von lif 21.09.2026 10:06 Uhr

120 Euro mehr für den Weg zur Arbeit

Wer in diesen Tagen an einer Tankstelle steht, schaut zweimal auf die Anzeige. Die Zwei vor dem Komma ist längst Normalität, beim Diesel schon deutlich mehr. Und seit dem 18. September fällt auch noch der staatliche Rabatt weg.

Symbolbild von David ROUMANET auf Pixabay

Die Zahlen des Landesstatistikinstituts ASTAT sind eindeutig. Im zweiten Quartal 2026 lag der durchschnittliche Literpreis in Südtirol für Benzin bei 1,895 Euro und für Diesel bei 2,064 Euro. Gegenüber dem Vorjahresquartal ist Diesel damit um 22,4 Prozent teurer geworden, Benzin um sieben Prozent. Die höchsten Preise werden laut ASTAT im Wipptal bezahlt. Seither ist es nicht besser geworden. Laut dem Vergleichsportal spritpreise.it kostete Diesel am 18. September an Tankstellen im Vinschgau zwischen 2,34 und 2,38 Euro pro Liter, Benzin zwischen 2,15 und 2,22 Euro. Der ASTAT-Durchschnitt aus dem Frühjahr ist damit schon wieder überholt.

Was die Straße von Hormus damit zu tun hat

Der Grund liegt rund 4.500 Kilometer entfernt. Seit dem Angriff der USA und Israels auf den Iran Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus, durch die rund ein Viertel des weltweiten Öls transportiert wird, weitgehend blockiert. Der Preis für Brent-Rohöl kletterte Ende März auf über 115 Dollar pro Barrel, fiel nach einer kurzen Waffenruhe zwischenzeitlich auf rund 97 Dollar und liegt inzwischen wieder bei etwa 103 Dollar. Am 15. September erreichte er mit 106 Dollar ein Viermonatshoch. Eine dauerhafte Entspannung zwischen den USA und dem Iran ist derzeit nicht in Sicht.

Rom steigt auf gezielte Hilfen um

Die Regierung in Rom hat reagiert, allerdings zögerlich. Im März senkte sie die Steuern auf Benzin und Diesel per Dekret um 25 Cent pro Liter, befristet auf 20 Tage. Der Rabatt wurde mehrfach verlängert und schrittweise gekürzt und lief für Benzin Anfang Juli aus. Für Diesel blieb ein Nachlass von 17,08 Cent bestehen, der im August und September noch mehrmals verlängert wurde. Seit dem 18. September ist auch er Geschichte. Ohne diese Steuersenkung würde der Dieselpreis in Italien einen neuen historischen Rekord erreichen und den bisherigen Höchststand vom März 2022 klar übertreffen. Statt weiterer pauschaler Rabatte kündigte die Regierung einen Wechsel zu gezielten Hilfen an. Im Gespräch ist unter anderem ein Kraftstoffbonus von 100 Euro, der Arbeitnehmern über die Lohnabrechnung ausgezahlt werden soll.

Was das konkret bedeutet, zeigt ein Beispiel. Wer täglich von Sterzing nach Bozen zur Arbeit fährt, legt hin und zurück rund 150 Kilometer zurück. Bei 20 Arbeitstagen im Monat sind das 3.000 Kilometer. Ein Dieselauto mit sechs Litern Verbrauch braucht dafür 180 Liter. Zum Preis vom Vorjahr, also rund 1,69 Euro, kostete das etwa 305 Euro im Monat. Zum ASTAT-Durchschnitt aus dem zweiten Quartal, 2,064 Euro, waren es 370 Euro. Zum aktuellen Vinschgauer Preis von 2,36 Euro sind es 425 Euro. Das sind 120 Euro mehr pro Monat als vor einem Jahr, allein für die Fahrt zur Arbeit. Bei drei Euro pro Liter wären es 540 Euro.

Und das trifft nicht wenige. Laut ASTAT werden auf Südtirols Straßen an Werktagen rund 9,5 Millionen Kilometer zurückgelegt, der Großteil davon im Auto. Und für viele im Land gibt es auch keine echte oder verlässliche Alternative.

Kommt die Drei?

Seriös vorhersagen kann das niemand. Vom aktuellen Dieselpreis bis zur Drei fehlen noch rund 27 Prozent. Das klingt nach viel, aber der Diesel ist allein im letzten Jahr um mehr als 22 Prozent gestiegen. Entscheidend ist, ob die Straße von Hormus wieder dauerhaft öffnet und wie großzügig die angekündigten gezielten Hilfen ausfallen. Beides ist derzeit offen.

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