Schadenersatz im Sanitätsbetrieb – jetzt liegen die Zahlen vor

Insgesamt 713 Schadenersatzforderungen gingen in diesem Zeitraum beim Südtiroler Sanitätsbetrieb ein. Das entspricht durchschnittlich rund 159 Forderungen pro Jahr beziehungsweise etwa 13 Fällen pro Monat.
Gesundheitslandesrat Hubert Messner setzt die Zahl in Relation zu den jährlich rund 75.000 bis 80.000 stationären Aufnahmen und Behandlungen. Demnach kommt es bei weniger als 0,2 Prozent der Aufnahmen beziehungsweise Behandlungen zu einer Schadenersatzforderung.
286 Forderungen anerkannt
Eine eingereichte Schadenersatzforderung bedeutet laut Gesundheitsressort allerdings nicht automatisch, dass tatsächlich ein Behandlungsfehler oder eine Haftung festgestellt wurde.
Von den 713 Forderungen wurden 286 Fälle im Zeitraum 2022 bis 2026 anerkannt. Die dafür geleisteten Zahlungen lagen durchschnittlich bei rund 2,9 Millionen Euro pro Jahr. Bei den übrigen Fällen handelt es sich unter anderem um noch laufende Verfahren sowie abgelehnte oder auf andere Weise abgeschlossene Forderungen.
In 63 Fällen konnte über den betriebsinternen Schlichtungsweg keine Einigung erzielt werden. Diese Verfahren wurden beziehungsweise werden vor Gericht geklärt. Damit betrifft dies rund neun Prozent aller eingegangenen Forderungen – durchschnittlich etwa 14 Fälle pro Jahr.
Die meisten Forderungen bezogen sich auf die Bereiche Orthopädie und Traumatologie, Notaufnahme, Gynäkologie und Geburtshilfe sowie Allgemeine Chirurgie.
Jeder Fall wird geprüft
Für Messner ist eine genaue Prüfung jedes einzelnen Falles entscheidend. Gleichzeitig müsse zwischen einer eingereichten, einer anerkannten und einer gerichtlich festgestellten Haftung unterschieden werden.
Bei Streitfällen besteht auch die Möglichkeit einer außergerichtlichen Lösung. Eine wichtige Rolle übernimmt dabei die beim Land Südtirol eingerichtete Schlichtungsstelle für Arzthaftungsfragen. Sie unterstützt als unabhängiges und überparteiliches Organ bei der außergerichtlichen Streitbeilegung.
Aus Schadensfällen lernen
Für den Gesundheitslandesrat geht es bei der Aufarbeitung der Fälle nicht nur um die Regulierung von Ansprüchen. „Unser Ziel muss sein, berechtigte Ansprüche anzuerkennen und gleichzeitig aus Schadensfällen zu lernen“, erklärt Messner. Patientensicherheit und Qualitätsverbesserung müssten deshalb gemeinsam betrachtet werden.
Dass Haftungsfälle systematisch erfasst und ausgewertet werden, sei auch in anderen öffentlichen Gesundheitssystemen üblich. Als Beispiel nennt das Gesundheitsressort die Region Venetien, die regelmäßig Daten zu Schadenersatzforderungen im regionalen Gesundheitsdienst veröffentlicht. Dort wurden zuletzt Forderungen an die Sanitätsbetriebe für die Jahre 2016 bis 2023 ausgewertet. Rund 90 Prozent der erfassten Fälle lagen unter einem Schadenswert von 250.000 Euro.
Messner betont abschließend, dass Transparenz gerade bei schwierigen Themen wichtig sei. Die veröffentlichten Zahlen müssten dabei sachlich und im richtigen Zusammenhang betrachtet werden.






