von mmh 17.09.2026 15:06 Uhr

„Wer länger arbeiten soll, braucht auch einen Arbeitsplatz“

PVÖ-Tirol-Präsident Herbert Striegl fordert eine ehrliche Pensionsdebatte, echte Jobchancen für ältere Beschäftigte und eine gerechtere Finanzierung des Sozialstaats. Wer von Menschen verlange, länger im Erwerbsleben zu bleiben, müsse ihnen auch Arbeitsplätze bieten, an denen sie gesund bis zur Pension arbeiten könnten, betont der Präsident des Pensionistenverbandes Tirol.

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„Eine ehrliche Pensionsdebatte beginnt nicht bei der Frage, wie wir Menschen länger im System halten. Sie beginnt bei der Frage, ob sie mit 55, 60 oder 63 Jahren überhaupt noch einen Arbeitsplatz haben und diesen auch gesund ausüben können“, sagt Striegl. „Wer länger arbeiten soll, braucht auch einen Arbeitsplatz.“

Tirol: Ältere Beschäftigte längst unverzichtbar

Wie sehr Tiroler Betriebe auf ältere Arbeitnehmer angewiesen sind, zeigen aktuelle Zahlen deutlich: Ende Mai 2026 waren 61.877 Tirolerinnen und Tiroler im Alter von 55 bis 64 Jahren unselbständig beschäftigt. Ihr Anteil an allen Beschäftigten ist innerhalb von zehn Jahren von 11,1 auf 17,6 Prozent gestiegen.

Gleichzeitig ist ein Arbeitsplatzverlust in dieser Altersgruppe oft nur schwer zu überwinden. Im ersten Halbjahr 2026 meldeten sich 5.605 Menschen zwischen 55 und 64 Jahren beim AMS Tirol arbeitslos. Von den vorgemerkten Arbeitslosen dieser Altersgruppe waren 820 Personen langzeitbeschäftigungslos – das entspricht 23,9 Prozent und liegt damit deutlich über dem Anteil aller Arbeitslosen in Tirol von 13,2 Prozent.

„Ältere Beschäftigte sind für unsere Betriebe längst unverzichtbar. Dennoch erfahren viele Menschen ab 55, dass ihr Alter nach einem Jobverlust plötzlich als Nachteil gilt“, so Striegl. „Es reicht nicht, immer nur längeres Arbeiten zu fordern. Wir brauchen konkrete Chancen auf Beschäftigung, Weiterbildung und altersgerechte Arbeitsplätze.“

Forderung nach Bonus-Malus-System

Der Pensionistenverband Tirol fordert daher ein wirksames Bonus-Malus-System für eine altersgerechte Personalpolitik. Betriebe, die ältere Arbeitnehmer einstellen, weiterbeschäftigen und qualifizieren, sollen gezielt unterstützt werden. Unternehmen, die ältere Menschen bei Einstellungen und Personalentwicklung dauerhaft zu wenig berücksichtigen, sollen hingegen stärker in die Verantwortung genommen werden.

34 Milliarden Euro: Striegl mahnt zu mehr Genauigkeit

Auch bei den häufig genannten 34 Milliarden Euro an Pensionskosten mahnt Striegl zu mehr Transparenz. Für 2026 werden für Pensionsversicherung, Beamtenpensionen und Pflegegeld insgesamt rund 34,2 Milliarden Euro ausgewiesen. Davon entfallen rund 20,3 Milliarden Euro auf die Pensionsversicherung, weitere rund 13,9 Milliarden Euro betreffen Beamtenpensionen einschließlich Pflegegeld.

„Wer Milliardenbeträge nennt, muss auch erklären, was darin enthalten ist. Es ist irreführend, unterschiedliche Ausgabenbereiche einfach in eine Zahl zu packen und damit den Eindruck zu erwecken, die gesetzliche Pensionsversicherung allein verursache Kosten von mehr als 34 Milliarden Euro“, so Striegl. „Nur transparente Zahlen ermöglichen eine seriöse Diskussion und schaffen Vertrauen.“

Entscheidend sei letztlich das Gesamtbild: wie viele Menschen arbeiten und Beiträge leisten, wie lange sie gesund im Erwerbsleben bleiben können und wie gerecht die Finanzierung des Sozialstaats verteilt ist. „Wir stehen vor wichtigen Aufgaben. Aber wir dürfen das Vertrauen in die gesetzliche Pension nicht durch verkürzte oder irreführende Debatten beschädigen“, betont Striegl. „Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet und Beiträge bezahlt haben, müssen sich auf eine gute und verlässliche Pension verlassen können. Das muss auch für die jüngere Generation gelten.“

Forderung nach gerechterer Finanzierung des Sozialstaats

Für den PVÖ-Tirol-Präsidenten gehört zur Pensionsdebatte auch die Frage der Verteilungsgerechtigkeit. „Es kann nicht die Antwort sein, bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern sowie bei Pensionistinnen und Pensionisten zu sparen, während sehr große Vermögen und hohe Erbschaften kaum zur Finanzierung unseres Sozialstaats herangezogen werden“, sagt Striegl.

Der Pensionistenverband Tirol fordert daher eine breitere und gerechtere Finanzierung des Sozialstaats. Sehr große Vermögen und Erbschaften, außergewöhnlich hohe Vermögenszuwächse sowie neue Formen digitaler und automatisierter Wertschöpfung müssten stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben beitragen.

„Eine nachhaltige Pensionspolitik braucht gute Arbeitsplätze bis zur Pension, ein verlässliches Pensionssystem und eine gerechte Finanzierung“, fasst Striegl abschließend zusammen. „Die Lösung liegt nicht darin, Menschen länger arbeiten zu lassen, ohne ihnen die Chance auf einen Arbeitsplatz zu geben.“

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