Schock: Strompreis in Südtirol steigt um 37 Prozent

Für rund drei Millionen Haushaltskunden im geschützten Strommarkt steigt der von der italienischen Energieaufsichtsbehörde ARERA festgelegte Strompreis im vierten Quartal 2026 um 37,3 Prozent auf 43,43 Cent pro Kilowattstunde. Für einen typischen Haushalt bedeutet das laut ARERA jährliche Mehrkosten von rund 236 Euro.
Der Verbraucherschutzverein Robin sieht darin eine paradoxe Entwicklung: Ausgerechnet jene Haushalte, die besonderen Schutz benötigen, seien von einem massiven Preisanstieg betroffen. Gleichzeitig gebe es auf dem freien Markt deutlich günstigere Fixpreisangebote. In Südtirol waren zuletzt beispielsweise Tarife verfügbar, die inklusive weiterer Rechnungskomponenten bei rund 27,5 Cent pro Kilowattstunde lagen.
Kritik an der Preisbildung
Als Hauptgründe für die Erhöhung nennt ARERA gestiegene Beschaffungskosten und die Erwartungen für die Großhandelspreise. Robin stellt allerdings die Frage, warum Schwankungen am Großhandelsmarkt in dieser Größenordnung unmittelbar an die Verbraucher weitergegeben werden und welche Mechanismen übermäßige Preisausschläge verhindern.
Auch die Rolle der Finanzmärkte steht in der Kritik. Der Verein fordert eine politische Diskussion darüber, in welchem Ausmaß spekulative Aktivitäten die Preisentwicklung auf den Energie- und Rohstoffmärkten verstärken können.
Südtirols Wasserkraft im Mittelpunkt
Besonders unverständlich sei die Situation aus Sicht des Vereins in Südtirol. Das Land verfüge über erhebliche Wasserkraftressourcen und produziere doppelt so viel Strom, wie es selbst verbrauche. Dennoch orientierten sich die Verbraucherpreise maßgeblich an den italienischen und europäischen Marktmechanismen.
Die hohen Energiekosten belasteten nicht nur Familien, sondern auch Handwerk, Landwirtschaft, Gastronomie, Handel und produzierende Betriebe. Die Mehrkosten würden entlang der gesamten Wertschöpfungskette weitergegeben und kämen letztlich erneut bei den Verbrauchern an.
Robin verweist zudem auf einen internationalen Vergleich für das zweite Quartal 2026. Demnach lag der Haushaltsstrompreis in Italien bei 34,5 Cent pro Kilowattstunde. In Deutschland waren es 35,6 Cent, in Frankreich 23,3 Cent und in den USA 18,3 Cent. Der Durchschnitt der G20-Staaten lag bei rund 16,3 Cent.
Forderung nach mehr Energieautonomie
Der Verbraucherschutzverein fordert eine stärkere Nutzung der energiepolitischen Handlungsspielräume Südtirols. Dazu gehören eine transparente Kontrolle der Strompreise, eine Prüfung, wie die Vorteile der heimischen Wasserkraft direkter bei Haushalten und Unternehmen ankommen können, sowie eine Überprüfung von Strombonus und Gratisstrom.
Auch die Möglichkeiten einer eigenen Gebotszone und zusätzlicher regulatorischer Zuständigkeiten für Strom und Wasser sollen laut Robin ernsthaft geprüft werden.
„Es reicht nicht, den Verbrauchern zu erklären, dass die Preise am Markt eben so sind“, betont der ehrenamtliche Geschäftsführer Walther Andreaus. Politik und Wirtschaftswissenschaft müssten nachvollziehbar erklären, wie die Preise entstehen, wer davon profitiert und welche Alternativen es gibt.
Für Robin beginnt echte Energieautonomie nicht allein bei der Stromproduktion, sondern erst dann, wenn auch die Verbraucher von den heimischen Ressourcen profitieren.






