden Südtirols sollen mindestens 98 Prozent der ordnungsgemäß übergebenen Tageszeitungen bis 13 Uhr zugestellt werden. Im Jahr 2025 lag der durchschnittliche Wert laut Kompatscher bei 99,93 Prozent.

Das Unternehmen verweist zudem darauf, dass während der Sommermonate und bei erhöhtem Vertretungsbedarf befristet Beschäftigte eingesetzt oder ergänzende Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können.

Postämter sollen bestehen bleiben

Eine generelle Forderung nach einer Wiederöffnung der Postämter über Mittag im westlichen Landesteil sei der Südtiroler Landesregierung bislang nicht formell unterbreitet worden, heißt es. Dennoch setze sich das Land für bedarfsgerechte und bürgerfreundliche Öffnungszeiten ein. Die Post erklärt, die Öffnungszeiten regelmäßig anhand der Kundenbedürfnisse und der örtlichen Gegebenheiten zu überprüfen.

Die bestehende Vereinbarung sieht die Aufrechterhaltung des Postfilialnetzes in Südtirol vor. Änderungen an der territorialen Verteilung der Postämter müssen mit der Landesverwaltung abgestimmt werden. Im Jahr 2025 seien die Öffnungszeiten des Filialnetzes gegenüber dem Vorjahr nicht strukturell reduziert worden. Welche Postämter derzeit über Mittag geöffnet haben und wo es in den vergangenen fünf Jahren Einschränkungen gab, wird in der Antwort allerdings nicht aufgelistet.

Bei zusätzlichen Dienstleistungen verweist die Post auf das staatliche Projekt „Polis“. In Südtirol seien bereits 108 Modernisierungsmaßnahmen abgeschlossen worden. In zahlreichen Postämtern würden dadurch zusätzliche Verwaltungsdienstleistungen angeboten, darunter die Ausstellung von Reisepässen.

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