Erstmals keine Angriffe auf Energieanlagen in der Ukraine

Trump hatte die Waffenruhe am Sonntag verkündet. Zwei Tage zuvor hatte er US-Sanktionen gegen russische Dieselexporte aufgehoben, um die Treibstoffpreise in den USA vor den Kongresswahlen in drei Wochen zu senken. Medienberichten zufolge hatten US-Vertreter der Ukraine gedroht, die Weitergabe von Geheimdienstinformationen und Waffenlieferungen einzustellen, falls das Land seine Attacken auf russische Ölraffinerien nicht stoppe.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Dienstag, die Ukraine habe seit zwei Tagen keine russischen Raffinerien mehr angegriffen. Russland habe jedoch noch am Montag sechs ukrainische Energieanlagen bombardiert. Ob Russland in der Nacht auf Dienstag bewusst auf Schläge gegen die Energie-Infrastruktur verzichtete, blieb unklar. Eine Rakete schlug nämlich gut einen Kilometer von einem Heizkraftwerk entfernt in der westukrainischen Stadt Lwiw ein.
Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, sie habe vor dem Beschuss Kiews mit sechs ballistischen Raketen am späten Montagabend keine Vorwarnung erhalten. Solche Warnungen basieren üblicherweise auf US-Geheimdienstdaten. Außenminister Andrij Sybiha erklärte am Dienstag auf einer Sicherheitskonferenz in Warschau, Kiew erhalte weiterhin Geheimdienstinformationen aus den USA. Er wertete die US-Aufforderung, die Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, als Zeichen einer gestärkten Position der Ukraine. Der Kreml erklärte unterdessen, die Kontakte über die Energie-Waffenruhe dauerten an, nannte jedoch keine Einzelheiten. Bei den nächtlichen Bombardements wurden nach ukrainischen Angaben Schäden an 17 Orten registriert. Die Luftabwehr habe 88 von 108 Drohnen abgeschossen.
Selenskyj: Partner warnten nicht vor russischem Angriff
Selenskyj beklagte nach russischen Raketenangriffen auf die Hauptstadt Kiew eine fehlende Vorwarnung durch die westlichen Verbündeten des Landes. „Zu diesem Angriff gab es leider keine Vorwarnung von unseren Partnern“, teilte Selenskyj bei Telegram mit. „Aufklärungsdaten über den Abschuss russischer ballistischer Raketen helfen dabei, Menschenleben zu retten, und das ist eine der kritischsten Fragen“, sagte er.
„Aber direkte oder indirekte Unterstützung Russlands, die Behinderung der Hilfe für die Ukraine und die Erschwerung des Schutzes vor ballistischen Angriffen – all das trägt definitiv nicht zum Frieden bei“, sagte Selenskyj weiter. Der Präsident nannte keinen Partner namentlich, betonte aber, das Land brauche ein starkes Amerika, ein starkes Europa und Partner, „die wirklich helfen“. Er forderte wirksamen Druck auf Russland.
Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sagte, dass es weiterhin einen Austausch von Geheimdienstdaten mit den USA gebe. Der Luftalarm sei in der Nacht tatsächlich verspätet ausgelöst worden. „Dies hängt jedoch mit einer speziellen Art von Waffen zusammen, die die russische Seite eingesetzt hat“, erklärte er auf dem Warschauer Sicherheitsforum. Zur Art der Waffen machte er keine Angaben.
Präsident: Hinterhältiger Angriff auf Kiew
Die Ukraine verlässt sich in ihrem Abwehrkampf gegen den russischen Angriffskrieg traditionell vor allem auf Aufklärungsdaten des US-Militärs, aber auch auf die anderer NATO-Mitgliedsstaaten. Die ukrainischen Luftstreitkräfte hatten nach dem Angriff mitgeteilt, dass aufgeklärt werden müsse, warum es diesmal keine Warnung vor der russischen Attacke gegeben habe.
Auch in der Vergangenheit war die ukrainische Hauptstadt schon von den schnellen ballistischen Raketen überrascht worden. Bürger hatten beklagt, dass kein Luftalarm ausgelöst worden sei. Selenskyj sprach nun von einem „hinterhältigen ballistischen Angriff auf Kiew – fünf Raketen, die zivile Infrastruktur trafen“.
Selenskyj: Vier Tote und viele Verletzte in Charkiw
Selenskyj verurteilte auch den neuen russischen Angriff auf die ostukrainische Großstadt Charkiw, bei dem vier Menschen getötet worden seien. Dort sei ein gewöhnliches Wohnhaus zerstört worden; die Suche nach Verschütteten in den Trümmern dauere an, sagte er. „Insgesamt wurden an einem einzigen Abend allein in Charkiw 41 Menschen verletzt“, teilte der Präsident weiter mit.
Selenskyj beklagte erneut, dass sich Russland nicht an die Aufforderung von US-Präsident Donald Trump zu einer Waffenruhe für Angriffe auf Energieanlagen halte. Kiew habe seit der Ankündigung der Feuerpause keine russischen Ölraffinerien oder andere Ziele im russischen Energiesektor angegriffen. „In dieser Zeit haben die Russen sowohl unsere Energieanlagen als auch unsere kritische Infrastruktur angegriffen“, sagte Selenskyj. 19 Regionen seien betroffen.
apa






