von mmh 13.09.2026 07:44 Uhr

Südtiroler Fotograf triumphiert in San Francisco

Der Südtiroler Fotograf und Künstler Philipp Egger sorgt erneut international für Aufsehen. Mit seinem Bild „Born of Silence“ hat der 25-Jährige die Kategorie „Winged Life“ beim renommierten BigPicture-Wettbewerb der California Academy of Sciences in San Francisco gewonnen. Bereits im Vorjahr war Egger bei dem Wettbewerb erfolgreich.

(Sym,bolbild von u_ojq9rdzqq7 auf Pixabay)

Für die diesjährige Ausgabe wurden mehr als 7.400 Arbeiten aus 64 Ländern eingereicht. Eine internationale Fachjury unter dem Vorsitz der renommierten Wildlife-Fotografin Suzi Eszterhas wählte die Sieger in sieben Kategorien.

Für Egger ist es damit bereits die zweite Auszeichnung bei BigPicture innerhalb von zwei Jahren. 2025 hatte seine am Ätna entstandene Aufnahme „Dance of the Elements“ den People’s Choice Award gewonnen. Diesmal überzeugte sein Werk „Born of Silence“ die Fachjury.

  • Born of Silence (Bild: Philipp Egger)

Zwei junge Uhus, ein besonderer Moment

Das ausgezeichnete Bild entstand im Vinschgau und zeigt zwei junge Uhus in außergewöhnlicher Nähe. Die Köpfe der Tiere nehmen beinahe die gesamte Bildfläche ein. Während einer der jungen Vögel mit geöffnetem Schnabel ruft, verharrt sein Geschwister beinahe vollkommen ruhig.

Durch die Nähe und den besonderen Moment scheinen die Grenzen zwischen den beiden Tieren für einen Augenblick zu verschwimmen. Das Bild bewegt sich damit zwischen dokumentarischer Naturfotografie und einer beinahe malerischen Darstellung.

„Mich interessieren jene seltenen Augenblicke, in denen die Natur etwas von sich preisgibt, das unserem Blick normalerweise verborgen bleibt“, erklärt Egger. Bei „Born of Silence“ würden zwei vollkommen unterschiedliche Zustände aufeinandertreffen und für einen Moment zu einer Einheit werden.

Der Fotograf hatte den seit Generationen genutzten Brutplatz über längere Zeit beobachtet und das Verhalten der Uhus studiert.

Von Südtirol auf die großen Bühnen

Der Erfolg in San Francisco reiht sich in eine Serie internationaler Auszeichnungen ein. 2025 gewann Egger mit „Shadow Hunter“ die Kategorie „Animal Portraits“ beim Wildlife Photographer of the Year des Natural History Museum in London.

Für die 61. Ausgabe des Wettbewerbs waren 60.636 Fotografien aus 113 Ländern und Territorien eingereicht worden. Das Natural History Museum bezeichnet den Wettbewerb als weltweit führenden Wettbewerb für Wildlife-Fotografie.

Auch „Shadow Hunter“ entstand nach einer jahrelangen Beobachtung eines Uhu-Brutplatzes in Südtirol. Im selben Jahr erhielt Egger zudem Gold mit „Photo Art“ in der Kategorie „Creative Perspectives“ beim Bird Photographer of the Year. Weitere seiner Arbeiten wurden bei internationalen Wettbewerben in Europa und den USA ausgezeichnet.

Nach insgesamt acht internationalen Auszeichnungen im Jahr 2025 setzte sich die Erfolgsserie 2026 fort. Im Frühjahr wurden Werke Eggers bei den Glanzlichtern der Naturfotografie in Deutschland sowie beim Memorial María Luisa in Spanien ausgezeichnet.

Nur wenige Tage vor dem Erfolg in San Francisco erhielt zudem „Cathedral of Vanishing Ice“ eine Auszeichnung bei den International Photography Awards in Los Angeles. Die darauf abgebildete Gletscherhöhle existiert heute nicht mehr.

  • Die Gestalt der Stimme - Diesen Frühjahr ausgezeichnet bei den Glanzlichtern der Naturfotografie (Bild: Philipp Egger)
  • Cathedral of Vanishing Ice International Photography Awards

Eine unverwechselbare Bildsprache

Ob Uhus, Eisvögel, balzende Auerhähne, Fossilien, Gletscher oder die Feuer- und Aschelandschaft des Ätna – die Motive von Egger sind vielfältig. Gemeinsam ist seinen Arbeiten jedoch eine besondere Bildsprache.

Seine Fotografien bewegen sich bewusst an der Grenze zwischen Naturdokumentation und Kunst. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage, wie ein Tier oder eine Landschaft aussieht. Vielmehr versucht Egger, besondere Momente einzufangen, in denen Licht, Bewegung, Verhalten und Zeit eine zusätzliche Ebene sichtbar machen.

Viele seiner Aufnahmen entstehen deshalb über lange Zeiträume. Egger kehrt über Monate oder teilweise Jahre an dieselben Orte zurück, beobachtet Tiere und Landschaften, entwickelt Bildideen und verwirft sie wieder.

„Ich möchte Natur nicht einfach abbilden. Meine Bilder sollen Fenster in ihre geheimnisvolle, oft verborgene Seele sein“, sagt der Südtiroler.

Diese Herangehensweise überträgt Egger zunehmend auch auf seine filmischen Arbeiten. Fotografie und Bewegtbild dienen dabei unterschiedlichen Ausdrucksformen derselben Idee: Natur nicht nur sichtbar, sondern auch fühlbar zu machen.

Von London über New York bis San Francisco

Eggers Arbeiten werden inzwischen auf mehreren Kontinenten präsentiert. Internationale Ausstellungen führten seine Bilder unter anderem nach London, New York, Hongkong und San Francisco. Zu den bedeutenden Institutionen, in denen seine Arbeiten gezeigt wurden oder im Rahmen internationaler Wanderausstellungen zu sehen sind, zählen das Natural History Museum in London, das American Museum of Natural History in New York, das Hong Kong Science Museum und die California Academy of Sciences in San Francisco.

Der Ursprung seiner Arbeit bleibt dabei Südtirol. Egger wuchs in Prad am Stilfserjoch auf und entwickelte dort seine enge Beziehung zur alpinen Landschaft.

Mit „Born of Silence“ kehrt er zudem zu einem Motiv zurück, mit dem er sich seit Jahren intensiv beschäftigt: dem Uhu. Das neue Werk unterscheidet sich jedoch deutlich von „Shadow Hunter“, mit dem er in London erfolgreich war.

Während beim Londoner Siegerbild ein Uhu aus der Dunkelheit hervortritt, scheinen bei „Born of Silence“ zwei junge Tiere beinahe zu einer einzigen Gestalt zu verschmelzen.

Mit 25 Jahren werden Eggers Arbeiten damit auf mehreren Kontinenten ausgezeichnet und ausgestellt. Die Motive und Schauplätze wechseln – die unverwechselbare Bildsprache des Südtirolers bleibt.

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