von Alexander Wurzer 03.10.2026 10:51 Uhr

Arbeitsmarktämter im Wandel: Südtirol setzt auf Digitalisierung und stärkere Zusammenarbeit

Digitalisierung, neue Anforderungen an Beratung und Vermittlung, grenzüberschreitende Mobilität und der demografische Wandel stellen Europas Arbeitsmarktverwaltungen vor neue Herausforderungen. Wie darauf reagiert werden kann, war Thema der 8-Länder-Konferenz der deutschsprachigen Arbeitsverwaltungen in Luxemburg. Mit dabei war auch der Arbeitsmarktservice des Landes Südtirol.

Die Arbeitsmarkt-Experten, die sich anlässlich der 8-Länder-Konferenz in Luxemburg getroffen haben: vordere Reihe (von links) Silke Brüggebors (Luxemburg), Katja Gey (Liechtenstein) und Sabine Herzet (Ostbelgien). Petra Draxl (vordere Reihe, Fünfte von links, Österreich), Isabelle Schlesser (Luxemburg), Vanessa Ahuja (Deutschland), Martin Godel (Schweiz). Hintere Reihe (von links): Judith Duveen (Niederlande), Damien Yerly (Schweiz), Steffen Sottung (Deutschland), Niels Lieman (Niederlande), Werner Pramstrahler (AMS Südtirol), Stefan Luther (Direktor AMS Südtirol), Andreas Caluori (Liechtenstein) und Johannes Kopf (Österreich). Abwesend: Christiane Lenz (Deutschland). Mit auf dem Bild: Marjan Hartveldt (vordere Reihe, Vierte von links). (Foto: LPA/Arbeitsmarktservice Südtirol)

Die Arbeitsmarktverwaltungen in Europa stehen vor einem tiefgreifenden Modernisierungsschub. Digitale Verfahren sollen Verwaltungsabläufe vereinfachen, Routinearbeiten reduzieren und den Mitarbeitern dadurch mehr Zeit für persönliche Beratung, Vermittlung und individuelle Unterstützung verschaffen. Gleichzeitig verlangen die zunehmende grenzüberschreitende Mobilität und neue europäische Vorgaben eine engere Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsverwaltungen verschiedener Staaten.

Über diese Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze tauschten sich am 28. und 29. September Vertreter der Arbeitsverwaltungen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, der Niederlande, Luxemburgs, Ostbelgiens, Liechtensteins und Südtirols bei der 8-Länder-Konferenz im Château d’Urspelt in Luxemburg aus.

„Nicht durch neue IT allein“

Für den Direktor der Abteilung Arbeitsmarktservice des Landes Südtirol, Stefan Luther, steht fest, dass die Modernisierung weit über die Einführung neuer Computerprogramme hinausgehen muss. „Eine moderne Arbeitsmarktverwaltung entsteht nicht durch neue IT allein. Wir müssen gleichzeitig unsere Dienstleistungen, unsere Technologien und unsere Organisation und – vor allem – die dahinterstehenden Regeln und Gesetze vereinfachen und weiterentwickeln“, fasst Luther die Ergebnisse der Konferenz zusammen.

Ziel müsse eine Arbeitsmarktverwaltung sein, die digital leistungsfähiger werde und gleichzeitig die persönliche Betreuung verbessere. Digitale Verfahren seien dabei eine wichtige Voraussetzung für Automatisierung. Wiederkehrende Verwaltungsabläufe könnten dadurch effizienter abgewickelt und vorhandene Informationen besser genutzt werden. Die gewonnene Zeit solle wiederum jenen Aufgaben zugutekommen, bei denen der direkte Kontakt mit Arbeitssuchenden und Unternehmen besonders wichtig ist.

„Unser Ziel ist eine Arbeitsmarktverwaltung, die digital stärker und in der persönlichen Betreuung zugleich wirksamer wird“, betont Luther.

Andere Länder investieren massiv in Digitalisierung

Bei der Konferenz wurden auch konkrete Projekte der einzelnen Arbeitsmarktverwaltungen vorgestellt. Ostbelgien verbindet etwa die Feststellung beruflicher Kompetenzen und Sprachtests mit digital unterstützten Verfahren. Österreich entwickelt wiederum neue digitale Angebote für Unternehmen und baut bestehende Plattformen weiter aus.

Besonders aufgefallen ist den Südtiroler Vertretern der Umfang, in dem andere Arbeitsmarktverwaltungen bereits personelle Ressourcen für die Digitalisierung bereitstellen. Luxemburg habe bei einer mit Südtirol vergleichbaren Größe inzwischen eine Mitarbeiterschaft von rund 80 Personen aufgebaut, die sich ausschließlich mit der Digitalisierung der Arbeitsmarktverwaltung befasse, berichtete Luther.

Damit werde deutlich, welchen Stellenwert die digitale Transformation in anderen europäischen Arbeitsmarktverwaltungen bereits einnimmt. Für Südtirol ergibt sich daraus auch die Frage, wie die eigenen Strukturen technisch und organisatorisch weiterentwickelt werden können, damit Verwaltungsvorgänge schneller und einfacher abgewickelt werden können, ohne die persönliche Beratung zu vernachlässigen.

Grenzüberschreitende Erwerbsbiografien werden wichtiger

Neben der Digitalisierung gewinnt auch die Zusammenarbeit über Staatsgrenzen hinweg an Bedeutung. Arbeitnehmer sind heute zunehmend in mehreren Staaten tätig oder wechseln im Laufe ihres Berufslebens zwischen unterschiedlichen Arbeitsmärkten. Dadurch entstehen neue Anforderungen an die zuständigen Behörden.

Zusätzlich machen neue europäische Regeln zur Koordinierung der sozialen Sicherheit eine stärkere Abstimmung notwendig. Dies betrifft beispielsweise Arbeitslosenleistungen bei grenzüberschreitenden Erwerbsbiografien. Damit solche Fälle zuverlässig bearbeitet werden können, müssen die zuständigen Verwaltungen Informationen sicher austauschen und ihre Verfahren besser aufeinander abstimmen.

„Ein moderner europäischer Arbeitsmarkt braucht Arbeitsverwaltungen, die Daten sicher austauschen, Verfahren aufeinander abstimmen und Menschen auch über Grenzen hinweg verlässlich begleiten können“, unterstreicht Luther.

Die 8-Länder-Konferenz soll deshalb nicht nur dem Erfahrungsaustausch dienen, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Arbeitsmarktverwaltungen vertiefen. Für Südtirol bietet der Austausch die Möglichkeit, Entwicklungen anderer Länder frühzeitig zu beobachten und erfolgreiche Ansätze bei der eigenen Modernisierung zu berücksichtigen.

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