Schulobst-Programm: Viel Aufwand, wenig Wirkung?

Das Schulmilchprogramm der EU gibt es seit 1977, 2009 kam das Schulobst- und Gemüseprogramm dazu. Ziel ist es, Kindern gesunde Ernährungsgewohnheiten zu vermitteln, neben der Verteilung der Lebensmittel sind auch Bildungsaktivitäten vorgesehen. Im Schuljahr 2024/25 nahmen über 19 Millionen Kinder an 143.000 Schulen und Kindergärten teil. Die EU unterstützte die Mitgliedstaaten mit 132 Millionen Euro für Obst und Gemüse sowie 89 Millionen Euro für Milch.
In Italien beteiligten sich 1,2 Millionen Kinder an knapp 9.000 Grundschulen. Verteilt wurden 2.571 Tonnen Obst- und Gemüseerzeugnisse im Wert von 7,5 Millionen Euro sowie 633 Tonnen Milch, 361 Tonnen Joghurt und 63 Tonnen Käse. In Südtirol erfolgt die Verteilung laut Pädagogischer Abteilung des Landes üblicherweise an 30 Tagen zwischen November und April.Â
Kritik übt die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) am Bio-Anteil. Von den verteilten Obst- und Gemüseerzeugnissen verfügten zwar 45 Prozent über ein Herkunftskennzeichen, aus biologischer Landwirtschaft stammten aber nur 0,2 Prozent des Wertes. „Der Anteil an Bio-Obst und -Gemüse ist auffallend niedrig“, merkt Silke Raffeiner, Ernährungsexpertin der VZS, an. „Im Schuljahr 2017/2018 waren es noch 14,3 Prozent des Gesamtwerts, 2024/2025 ist der Bio-Anteil jedoch auf homöopathische 0,2 Prozent gesunken. Und das, obwohl den Lehrpersonen zufolge das Bio-Obst und -Gemüse bei den Kindern Jahr für Jahr am besten ankommt.“
Zweifel an der Wirkung
Probleme gibt es auch bei der Lieferung. Italienweit bemängelten 38 Prozent der befragten Schulen Schwierigkeiten bei der Verteilung von Obst und Gemüse, etwa bei Menge, Qualität und Pünktlichkeit. Bei den Milchprodukten waren es 21 Prozent. Widersprüchlich fällt zudem die Bewertung der Wirkung aus, so die VZS. Zwar gaben fast 77 Prozent der befragten Eltern an, ihr Kind habe während der Teilnahme mehr Obst und Gemüse gegessen als zuvor. Laut Bericht ist die Akzeptanz von Obst und Gemüse bei teilnehmenden Kindern aber nicht wesentlich höher als bei jenen, die nicht teilnahmen. Auch die EU-weite Evaluierung 2017 bis 2022 kam zum Schluss, dass die Programme nur begrenzte Auswirkungen auf die Ernährungsgewohnheiten haben. Profitieren würden vor allem Kinder, die sonst nur eingeschränkten Zugang zu Obst und Gemüse haben.






